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Josef Schuster: Große Sorgen unter deutschen Juden

16:00

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12. Juni 2026

Angesichts der hohen Zahl antisemitischer Delikte in Deutschland sei die Sorge vieler jüdischer Menschen gewachsen, stellt der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, im DW-Interview fest.

Viele Juden hätten Sorge, sich erkennbar durch das Tragen einer Kippa oder eines Davidsterns auf der Straße zu zeigen, berichtet Josef Schuster. Das gelte hauptsächlich für größere Städte wie Berlin. In Kleinstädten und auf dem Land sei die Lage besser, so Schuster. Der Zentralrat der Juden hat in einer Umfrage in über 100 jüdischen Gemeinden die Stimmungslage abgefragt.

Kritisch sieht Schuster das weitere Erstarken der in Teilen rechtsextremen AfD. Noch seien die Koffer für eine mögliche Auswanderung wegen antisemitischer Taten nicht gepackt, sagt Josef Schuster. "Aber im Moment wird mehr und mehr geguckt, wo der leere Koffer steht und man überlegt schon, was man in den leeren Koffer wieder hineintut. Also die Überlegung auch, wenn man auswandern wollte, wohin sollte man auswandern? Diese Frage ist eine ernsthafte Frage, die in jüdischen Kreisen leider diskutiert wird."

Dass es in der AfD mittlerweile eine Gruppe gibt, die sich "Juden in der AfD" nennt, kommentiert der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland so: "'Juden in der AfD' ist eine sehr kleine Gruppierung, die ein Feigenblatt ist. Eine Gruppierung mit einer Mitgliederzahl allenfalls im niedrigen zweistelligen Bereich, von denen auch nicht alle Mitglieder selber Juden sind. Es gibt ein Vorurteil 'Alle Juden sind schlau.' Das ist ein falsches Vorurteil. Allein diese Gruppierung 'Juden in der AfD' belegt das."


Anm. d. Redaktion - zusätzlicher Kontext zu zwei Passagen im Interview:  

01:10 
Am 7. Oktober 2023 überfielen Hamas-Terroristen Israel, töteten mehr als 1200 Israelis und nahmen mehr als 250 Geiseln. An mehr als 30 verschiedenen Orten im Süden Israels gab es an diesem Tag Kämpfe, das Nova-Musikfestival war einer davon. Mehr als 71.000 Menschen sind nach palästinensischen Angaben im Krieg Israels gegen die Hamas im Gazastreifen getötet worden, viele davon Zivilisten. Unser Beitrag aus 2024 rekonstruiert den Terrorangriff der Hamas an diesem Tag: https://www.youtube.com/watch?v=r5Ap_B7XREY 

07:45  
Seit längerer Zeit debattiert die Linke intern über den richtigen Umgang mit Antisemitismus und die Parteiposition zum Nahost-Konflikt. Ein Beschluss zu einer enger gefassten Antisemitismusdefinition auf dem letzten Bundesparteitag wurde öffentlich kritisiert. Auch ein Beschluss des Linken-Landesverbandes Niedersachsen im März 2026, der die Ablehnung des "heute real existierenden Zionismus" beinhaltete, traf auf Kritik. Die Parteiführung und andere prominente Linken-Politiker distanzierten sich. Auch auf dem bevorstehenden Bundesparteitag im Juni dieses Jahres dürfte das Thema aufkommen. Die Parteispitze hat sich mehrfach gegen jede Form von Antisemitismus ausgesprochen. Sie verlangt ein klares Bekenntnis zum Existenzrecht Israels, laut ARD wurde ein entsprechender Antrag für den kommenden Parteitag bereits verabschiedet. Lesen Sie dazu auch: Die Linke und der Antisemitismus: Wie groß ist das Problem? 

Bernd Riegert Korrespondent im Hauptstadtstudio Berlin mit Blick auf Menschen und Politik in Deutschland
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