Jugendliche in Uganda kämpfen gegen politische Barrieren
4. Januar 2026
Wie viele afrikanische Länder ist Uganda ein sehr junges Land: Die Mehrheit der Bevölkerung ist unter 35 Jahre alt. Doch die politische Macht liegt weiterhin bei einer kleinen Elite, die seit Jahrzehnten die Geschicke Ugandas bestimmt.
Dieser Widerspruch stand im Mittelpunkt einer DW-Debatte, bei der junge Politiker, Aktivisten und Analysten die Frage stellten, ob das politische System Ugandas eine sinnvolle Beteiligung der Jugend zulässt.
Das ugandische Parlament hat mehr als 550 Mitglieder, aber nur fünf Sitze sind für Jugendvertreter reserviert - ein Anteil, der laut den Teilnehmerinnen der "The 77 Percent Street Debate" nicht die demografische Zusammensetzung des Landes widerspiegelt.
Während die Verfassung die Jugend als "Interessengruppe mit besonderem Interesse" anerkennt, argumentieren Kritiker, dass diese vermeintliche Anerkennung ihren Einfluss eher einschränkt als erweitert.
"Wir leben unter einem Militärregime, das die jungen Menschen absichtlich in eine Ecke gedrängt hat", sagte ein Teilnehmer. Auch andere Rednerinnen beschrieben das politische Umfeld als restriktiv.
Hürden vor den Wahlen
Uganda ist eine konstitutionelle Republik, in der regelmäßig Wahlen stattfinden. Die nächsten Parlamentswahlen sind für den 15. Januar 2026 angesetzt. Präsident Yoweri Museveni, der seit 1986 an der Macht ist, kandidiert für eine Wiederwahl.
Die Anwältin und ehemalige Präsidentschaftskandidatin Yvonne Mpambara beschrieb ihren gescheiterten Versuch, für das Präsidentenamt zu kandidieren, als Beispiel für die systemischen Hindernisse, mit denen junge Führungskräfte ohne tiefgreifende finanzielle oder politische Netzwerke konfrontiert sind.
"Wir sind der Meinung, dass das System in Bezug auf die Kriterien für die Bestimmung der Nominierten nicht transparent war", sagte Mpambara und fügte hinzu, ihre Kampagne habe es schwer gehabt, die Nominierungsvoraussetzungen zu erfüllen, darunter das Sammeln von Unterschriften von Unterstützern im ganzen Land unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.
"Es waren viele Sicherheitskräfte vor Ort, die unsere Bemühungen sabotierten, indem sie Unterstützerformulare und Dateien stahlen", erklärte Mpambara. Tausende Unterschriften seien verloren gegangen, doch die Wahlkommission habe ihre Beschwerde zurückgewiesen. "Sie haben uns keine klaren Erklärung dafür gegeben, dass sie unsere Kandidatur nicht unterstützen."
Jugendliche brauchen mehr als nur politischen Ehrgeiz
Andere Debattenteilnehmer untermauerten Mpambaras Erfahrungsbericht. Unter ihnen der Jugendführer Churchill Santamu. Ehrgeiz allein reiche nicht aus, um im politischen Prozess Ugandas zu bestehen, sagte er. "Man hat den Ehrgeiz, man hat den Eifer, man hat das Wissen, man hat die Unterstützung, aber man hat nicht die technische Hilfe, um weiterzumachen", so Santamu.
Und der Politikwissenschaftler und Kommentator Yusuf Sserunkuma argumentierte, das Regierungssystem Ugandas stelle die politische Kontinuität über Offenheit. "Wir leben in einer modernen Autokratie", sagte er. "Was Sie hier beobachten, sind Bemühungen, den Status quo aufrechtzuerhalten, und nicht, jungen Menschen neue Möglichkeiten zu eröffnen."
Laut Sserunkuma begünstigen Wahlgesetze, darunter kostspielige Nominierungsprozesse und organisatorische Anforderungen, tendenziell etablierte Politiker. "Die Kriterien sind auf diejenigen zugeschnitten, die in den letzten fünf Jahren aktiv waren", sagte er.
Die Rolle von Geld und Gewalt
Geld und Gewalt schränkten den politischen Spielraum weiter ein, waren sich mehrere Redner einig. Sie verwiesen darauf, dass Wahlkampagnen kostspielig seien und dass junge Menschen während Wahlen oft mobilisiert würden, ohne echte Entscheidungsgewalt zu erlangen.
Behauptungen, dass jungen Menschen die Reife zum Regieren fehle, wurden weitgehend zurückgewiesen. Santamu argumentierte, dass Führungsqualitäten nicht vom Alter abhängen. "Reife ist etwas, das einer Person geschenkt wird", sagte er. "Das System selbst ist in seinem Auftrag behindert."
Junge Frauen stehen vor zusätzlichen Herausforderungen. Trotz der Quotenregelung für Frauen im Parlament, so die Diskussionsteilnehmer, gelangen jüngere Frauen selten zu nationaler Bekanntheit. "Wenn sie eine Lücke über sich sehen und versuchen, aufzusteigen, ist das System so aufgebaut, dass sie niemals den Durchbruch schaffen", sagte ein Redner.
Die Dominanz von Präsident Museveni in Uganda
Die Diskussionsteilnehmer erörterten auch, wie die jahrzehntelange Führung von Präsident Museveni die öffentliche Wahrnehmung von Autorität geprägt hat.
"Wenn Sie einen beliebigen Ugander auf der Straße fragen, wie ein Staatschef auszusehen hat", so Mpambara, "können Sie sicher sein, dass Ihnen die Mehrheit Museveni beschreiben wird: Sie werden sagen, ein Mann aus dem Militär, mit einem gewissen Alter und einem gewissen Verhalten."
Als sich die Debatte den Lösungen zuwandte, gingen die Meinungen auseinander. Einige forderten Reformen der Wahlkampffinanzierung, stärkere Institutionen und politische Bildung. Andere argumentierten, dass größere politische Veränderungen notwendig seien.
"Unsere Probleme sind nicht technischer Natur, sondern politischer Natur", so Sserunkuma.
Eine Frage, die im Raum stand, brachte die Unsicherheit zum Ausdruck, mit der die nächste Generation Ugandas konfrontiert ist. "Warum sollten die etwas älteren Menschen die Hüter dieser Macht sein?", fragte ein Redner. "Was passiert, wenn sie sterben? Wer wird die Führung übernehmen, wenn sie nicht mehr da sind?"