Kämpfer für Menschenrechte: Friedenspreis für Philippe Sands
25. Juni 2026
Der französisch-britische Jurist und Schriftsteller Philippe Sands wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026 ausgezeichnet. Die Auszeichnung ehrt Persönlichkeiten, die in besonderer Weise zur Förderung von Frieden und Verständigung beitragen.
In der Begründung hebt die Jury Sands als "eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen unserer Zeit" hervor. Sands setze sich "für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein", sagte Sebastian Guggolz, Vorsitzender des Stiftungsrats. Als Nachkomme von Überlebenden des Holocaust zeige Sands "entlang der eigenen Familiengeschichte, wie dieses Recht entstanden ist und welche Erfahrungen hinter den Tatbeständen 'Genozid' und 'Verbrechen gegen die Menschlichkeit' stehen".
Arbeit am Internationalen Gerichtshof
Sands wurde 1960 in London geboren. Er ist Professor für Internationales Recht am University College London sowie Gastprofessor an der Harvard Law School. Er tritt als Anwalt am Internationalen Gerichtshof in Den Haag auf und war dort an zahlreichen Verfahren beteiligt, unter anderem im Zusammenhang mit dem Chagos-Archipel. Sands hatte die Regierung von Mauritius darin unterstützt, die Souveränität über die Inseln zurückzuerlangen, die noch immer unter britischer Verwaltung standen - ein Relikt aus der Kolonialzeit. Auch in einem noch laufenden Verfahren über den Völkermord an den Rohingya steht Sands an vorderster Front und vertritt als Teil eines internationalen Anwaltsteams den westafrikanischen Staat Gambia. Dieser hatte das südostasiatische Myanmar vor sieben Jahren wegen eines mutmaßlichen Genozids an der muslimischen Minderheit vor Gericht gebracht.
Anfang der 2020er Jahre entwickelte Philippe Sands zusammen mit einem Team von Juristinnen und Juristen den juristischen Tatbestand des "Ökozids". Auslöser waren die immer häufiger auftretenden ökologischen Katastrophen im Kontext der globalen Erderwärmung. Seitdem setzt er sich vehement für dessen Aufnahme als Verbrechen beim Internationalen Strafgerichtshof ein.
Literarisches Werk - nah an der Realität
Neben der Veröffentlichung juristischer Fachbücher und Aufsätze ist Philippe Sands seit 2016 auch als literarischer Sachbuchautor tätig. Seine Herangehensweise liege "jenseits der üblichen Grenzen zwischen Sachbuch, literarischer Erzählung und Reportage", so die Jury des Friedenspreises. Sands verbinde persönliche Lebensgeschichten mit den großen Fragen des Völkerrechts.
"Rückkehr nach Lemberg", 2018 auf Deutsch erschienen, erzählt von der Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen in Lemberg während der deutschen Besatzung. "Die Rattenlinie" (2020) ist eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des SS-Offiziers Otto Wächter. Zwei Strafverfahren, an denen er am Internationalen Gerichtshof beteiligt war, bilden die Grundlage für "Die letzte Kolonie" (auf Deutsch 2023) und "Die Verschwundenen von Londres 38" (2025). Letzteres thematisiert das Verfahren gegen den chilenischen Diktator Augusto Pinochet, in dem es unter anderem um die Frage geht, ob ein ehemaliger Staatschef sich auf Immunität berufen kann, wenn ihm Folter und andere schwere Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen werden.
Für seine Bücher erhielt Sands bereits zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den British Book Award (2017), den Prix Montaigne (2018) sowie den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis (2025). Nun kommt der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels dazu. Er ist mit 25.000 Euro dotiert und wird traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse verliehen. Im vergangenen Jahr wurde der Historiker Karl Schlögel geehrt. Einer der prominentesten Preisträger der vergangenen Jahre war der Schriftsteller Salman Rushdie.