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K-Beauty: Schönheit als globale Strategie

3. April 2026

K-Beauty ist mehr als ein Kosmetiktrend: Südkorea verbindet Popkultur, Innovation und staatliche Strategie zu einem globalen Erfolgsmodell - und nutzt Schönheit gezielt als wirtschaftliches und politisches Instrument.

Eine junge Frau vor einem auf der Seoul Beauty Week 2025
Plakat auf der Seoul Beauty Week 2025Bild: Yao Qilin/Xinhua/IMAGO

Immer mehr Menschen in westlichen Ländern begeistern sich für Schönheitsprodukte aus Südkorea. So etabliert sich das ostasiatische Land als neue Soft-Power-Macht: Zunächst waren es Autos und Elektronik, später Filme und Popmusik. Und im vergangenen Jahr wurde die Autorin Han Kang mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Nun folgt die Schönheitsindustrie als nächster Erfolg. Hautpflege und Make-up "made in Korea" sind weltweit gefragt.

Dieser Erfolg ist kein Zufall - und auch kein rein ästhetisches Phänomen. Vielmehr verdichten sich in K-Beauty kulturelle Dynamik, wirtschaftliche Strategie und geopolitische Positionierung. "Soft Power bedeutet, andere durch Attraktivität zu beeinflussen - nicht durch Zwang", sagt der Politologe und Korea-Experte Hannes Moslervon der Universität Duisburg-Essen. Für ein Land wie Südkorea sei das zentral: "Südkorea befindet sich in einer geopolitisch prekären Lage zwischen Großmächten - und setzt deshalb gezielt auf kulturelle Anziehungskraft", so Mosler im DW-Interview.

Diese Strategie zeigt Wirkung: Die so genannte "K-Beauty" ist heute ein globaler Wirtschaftsfaktor. Wie die Nachrichtenagentur Yonhap News Agency aus Seoul berichtet, stiegen die Exporte von Kosmetikprodukten im Jahr 2025 um 12,3 Prozent auf 11,43 Milliarden US-Dollar (9,84 Milliarden Euro). Bereits 2024 hatten sie dem südkoreanischen Industrieministerium mit Sitz in Sejong zufolge rund 10,2 Milliarden Dollar (8,78 Milliarden Euro) erreicht.

Das internationale Fachmedium Personal Care Magazine, ein in London erscheinendes Branchenjournal für die Kosmetikindustrie, berichtet zudem, koreanische Kosmetikprodukte würde inzwischen in über 200 Länder exportiert. Südkorea zählt damit zu den führenden Exporteuren weltweit.

Südkoreanische Kings of Pop: die Boygroup BTSBild: Jintak Han/ZUMA/IMAGO

"Konsumtrends spiegeln kulturelle Trends"

Doch ökonomische Zahlen allein erklären den Erfolg nicht. Entscheidend ist die enge Verbindung von Kultur und Konsum. "Konsumtrends spiegeln kulturelle Trends", sagt Stefan Tobel, Geschäftsführer der auf den Import und Vertrieb koreanischer Kosmetik spezialisierten Kencana GmbH. "Südkorea ist durch K-Pop stark auf die globale Bühne gekommen - und damit kamen auch die Konsumtrends", so Tobel zur DW.

Diese Beobachtung wird durch internationale Marktforschung gestützt.  "Die koreanische Popkultur hat maßgeblich zum internationalen Erfolg koreanischer Schönheitsprodukte beigetragen", heißt es in einem Report des auf globale Konsum- und Technologiemärkte spezialisierten US-amerikanischen Analyseinstitut Grand View Research mit Sitz in San Francisco. Die koreanische Popkultur habe also maßgeblich zum Erfolg von K-Beauty beigetragen.

Mosler geht noch einen Schritt weiter. "Die Korean Wave ist nicht rein staatlich gesteuert, aber sie wurde früh politisch unterstützt", sagt er. Serien, Musik und digitale Plattformen hätten eine kulturelle Infrastruktur geschaffen, die Produkte weltweit sichtbar mache. K-Beauty sei damit "Teil eines größeren Images von Südkorea". Diese spiele auch in der Abgrenzung zu Nordkorea eine Rolle.

Models auf einem Laufsteg während der Seoul Fashion Week, 2026Bild: Penta Press/IMAGO

Popkultur als Nation Branding

Diese strategische Dimension wird auch in der Forschung betont. Das internationale Forschungsnetzwerk ResearchGate, das wissenschaftliche Arbeiten weltweit bündelt, verweist auf Studien, denen zufolge die koreanische Popkultur gezielt als Instrument des Nation Branding eingesetzt wird - also zur internationalen Imagebildung eines Staates.

Dabei trifft diese kulturelle Strahlkraft auf ein spezifisches Verständnis von Schönheit. "Der koreanische Ansatz ist deutlich ausgefeilter", erklärt Stefan Tobel. Zentral sei die mehrstufige Pflege: "Die Haut soll nicht überdeckt, sondern verbessert werden." Die bekannte "10-Step-Routine" steht exemplarisch für diesen Ansatz - ein System kontinuierlicher Pflege statt punktueller Kosmetik.

Die Sängerinnen der Pop-Band aespa, Seoul, 2026Bild: Lee Young-ho/Sipa USA/picture alliance

Pflegen, nicht kaschieren

Das verweist auf einen grundlegenden Unterschied: K-Beauty versteht Schönheit primär als Ergebnis von Pflege, nicht von Kaschierung. Laut einer Marktanalyse des internationalen Beratungsunternehmens Euromonitor International mit Sitz in London, das sich auf Konsumgüter- und Marktanalysen spezialisiert hat, liegt der Fokus koreanischer Produkte stark auf Hautgesundheit, Prävention und langfristiger Pflege.

Mosler sieht die Wurzeln dieses Ansatzes auch im Inneren der Gesellschaft. "Das äußere Erscheinungsbild spielt eine sehr große Rolle", sagt er. In einem hoch verdichteten und kompetitiven Umfeld entstehe ein starker sozialer Druck - und damit ein besonders anspruchsvoller Markt. "Produkte müssen auf sehr hohem Niveau funktionieren, um sich durchzusetzen."

Genau das bestätigt auch die Forschung. Grand View Research beschreibt den K-Beauty-Markt als geprägt von "hoher Innovation und häufige Produkteinführungen". Diese Dynamik sei aus Sicht der Branche zentral, sagt Stefan Tobel. "Der Markt ist extrem schnell – neue Inhaltsstoffe, neue Formate, neue Routinen. Wer nicht permanent innoviert, verliert sofort an Relevanz."

Tobel verweist zudem auf besondere Inhaltsstoffe und Technologien: "Es geht um hoch spezialisierte Wirkstoffe - von Ginseng über Fermente bis zu Kollagen." Analysen der internationalen Kosmetikforschung zeigten, dass koreanische Produkte traditionelle Inhaltsstoffe mit moderner Biotechnologie verbinden.

Szene von der Seoul Fashion Week 2026Bild: Jung Ui-Chel/Matrix Images/IMAGO

Die Rolle der Social Media

Zugleich ist diese Innovationskraft eng mit digitalen Strukturen verknüpft. "Social Media spielt eine zentrale Rolle", sagt Tobel. Plattformen wie TikTok oder Instagram fungieren als Beschleuniger, auf denen Trends entstehen und global verbreitet werden. K-Beauty sei besonders erfolgreich darin, diese Mechanismen zu nutzen.

Mosler betont die Rolle kultureller Multiplikatoren: "K-Pop-Stars oder Serien schaffen Sichtbarkeit - und damit Nachfrage." Konsumenten orientieren sich an diesen Vorbildern, Produkte werden Teil eines ästhetischen und kulturellen Gesamtpakets.

Damit wird deutlich: K-Beauty ist kein isoliertes Marktphänomen, sondern Teil eines umfassenden Systems aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Internationale Analysen zeigen, dass sich hier ein Modell etabliert hat, in dem Konsumgüter zugleich Träger kultureller und politischer Bedeutung sind.

Hingerissen: Fans der Gruppe BTS beim Comeback-Konzert der Gruppe, März 2026Bild: Jung Ui-Chel/Matrix Images/picture alliance

Kulturelle und politische Attraktivität

Ökonomisch zeigt sich diese Dynamik besonders klar in der globalen Verbreitung. Koreanische Kosmetik ist längst nicht mehr nur ein asiatisches Phänomen, sondern etabliert sich zunehmend auch in Europa und Nordamerika - oft in direkter Konkurrenz zu traditionellen Markenindustrien.

So ergibt sich ein vielschichtiges Bild. K-Beauty ist mehr als ein Trend - es ist ein System aus Kultur, Technologie, Markt und Politik. Oder, wie Mosler es formuliert: "Es geht um Attraktivität - im kulturellen wie im politischen Sinn." Genau darin liegt die eigentliche politische Bedeutung: Schönheit ist nicht nur, aber auch eine politische Strategie.

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Kersten Knipp Politikredakteur mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika
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