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Kaiser, Kriegsherr, Künstler

Sebastian Ertinger15. September 2003

Ist von Kaiser Wilhelm II. die Rede, dann fallen Begriffe wie "Deutsches Kaiserreich", "preußischer Militarismus" und vor allem "Erster Weltkrieg". Wem käme es da in den Sinn, an einen Künstler zu denken?

Militär und Kunst: für Wilhelm II. kein WiderspruchBild: Kunsthalle Wilhelmshaven

Der letzte deutsche Monarch hatte ein Faible für Kriegsschiffe – am liebsten waren ihm feuerspuckende, durch Wind und Wellen pflügende Schlachtdampfer auf hoher See. Und er malte und zeichnete sehr gerne. "Der Kaiser empfindet das Meer als Maler und sieht es als Seemann", schmeichelte einst Hans Bohrdt, Hofmaler und Freund des Kaisers.

Kunst und Können bei Wilhelm II.

Der Raddampfer Hohenzollern in schwerer See 1884, Öl auf Leinwand, Kunsthalle WilhelmshavenBild: Kunsthalle Wilhelmshaven
Als "guten Dilettanten" bezeichnet auch Daniel Spanke, Leiter der Kunsthalle Wilhelmshaven, den malenden Kaiser. "Wobei 'Dilettant' hier eher in der alten Bedeutung als 'Amateur' zu verstehen ist," erläutert Spanke im Gespräch mit DW-WORLD. Wilhelms Mutter Viktoria, die selbst künstlerische Neigungen zeigte, hatte schon früh dem jungen Thronfolger mit dem verkrüppelten linken Arm professionellen Malunterricht erteilen lassen.

Doch während seiner Herrschaftszeit fand er kaum Gelegenheit, dem Hobby nachzugehen und seine Fertigkeiten zu verfeinern. Sein Kunstverständnis reichte ohnehin nicht über Antike und Renaissance hinaus. Bei der Planung öffentlicher Bauvorhaben setzte der Monarch kraft seines Amtes seine Vorstellungen durch und bescherte dem Land klobige Prachtbauten. Bis heute heißt diese Epoche des deutschen Historismus das "wilhelminische Zeitalter".

"Wilhelm neigte künstlerisch zu einer konservativen Einstellung, doch besaß er eine rasche Auffassungsgabe und konnte ein Schiff detailliert und technisch exakt abzeichnen", weiß Daniel Spanke. Zur Abwechslung hat der Kaiser wohl auch mit flottem Strich filigrane Porzellanteller mit kämpfenden griechischen Helden bemalt. "Der fast militaristische, eine Ästhetik des Krieges vorgaukelnde Stil war im Trend der Zeit und nicht nur für Wilhelm spezifisch", lässt Spanke keine Einwände gelten.

Das Ende des grauenvollen Ersten Weltkriegs und des Kaisers schmachvoller Sturz änderten jedoch nichts an dessen Begeisterung fürs Militärische. "Er malte weiter, halt nur weniger Schiffe - was wohl an der Binnenumgebung seines niederländischen Exilsitzes Doorn lag", erläutert Spanke. Ab und an versuchte sich der abgedankte Aristokrat an weniger martialischen Motiven. So saß ihm seine zweite Frau Hermine für Portraits Modell.

"Strandgut der Geschichte"

Prinzessin Hermine 1925, Farbstift und Bleistift auf Papier Kunsthalle WilhelmshavenBild: Kunsthalle Wilhelmshaven

Die in der Ausstellung "Kaiser Wilhelm II als Zeichner und Maler" präsentierten Werke stammen größtenteils aus der Stiftung Haus Doorn sowie der Otto-von-Bismarck-Stiftung und privaten Sammlungen. "Die Bewertung des Malers Wilhelm II. wurde immer von der politischen Einschätzung seiner Person überdeckt", meint Spanke.

Noch vor zehn Jahren wäre an eine Ausstellung seiner Malereien nicht zu denken gewesen, aber "mittlerweile ist eine neue Generation herangewachsen, bei der ideologische Vorbehalte keine so große Rolle mehr spielen." Folglich werde immer wieder versucht, den Kaiser als modernen Herrscher zu beschreiben. "Doch wir wollen kein neues Bild von Wilhelm II stricken", so der Museumsleiter. "Wir behandeln seine Arbeiten als Strandgut der Geschichte und zeigen sie als historische Quellen, aber durchaus mit gebührender Kritik seiner Regierungszeit."

Die rund 40 Werke umfassende Ausstellung "Kaiser Wilhelm II als Zeichner und Maler" ist vom 14. September bis 16. November geöffnet. Dienstags von 11 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 11 bis 17 Uhr

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