Grenzkonflikt: Kambodscha und Thailand besiegeln Waffenruhe
27. Dezember 2025
Nach wochenlangen Gefechten an der Grenze haben sich Thailand und Kambodscha auf eine sofortige Waffenruhe verständigt. Das Abkommen wurde vom thailändischen Verteidigungsminister Natthaphon Narkphanit und seinem kambodschanischen Kollegen Tea Seiha unterzeichnet. Die Vereinbarung betrifft "alle Arten von Waffen, Angriffe auf Zivilisten, zivile Objekte und Infrastruktur sowie militärische Ziele beider Seiten - in sämtlichen Fällen und in allen Gebieten", heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme.
Die Minister hatten sich am Ban-Pakkad-Grenzkontrollpunkt zwischen der kambodschanischen Provinz Pailin und der thailändischen Provinz Chanthaburi getroffen. Vorausgegangenen waren in den vergangenen Tagen vorbereitende Beratungen in einem gemeinsamen Ausschuss zu Grenzfragen.
Die Waffenruhe halte, sagte ein Sprecher des thailändischen Verteidigungsministeriums zwei Stunden nach deren Inkrafttreten der Nachrichtenagentur Reuters. Es ist der zweite derartige Versuch zur Beendigung der Kämpfe in den vergangenen Monaten.
Weitere Gespräche geplant
In die Bemühungen um eine Waffenruhe hat sich auch China eingeschaltet. Dort soll auch ein weiteres kambodschanisch-thailändisches Treffen stattfinden. Die Außenminister beider Länder, Prak Sokhonn und Sihasak Phuangketkeow, wollen am Sonntag und Montag in der chinesischen Provinz Yunnan zusammenkommen. Geplant ist, dass sie gemeinsam mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi die Lage an der Grenze erörtern.
Eine erste später gebrochenen Waffenruhe war im Juli vereinbart worden. Damals hatten die USA eine wichtige Rolle gespielt. Die Feuerpause vom Sommer war von US-Präsident Donald Trump und Malaysias Ministerpräsidenten Anwar Ibrahim vermittelt worden.
Doch im November wurde die Waffenruhe nach einem neuerlichen Grenzvorfall ausgesetzt. Seit dem 7. Dezember hatte sich die Lage nach einem Grenzscharmützel nochmals verschärft. In den vergangenen Wochen wurden bei Kämpfen mindestens 101 Menschen getötet und mehr als eine halbe Million auf beiden Seiten vertrieben.
Thailand und Kambodscha einigten sich nun darauf, die derzeitigen Stationierungen von ihren Soldaten beizubehalten, aber keine weiteren Truppenbewegungen vorzunehmen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Waffenruhe soll von einem Beobachterteam der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN überwacht werden, bei der beide Länder Mitglied sind. Zudem soll es eine direkte Kommunikation zwischen den Verteidigungsministern und den Armeechefs beider Seiten geben.
Grenzziehung umstritten
Die jetzige Vereinbarung sieht außerdem die Rückkehr der Vertriebenen vor. Zudem will Thailand 18 kambodschanische Soldaten freilassen, die sich seit den Kämpfen im Juli in Gewahrsam befinden, falls die Waffenruhe 72 Stunden lang eingehalten wird.
Der thailändische Verteidigungsminister Nattaphon Narkphanit spricht von einem dreitägigen "Beobachtungszeitraum, um zu bestätigen, dass diese Waffenruhe echt ist". In einem Statement am Samstagmorgen bezeichnete er die Vereinbarung als "Tor zu einer friedlichen Beilegung" des Grenzstreits mit Kambodscha.
Thailand und Kambodscha streiten seit mehr als einem Jahrhundert um den genauen Verlauf ihrer 817 Kilometer langen Landgrenze, an der es verschiedene, nicht markierte Punkte gibt. Dies führte immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen.
Der thailändische Regierungschef Anutin Charnvirakul warb kurz vor der Unterzeichnung der neuen Waffenruhe für eine endgültige Friedenslösung. "Lasst dies die abschließende Unterzeichnung sein, damit der Frieden wiederhergestellt werden kann und unsere Leute heimkehren können", sagt er. In Thailand soll am 8. Februar ein neues Parlament gewählt werden.
AR/pg (rtr, dpa, afp)