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Kap Verdes WM-Held Vozinha: Von Uromas Schoß zur Weltbühne

Antonio Cascais
21. Juni 2026

Beim WM-Debüt Kap Verdes wird ein 40-jähriger Torwart zur Sensation: Vozinha hält gegen Spanien alles und wird über Nacht vom vereinslosen Routinier zum globalen Internet-Phänomen. Die DW hat seine Familie gesprochen.

Ein Mann, der kapverdische Nationaltorhüter Vozinha, steht in einem gelben Trikot in einem Stadion und hält die Nationalflagge der Kap Verden ausgebreitet in beiden Händen
Vozinha feiert mit der Flagge Kap Verdes seinen "Null-zu-Null-Sieg" gegen Europameister SpanienBild: Jose Breton/Pics Action/NurPhoto/picture alliance

Der Weltfußball hat einen neuen Namen: Vozinha. Der 40-jährige Torhüter der kapverdischen Nationalmannschaft ist beim historischen WM-Debüt seines Landes 2026 über Nacht zum internationalen Star geworden - und zum Symbol eines kleinen Fußballlands, das plötzlich ganz groß aufspielt.

Beim überraschenden 0:0 im Auftaktspiel der Kapverder am 15. Juni gegen den amtierenden Europameister Spanien zeigte Josimar José Évora Dias, dessen Spitzname Vozinha "Omilein" bedeutet, eine Leistung für die kapverdischen Geschichtsbücher. "Es war ein Null-zu-Null-Sieg für Kap Verde", schrieb eine Sportzeitung aus Portugal, wo Vozinha seit Jahren lebt. Sieben hochkarätige Paraden gegen eine drückend überlegene spanische Mannschaft machten ihn zum "Man of the Match" - und binnen Stunden zum viralen Phänomen im Netz.

Die Kapverden sind ein tropisches Archipel vor der Küste des Senegal. 2025 verzeichnete der Tourismus einen Rekord mit 1,2 Millionen GästenBild: Marco Bunk/imageBROKER/picture alliance

Während Spanien 27 Mal aufs Tor schoss, hielt Vozinha seinen Kasten mit spektakulären Reflexen sauber. Der Underdog von den Kapverden, einem Inselstaat mit rund 500.000 Einwohnern, brachte die Fußballwelt zum Staunen - und die sozialen Medien gleich mit. Seine Follower-Zahl schnellte nach dem Spiel von rund 50.000 auf fast 10 Millionen. "Ein Traum ist wahr geworden! Kap Verde auf der größten Bühne des Weltfußballs zu vertreten, ist eine unbeschreibliche Ehre", schrieb er nach der Partie.

Der Stolz der Familie

"Ich bin als Vater und Kapverdier unglaublich stolz", sagt Vozinhas Vater José Pedro Dias der DW. Für ihn ist dieser Moment kaum in Worte zu fassen. "Nicht nur wegen meines Landes, sondern weil mein Sohn dort Kap Verde vertritt."

Die Leistung gegen Spanien habe ihn zwar bewegt, aber nicht überrascht. "Ehrlich gesagt wundert es mich nicht ganz. Ich hatte immer das Gefühl, dass so etwas möglich ist, dass mein Sohn zu so etwas imstande ist."

Ein vereinsloser Weltenbummler im Tor

Vozinhas Karriere ist die eines klassischen Fußball-Nomaden. Der am 3. Juni 1986 auf der Insel São Vicente geborene Torhüter begann seine Laufbahn bei Batuque FC und CS Mindelense in Kap Verde, bevor ihn sein Weg früh ins Ausland führte.

Stationen seiner Karriere führten ihn unter anderem nach Angola zu Progresso Associação do Sambizanga, nach Moldau zu Zimbru Chișinău, in die Slowakei zu AS Trenčín sowie nach Zypern zu AEL Limassol, wo er 2019 mit dem Pokalsieg seinen größten Vereinstitel gewann. In Portugal spielte er unter anderem bei Gil Vicente FC.

Kap Verdes Fußball-Nationaltrainer Pedro Leitão Brito, genannt "Bubista", schenkt Vozinha sein ganzes Vertrauen, obwohl er derzeit vereinlos istBild: Joao Bravo/Sport Press Photo/ZUMA/picture alliance

Zuletzt stand er beim portugiesischen Zweitligisten GD Chaves unter Vertrag und absolvierte dort in der vergangenen Saison 19 Spiele. Nach Saisonende wurde sein Vertrag jedoch nicht verlängert - aktuell ist Vozinha damit offiziell vereinslos.

Dass ausgerechnet ein vertragsloser 40-Jähriger bei seiner ersten WM-Teilnahme zum Rückhalt einer ganzen Nation wird, passt zu seiner Geschichte.

„Vozinha": Das Kind, das nie vom Platz ging

Die Geschichte beginnt auf den Straßen von São Vicente. Fußball war dort kein Hobby, sondern Alltag. "Er hat immer Fußball gespielt. Kaum kam er aus der Schule, warteten die Freunde schon auf ihn", erinnert sich sein Vater. "Ich musste ihn oft regelrecht vom Platz holen. Doch der Junge war vollkommen im Spiel aufgegangen. Das war kein Zeitvertreib, das war sein Leben."

Hier in Mindelo, der Hauptstadt der Insel São Vicente, erblickte Vozinha, vor 40 Jahren, das Licht der WeltBild: Marco Bunk/imageBROKER/picture alliance

Auch sein Spitzname hat eine sehr persönliche Herkunft. "Er war der Kleinste auf dem Platz", erzählt der Vater. "Wenn die anderen ihn geärgert haben, ist er immer zu seiner Urgroßmutter gerannt." Diese lebte mit im Haus und wurde zu seiner Schutzfigur. "Er hat immer gesagt: Ich gehe zu meiner vozinha." Aus diesem familiären Rufnamen wurde ein Spitzname - erst in seinem Wohnviertel in der Hafenstadt Mindelo, später im Fußball, heute weltweit.

Hoffnung auf ein Visum für das zweite Spiel

Während der Torwart auf dem Platz Geschichte schreibt, erlebt auch seine Familie die WM emotional. Seine Mutter Ana Cândida Évora lebt ebenfalls in São Vicente. Nach anfänglichen Visa-Problemen ermöglichten die US-Behörden ihr und anderen Familienmitgliedern doch die Einreise. "Ich bin sehr stolz. Ich bin so aufgewühlt, ich komme kaum Zeit zum Essen", sagte sie.

Circa 500.000 Einwohner leben auf den neun bewohnten kapverdischen Inseln. Foto: Luftaufnahme der Hauptstadt Praia aus dem FlugzeugBild: Xie Jianfei/Xinhua/picture alliance

Die ganze Familie freut sich darauf, den berühmten Spross live im Stadion zu sehen: "Im zweiten Spiel werde ich dort sein, an der Seite meines Sohnes", sagte Ana Cândida Évora vor ihrer Abreise in die USA. Im Koffer mit dabei: ein Schal und ein Trikot des "Tubaron Azul", des "Blauen Hais", wie die kapverdische Nationalmannschaft genannt wird.

Mitarbeit: Ângelo Semedo, Praia, Kap Verde

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