Karriere oder Kinder: Eizellen einfrieren im Frauenfußball
9. September 2026
Die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf ist in vielen Branchen eine Herausforderung. Für Fußballerinnen ist sie jedoch besonders komplex: Die sportlich erfolgreichsten Jahre fallen meist mit der biologisch fruchtbarsten Lebensphase zusammen. Die Entscheidung zwischen Karriere und Familienplanung kann daher als besonders einschneidend empfunden werden.
"Für eine Frau, deren Karriere auf höchstem Niveau vielleicht zehn Jahre dauert, entsteht schnell das Gefühl, dass eine Schwangerschaft keine Option ist", sagt Larraitz Lucas der Deutschen Welle (DW). Sie ist ehemalige Spielerin von Real Sociedad San Sebastian in Spanien. "Wer Leistungssport auf höchstem Niveau betreibt, konzentriert sich vor allem auf die Gegenwart."
Einfrieren von Eizellen als Option
Bis vor wenigen Jahren wurden während ihrer aktiven Laufbahn nur rund zwei Prozent der Fußballerinnen schwanger. Viele verließen den Sport, um eine Familie zu gründen. Mit der fortschreitenden Professionalisierung des Frauenfußballs beschäftigen sich Vereine und Verbände jedoch zunehmend mit der Frage, wie Spielerinnen unterstützt werden können, die Kinder bekommen möchten.
Verbindliche Mutterschutzregelungen wurden im Fußball erst 2021 eingeführt und 2024 weiter ausgebaut. Gleichzeitig rückt für Spielerinnen, die eine Schwangerschaft auf einen späteren Zeitpunkt verschieben möchten, das Einfrieren von Eizellen stärker in den Fokus.
Der US-Klub Racing Louisville war 2021 der erste Verein, der die Kosten für entsprechende Behandlungen übernahm. Der englische Spitzenklub Chelsea kündigte in diesem Monat an, allen Spielerinnen auf Wunsch die Finanzierung einer Eizellenkonservierung anzubieten.
Besonders aufmerksam verfolgt wird die Entwicklung jedoch in Spanien: Der spanische Fußballverband RFEF dürfte nach Medienberichten und auf Initiative von Nationalspielerin Alexia Putellas sowie weiterer Spielerinnen als erster nationaler Verband ein vergleichbares Programm einführen.
Eizellentnahme während des Spielbetriebs belastend
Für Larraitz Lucas kam eine solche Möglichkeit während ihrer aktiven Karriere nicht infrage. Ihre Laufbahn endete vor mehr als zehn Jahren. Später ließ sie Eizellen entnehmen, damit ihrer Partnerin ein Embryo eingesetzt werden konnte.
"Man versucht, weiter so gut wie möglich zu trainieren und zu spielen. Aber egal, wie man die Behandlung mit spielfreien Tagen abstimmt - es ist schwierig. Vor, während und nach der Entnahme war es wirklich nicht ideal", sagt Lucas.
Der Prozess des Einfrierens von Eizellen dauert in der Regel etwa drei Wochen. Während dieser Zeit verabreichen sich die Frauen täglich Hormonspritzen. Anschließend werden die Eizellen unter Sedierung entnommen und eingefroren. Sollen sie zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden, werden sie aufgetaut und mit Spermien befruchtet, um Embryonen zu erzeugen.
Doch laut der auf Sportlerinnen spezialisierten Gynäkologin Lamia Zafrani ist das Verfahren keineswegs eine Garantie für eine spätere Schwangerschaft. "Das Einfrieren von Eizellen ist keine Versicherung, die garantiert auszahlt", sagt sie der DW. "Es ist zwar besser, Eizellen in jungen Jahren einzufrieren, weil ihre Qualität dann höher ist. Dennoch gibt es keine Gewissheit, dass die Eizellen nach dem Auftauen erfolgreich zu Embryonen entwickelt werden können oder letztlich zu einer erfolgreichen Geburt führen."
Deshalb sei es entscheidend, dass Athletinnen umfassend über Chancen und Risiken informiert werden. "Am Ende geht es um eine informierte Entscheidung", betont Zafrani.
Sorge vor indirektem Druck auf Spielerinnen
Nach Angaben der Ärztin ist die Zahl der Sportlerinnen, die sich in ihrer Londoner Praxis nach dem Verfahren erkundigen, deutlich gestiegen.
"Athletinnen fragen diese Möglichkeit ganz klar nach", sagt die Ärztin. "Gleichzeitig gibt es bei diesem Thema viele Nuancen. Es ist positiv, dass Verbände auf die Wünsche der Spielerinnen eingehen. Ethisch stellt sich jedoch die Frage, ob das Angebot des Eizelleneinfrierens nicht indirekt die Botschaft vermittelt: 'Werdet nicht schwanger, solange ihr für uns spielt.' Das kann problematisch sein."
Diese Bedenken teilt auch Alexandra Gomez Bruinewoud, Rechtsdirektorin der internationalen Spielerinnenvereinigung FIFPRO. Sie war Mitautorin der Mutterschutzrichtlinien, die der Fußball-Weltverband FIFA eingeführt hat. FIFPRO arbeite derzeit an Richtlinien zur assistierten Reproduktion, einschließlich des Einfrierens von Eizellen. Entscheidend sei dabei, dass die Spielerinnen umfassend über ihre Möglichkeiten aufgeklärt würden.
"Wir möchten nicht, dass das Einfrieren von Eizellen als Instrument genutzt wird, um Spielerinnen davon abzuhalten, während ihrer Karriere schwanger zu werden", sagt Bruinewoud der DW. "Sie müssen jederzeit das Recht haben, selbst zu entscheiden, wann und auf welche Weise sie Mutter werden möchten."
Auch Dopingregeln spielen eine Rolle
Darüber hinaus gebe es weitere Aspekte an der Schnittstelle von Fruchtbarkeit und Profisport, darunter mögliche Konflikte mit Anti-Doping-Bestimmungen.
"Bei Verfahren der assistierten Reproduktion und insbesondere beim Einfrieren von Eizellen müssen manche Spielerinnen Hormone einnehmen. Einige dieser Substanzen können nach dem Regelwerk der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) erboten sein", erläuterte Bruinewoud.
Es müsse deshalb verhindert werden, dass Spielerinnen sanktioniert werden, obwohl sie lediglich eine Schwangerschaft planen oder ihre Chancen auf eine spätere Schwangerschaft verbessern möchten.
Keine einfache globale Lösung
Bruinewoud betonte zudem, dass eine weltweit einheitliche Regelung kaum umsetzbar sei. Kosten, medizinische Verfahren und Erholungszeiten unterschieden sich erheblich. Entscheidungen sollten daher in erster Linie von medizinischen Fachkräften begleitet werden. Zugleich seien die Rahmenbedingungen im Frauenfußball von Land zu Land sehr unterschiedlich. Professionalisierung und finanzielle Ressourcen variierten stark.
"Meiner Ansicht nach liegt die beste Lösung in Tarifverhandlungen auf nationaler Ebene", sagte Bruinewoud. "Diese Verfahren sind sehr kostspielig, und die meisten Spielerinnen weltweit werden allein aus finanziellen Gründen vermutlich keinen Zugang dazu haben."
Für Lucas, Zafrani und Bruinewoud steht letztlich derselbe Grundsatz im Mittelpunkt: Wahlfreiheit, Aufklärung und Selbstbestimmung. Das Einfrieren von Eizellen sollte, so die Hoffnung, eine zusätzliche Möglichkeit für Fußballerinnen schaffen - nicht den neuen Standard für ihre Familienplanung.
Der Artikel wurde aus dem englischen Original "Female footballers offered egg freezing but doubts remain" adaptiert.