Kirchen rufen zur Zuversicht für 2026 auf
1. Januar 2026
Zum neuen Jahr rufen Kirchenvertreter zu Zuversicht und Einsatz für das Miteinander auf. Papst Leo XIV. warb für eine umfassende Haltung der Friedfertigkeit. Die Welt werde nicht durch Waffen oder durch "das Verurteilen, Unterdrücken oder Eliminieren von Brüdern und Schwestern" gerettet, betonte er bei einem Gottesdienst im Petersdom aus Anlass des katholischen Weltfriedenstages. Sie werde vielmehr gerettet "durch das unermüdliche Bemühen, zu verstehen, zu vergeben, zu befreien und alle anzunehmen, ohne Berechnung und ohne Angst".
"Heuchlerische Reden"
Am Silvesterabend hatte der Papst die Pläne der Großmächte zur Aufteilung der Welt nach ihren Interessen kritisiert. Die heute weltweit dominierenden Pläne seien "Strategien, die darauf abzielen, Märkte, Gebiete und Einflussbereiche zu erobern. Bewaffnete Strategien, die sich in heuchlerische Reden verhüllen, in ideologische Parolen und in falsche religiöse Beweggründe."
Zu einem bewussten Perspektivwechsel ermutigte der Limburger Bischof Georg Bätzing. "Fehlt es eigentlich an guten Nachrichten - oder erzählen wir zu wenig davon?", fragte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in seiner Silvesterpredigt im Frankfurter Sankt-Bartholomäus-Dom. Hoffnung entstehe dort, wo Menschen Verantwortung übernähmen und auf die Gnade Gottes vertrauten.
Nicht Desinteresse, sondern Traurigkeit
Bätzing fügte hinzu, viele Menschen schauten keine Nachrichten mehr - nicht aus Desinteresse, sondern weil es sie einfach zu traurig mache. Deshalb brauche es Erzählungen, die Mut machten. Unkontrollierte Mediennutzung könne insbesondere für Kinder und Jugendliche eine Gefahr darstellen. Zugleich könne Langeweile zur "Mutter der Kreativität" werden, betonte Bätzing. Es lohne sich daher, Kindern und Jugendlichen Freiräume zuzutrauen.
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx übte scharfe Kritik am Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. "Was für eine Schande, was für eine Blasphemie, dass sich getaufte Christen gegenseitig umbringen", sagte er in der Münchner Jesuitenkirche. Angesichts des Jahreswechsels warb Marx dennoch um Zuversicht: "Wir gehen in ein Jahr voller Fragezeichen, aber an der Seite Jesu." Niemand könne die Hoffnung zerstören, dass Jesus Christus am Ende das letzte Wort habe. Die Welt brauche das christliche Zeugnis: "Was immer an der Seite Jesu geschehen kann, das bringen wir als Kirche ein."
Nur noch ein "Randphänomen"
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warnte vor einer weiteren Entchristlichung der Gesellschaft. "Das Christentum ist ein Randphänomen geworden", sagte Woelki. Es habe seine zivilisatorische Kraft, auf der das kulturelle und soziopolitische Gefüge Europas aufgebaut sei, fast ganz verloren. Eine rein säkulare Weltdeutung reiche jedoch nicht aus, um dem menschlichen Bedürfnis nach Sinn und Halt zu entsprechen und zu genügen.
Säkularisierung bezeichnete der Kardinal nicht als grundsätzlich negativ. Eine maßvolle Entflechtung von Religion und öffentlichem Leben könne im Gegenteil Chancen mit sich bringen. Problematisch sei aber eine völlige Abkehr vom Glauben. Eine Welt ohne Gott werde schnell unmenschlich. Zudem könne sie niemals das menschliche Bedürfnis nach Sinn stillen. Die christliche Antwort auf die Krisen der Zeit liege in der Ausrichtung auf Gott und im Zeugnis des Evangeliums, betonte Woelki. Mit diesem Auftrag gehe die Kirche in das Jahr 2026.
Der Anfang macht Mut
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, erinnerte an den Zauber von Neuanfängen. Trotz zahlreicher Kriege auf dieser Welt, gesellschaftlicher Polarisierung und persönlicher Sorgen gebe es überall Zeichen von Mitmenschlichkeit und Hoffnung.
"Wenn wir an den Anfang zurückdenken, erinnern, dass Gott die Welt als einen friedlichen Ort mit liebesfähigen und klugen Menschen geschaffen hat, dann scheint auch seine Verheißung für die Zukunft möglich", sagte Fehrs. Gefragt seien besonnene Gelassenheit, Aufmerksamkeit füreinander und der Mut, dem Guten Raum zu geben.
haz/wa (kna, epd, dpa)