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Politik

22 Minuten Ungewissheit

10. März 2017

22 Minuten Ungewissheit: Weil es keinen Funkkontakt zu einem Flugzeug gab, wurden in Norddeutschland fünf Atomkraftwerke geräumt. Abfangjäger der Bundeswehr stiegen auf.

Das Atomkraftwerk Grohnde (Archivbild/picture-alliance/dpa)
Das Atomkraftwerk Grohnde (Archivbild)Bild: picture-alliance/dpa

Wegen eines unterbrochenen Funkkontakts zu einem Flugzeug im deutschen Luftraum sind fünf Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein und Niedersachsen vorübergehend geräumt worden. Nur Notbesetzungen blieben in den Werken. Zudem stiegen Abfangjäger der Luftwaffe auf und begleiteten das Flugzeug.

Schnell Entwarnung

Die Situation sei nach kurzer Zeit wieder unter Kontrolle gewesen, teilte das für die Atomaufsicht zuständige Energiewende-Ministerium in Kiel mit. Der Funkkontakt zu dem Verkehrsflugzeug war nach Angaben des Ministeriums in Kiel zwischen 10.27 und 10.49 Uhr mindestens 22 Minuten unterbrochen. Danach wurde die Anordnung zur Räumung aufgehoben.

Demonstration vor dem Kernkraftwerk Brokdorf Bild: picture-alliance/dpa/D. Friederichs

Betroffen waren die Kernkraftwerke Brunsbüttel und Brokdorf in Schleswig-Holstein sowie Grohnde, Lingen und Unterweser in Niedersachsen. Die Anlagen Brunsbüttel und Unterweser sind bereits seit längerem stillgelegt, das Kraftwerk in Grohnde sei wegen einer Revision derzeit heruntergefahren, teilte ein Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums mit. In Brokdorf löste die Polizei bei Bekanntwerden der Evakuierungsmaßnahme eine zufällig am selben Tag vor den beiden Einfahrten stattfindende Blockade-Demonstration auf.

Kampfflugzeuge der Bundeswehr vom Typ Eurofighter Bild: Getty Images/AFP/P. Stollarz

Nach Angaben der Bundesluftwaffe war der Funkkontakt zu dem Flugzeug, das auf dem Weg nach London war, schon über Ungarn abgebrochen. Die Maschine sei von tschechischen Abfangjägern begleitet worden und beim Einfliegen in den deutschen Luftraum von zwei Eurofightern übernommen und dann bei Köln an belgische Kampfflugzeuge übergeben worden, sagte ein Sprecher. In solchen Fällen werde per Sichtkontakt überprüft, dass es keine ungewöhnliche Situation an Bord gebe. Der Funkkontakt könne durch einen Bedienungsfehler oder eine technische Störung ausfallen. Dies komme immer mal wieder vor, hieß es.

"Renegade"-Voralarm

Wie das schleswig-holsteinische Energiewende-Ministerium erläuterte, war wegen des fehlenden Funkkontakts der sogenannte Renegade-Voralarm ausgelöst worden. Renegade-Fälle sind solche, in denen möglicherweise ein Luftfahrzeug aus terroristischen oder anderen Motiven als Waffe verwendet werden könnte.

In Deutschland war 2003 das Nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum in der Gemeinde Uedem (Nordrhein-Westfalen) eingerichtet worden, um den Luftraum vor solchen Bedrohungen zu schützen. Hintergrund sind die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA.

wl/uh (dpa)

 

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