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Kerbal Space Program: Ab gehen die Raketen!

Christian Huberts4. April 2016

Wissenschaft klingt für viele nach staubigen Büchern, grauhaarigen Herren und endlosen Zahlenreihen - das stimmt nicht. Wir zeigen digitale Beispiele für den interaktiven Umgang mit Wissenschaft und Technik.

Screenshot Spiel Kerbal Space Program (Foto: kerbalspaceprogram.com).
Bild: kerbalspaceprogram.com

Die Flugsimulation um das Raumfahrtprogramm des Planeten Kerbal und seiner gleichnamigen Bewohner hat es in Lichtgeschwindigkeit zum Kulttitel geschafft. Mit Version 1.0 des Raketensandkasten hat das mexikanische Entwicklerstudio "Squad" die offene Entwicklungsphase im April 2015 offiziell beendet und das Spiel erfolgreich auf der digitalen Distributionsplattform "Steam" veröffentlicht. Weitere inhaltliche Updates, eine deutsche Lokalisierung sowie Umsetzungen für aktuelle Heimkonsolen sind geplant. Die Kerbals haben die Atmosphäre verlassen und scheinen so schnell nicht wieder aus ihrem Orbit zu verschwinden. Houston, alles läuft prima!


3… 2… 1… Liftoff!

Zu Beginn stehen dem geneigten Raketeningenieur nur wenige Bauteile zur Verfügung. Mithilfe des Editors ist die Kommandokapsel schnell mit einem kleinen Triebwerk sowie einem lebensrettenden Fallschirm ausgerüstet und die erste Rakete somit startklar gemacht.

Diese tritt Dank der realistischen Physiksimulation des Spiels zwar schon nach wenigen Kilometern den sicheren Rückweg zum Boden an, die gesammelten Forschungsdaten und ersten Prämienzahlungen lassen sich aber in neue Raketenteile und bessere Startbahnen, Konstruktionshallen und sonstige Gebäude des Raumfahrtbahnhofs auf Kerbal investieren.

Die nächste Rakete kratzt dann bereits am Ende der Atmosphäre und fällt anschließend wie ein Stein nach unten. Zu schnell für den Fallschirm. Kawumm. Doch jede Katastrophe in Kerbal Space Programm ist nur Auslöser für einen weiteren motivierenden Aha-Moment über die Tücken von Schwerkraft und Schwerelosigkeit.

Völlig losgelöst

Einige verglühte Raumkapseln und unkontrollierbare, mehrstufige Raketenkonstruktionen später, ist das erste große Zwischenziel erreicht: Ein stabiler Orbit, um den Planeten Kerbal. Jetzt fängt das Spiel aber erst richtig an.

Wem "Apoapsis" und "Periapsis", oder "prograde und retrograde Beschleunigung" nichts sagen, wird spätestens nach einer erfolgreichen Ladung auf dem Mun - wie der erste Mond von Kerbal heißt - ein kleiner Experte für Fachbegriffe der Astronomie sein. Denn um entfernte Himmelskörper zu erreichen, gilt es die Umlaufbahnen der konstruierten Vehikel durch gezielten Einsatz der Triebwerke so zu manipulieren, dass sie direkt zum Ziel führen und die mutigen Kerbals dabei nicht direkt in die Sonne katapultieren.

Ist auf jedem Planeten mit festem Untergrund eine Flagge gehisst, bleibt immer noch der Bau von Raumstationen, Satelliten, einer Basis auf dem Mun oder die Konstruktion eines Spaceshuttles. Die Herausforderungen - und möglichen Katastrophen - sind in Kerbal Space Program nahezu unbegrenzt.



Unendliche Weiten

Alle Spielenden, denen die Simulation immer noch zu unrealistisch ist, können sich diverser Modifikationen aus der Community erfreuen, die den Realismusgrad weiter in die Höhe schrauben. Wer hingegen von den Möglichkeiten des Spiels überfordert ist, kann hilfreiche Bauanleitungen und Tutorial-Videos der aktiven Spielerschafft nutzen oder im Sandbox-Modus - ohne Geldsorgen und mit allen Bauteilen - loslegen. Und weil Kerbal Space Program damit auch reale Raumfahrtbehörden überzeugt hat, steht mittlerweile unter anderem eine offizielle Mission der Nasa zur Verfügung, in der es einen Asteroiden vom Kollisionskurs auf Kerbal abzulenken gilt.

Bild: kerbalspaceprogram.com

Da das ganze wie geschaffen ist für den Physikunterricht, bietet Squad eine Stand-Alone-Version des Spiels für Schulen an: KerbalEdu erlaubt Lehrkräften das Erstellen von zum Lehrplan passender Missionen und bietet viele Möglichkeiten der Visualisierung physikalische Kräfte. Ein kleiner Schritt für einen Kerbal, aber ein großer Schritt für Computerspiele!

Dieser Text erschien zuerst auf der unabhängigen Plattform sciencegames.de. Die von der Bosch Stiftung geförderte Seite sammelt und bespricht digitale Wissenschaftsspiele.

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