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Klimaneutrales Öl ab 2020

12. Juli 2017

Erdöl schädigt das Klima. Vor allem die Chemieindustrie und der Verkehr brauchen es jedoch. Synthetisches Öl kann dagegen klimaneutral sein. In Norwegen soll bald die industrielle Produktion beginnen.

Deutschland Dresden Pilotanlage für Ökokraftstoff
Bild: picture-alliance/dpa/A. Burgi

Ab 2020 soll im norwegischen Industriepark Heroya die erste Großanlage zur Produktion von klimafreundlichem Erdölersatz beginnen. Das norwegische Cleantech-Unternehmen Nordic Blue Crude will die Anlage betreiben.

In einem ersten Schritt soll sie zehn Millionen Liter synthetisches Erdöl produzieren. Die Zutaten sind nur Wasser, Strom aus Wasserkraft und CO2. "Unser Ziel ist, die Anlagen-Kapazität zu verzehnfachen, sobald wir genügend Erfahrung mit der ersten Ausbaustufe von zehn Millionen Litern gesammelt haben", sagt Gunnar Holen, Geschäftsführer von Nordic Blue Crude.

Langfristig könnten so zehn identische Produktionsstätten in Skandinavien entstehen. Um diese Pläne zu realisieren, treibt das Unternehmen neben der technischen Weiterentwicklung auch die Finanzierung der neuen Industrie voran. 

Industriepark Heroya in Norwegen: Die Produktion von klimafreundlichem Öl soll hier im größeren Maßstab beginnen. Bild: Nordic Blue Crude AS

Aus Wasser, CO2 und Ökostrom wird klimafreundliches Öl

Das nun eingesetzte Verfahren zur Herstellung des synthetischen Erdöl-Substituts wurde von dem Unternehmen Sunfire in Dresden entwickelt. In einer Pilotanlage hat das Unternehmen positive Erfahrungen mit den Dauerbetrieb gesammelt und bereits über 3000 Liter synthetisch erzeugtes Öl aus Wasser, CO2 und Windstrom produziert und als Treibstoff verkauft. "Wir haben jetzt einen CO2-neutralen Erdölersatz geschaffen, der überall auf der Welt mit unserer Technologie produziert werden und massiv zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen kann", sagt Nils Aldaq von Sunfire.

Bei diesem Verfahren wird im ersten Schritt mit Hilfe von Strom in der Elektrolyse Wasserdampf (H2O) in seine Bestandteile Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) zerlegt. Das Verfahren nennt sich "Power-to-Gas". Im zweiten Schritt wird unter Zugabe von Kohlendioxid (CO2) der Erdölersatz produziert. 

Das benötigte CO2 für die synthetische Ölproduktion soll bei den Großprojekten das Unternehmen Climeworks liefern. Die junge Schweizer Firma hat eine neue Technik zur CO2-Abscheidung aus der Luft entwickelt und betreibt bereits eine erste kommerzielle Anlage in der Schweiz. Mit mehreren tausend Anlagen weltweit will Climeworks zur Minderung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre beitragen, in Norwegen wird das gewonnene CO2 für die synthetische Ölproduktion gebraucht. 

18 Kollektoren filtern in der Schweiz jährlich 900 Tonnen CO2 aus der Luft. Das Gas wird im Treibhaus (hinten) genutzt. Bild: Climeworks Photo

Synthetisches Öl als Alternative?

Synthetisch erzeugtes Öl kann CO2-neutral erzeugt werden. Es eignet sich als Ausgangsstoff für die Produkte der chemischen Industrie und für die Produktion von Diesel, Benzin und Kerosin. Bei der Verbrennung sind synthetische Kraftstoffe zudem umweltfreundlicher als Erdöl. Sie sind frei von Schwefel und Aromaten und erzeugen bei der Verbrennung weniger Ruß. 

Auto-, Luftfahrt-, Energie- und Kosmetikunternehmen zeigen großes Interesse an dem klimafreundlichen Erdölersatz und das norwegische Unternehmen Nordic Blue Crude sieht nun gute Chancen für den Einstieg in den Zukunftsmarkt und für den Beginn der industriellen Produktion. Der anvisierte Preis des sogenannten Blue Crude als Erdölersatz soll 2020 nach Angaben der Norweger bei unter zwei Euro pro Liter liegen.

Heute kostet ein Liter Rohöl auf dem Weltmarkt etwa 25 Eurocent. Allerdings kommen bei Erdöl noch erhebliche volkswirtschaftlichen Kosten für Klima- und Gesundheitsschäden hinzu. 

Pilotanlage zur Herstellung von klimaneutralem Öl von der Dresdener Firma Sunfire Bild: Sunfire GmbH, Dresden/Rene Deutscher

Obwohl das klimafreundliche Öl im direkten Preisvergleich noch nicht gegen Erdöl ankommt, sehen Experten für die synthetische Ölproduktion eine Zukunft und einen Markt. "Der Durchbruch dieser Technik ist nur eine Frage der Zeit", sagt Experte Prof. Michael Sterner von der Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher (FENES) an der technischen Hochschule Regensburg. 

Die globale Umsetzung des Pariser Klimaabkommens führe zum notwendigen Ersatz von Erdöl in vielen Sektoren. Vor allem in der chemischen Industrie, dem Luftverkehr und dem Schwertransport würden klimafreundliche Öle als Roh- und Kraftstoffe in Zukunft gebraucht. "Wir werden hier die gleiche Entwicklung haben wie bei der Photovoltaik. Auch dort wurde vor ein paar Jahren gesagt, dass dies alles Unsinn wäre und heute haben wir eine Multi-Gigawatt-Industrie. So wird es auch bei dieser Technik kommen", so Sterner gegenüber der DW. 

Als Standorte dieser klimafreundlichen Ölproduktion eignen sich nach Analysen des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) vor allem Sonnen- und Windreiche Regionen in der Welt, da dort die Kosten für den benötigten Strom besonders günstig sind.

Pilotanlage für Ökosprit

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