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Kerosin wird in Europa knapp - Luftverkehrsverband warnt

17. April 2026

Die Abriegelung der Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs könnte einen drohenden Engpass an Flugbenzin zur Folge haben. Die Deutsche Luftverkehrswirtschaft hat einen Sieben-Punkte-Plan.

Tankstutzen an einer Tragfläche (22.08.2016)
Betankung einer Boeing B 737 auf dem Flughafen München (Archivbild) Bild: Lex Rayton/imageBROKER/picture alliance

Die Urlaubssaison fängt bald an - und das Risiko eines Mangels an Kerosin steigt mit jedem Tag, an dem die Straße von Hormus am Persischen Golf blockiert bleibt. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) ruft nun mit einem Sieben-Punkte-Plan die Bundesregierung in Berlin zur Unterstützung auf, wie die Zeitung "Welt am Sonntag" vorab berichtet. Der BDL vertritt Fluggesellschaften und Flughäfen in Deutschland.

Kerosin-Reserven freigeben

Zu den Forderungen zählt eine Freigabe der nationalen und europäischen Kerosin-Reserven. Zudem schlägt der Verband eine enge staatliche Überwachung der vorhandenen Kerosin-Mengen vor. Außerdem regt der BDL eine kurzfristige Zuteilung von Durchleitungsrechten für das sogenannte NATO-Pipeline-System beziehungsweise das Central Europe Pipeline System an. So sollen die Flughäfen Frankfurt am Main, Köln/Bonn, München und Zürich besser mit Kerosin versorgt werden können. 

Flughafen Frankfurt am Main: Wann gibt es hier einen Mangel an Kerosin? (Archivbild) Bild: Daniel Kubirski/picture alliance

Ein Punkt des Konzepts des Luftverkehrsverbandes würde zulasten der Passagiere gehen - wenn es zu spritbedingten Verzögerungen im Betriebsablauf kommt. Folgen der Krise wie kurzfristige Flugstreichungen oder Verspätungen durch Umwege aufgrund von Flugraumsperrungen oder bedingt durch Tankstopps sollten laut BDL in der EU-Passagierrechtsverordnung als "außergewöhnlicher Umstand" anerkannt werden, wie die "Welt am Sonntag" weiter schreibt. In diesem Fall hätten gestrandete Fluggäste keinen Entschädigungsanspruch.       

"Dramatische Auswirkungen auf das Sommerreisegeschäft" 

"Eine Verknappung von Kerosin hätte unweigerlich eingeschränkte Fluganbindungen zur Folge", sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang der Zeitung. "Dies würde der deutschen und europäischen Wirtschaft, die auf gute Verbindungen in die ganze Welt angewiesen ist, erheblichen Schaden zufügen."

Der Hauptgeschäftsführer des Luftverkehrsverbandes BDL, Joachim Lang (Archivbild) Bild: serienlicht/IMAGO

Lang betonte weiter: "Die Sommerreisesaison steht unmittelbar bevor, das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen auf den Luftverkehr angewiesen." Bei einer Kerosin-Knappheit müssten Fluggesellschaften dramatische Auswirkungen auf das Sommerreisegeschäft befürchten.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte am Donnerstag davor gewarnt, Flugbenzin könne in Teilen Europas in den kommenden Wochen knapp werden. 75 Prozent der europäischen Nettoimporte von Kerosin seien vor dem Iran-Krieg aus dem Mittleren Osten importiert worden, betonte die in Frankreichs Hauptstadt Paris ansässige Agentur.

Mehr als 80 Energieanlagen in Golfregion beschädigt

Der deutsche Luftverkehrsverband verweist zugleich auf die Angaben von Energieexperten, nach denen aufgrund des Iran-Kriegs mehr als 80 Anlagen in der Nahostregion teils schwer beschädigt seien. Auch bei einer vollständigen Öffnung der Straße von Hormus kann man laut den Fachleuten nicht erwarten, dass die Versorgung mit Flugbenzin kurzfristig wieder auf Vorkriegsniveau ansteigt. Die Mineralölwirtschaft gehe davon aus, dass noch für längere Zeit 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität nicht verfügbar seien, heißt es weiter.

Ersatz kommt nach Angaben des BDL vor allem aus den USA. Die Lieferungen könnten allerdings bisher nur rund die Hälfte der ausfallenden Mengen ersetzen.

Einige Fluggesellschaften haben bereits reagiert. So nahm die niederländische KLM - auch aufgrund der hohen Treibstoffpreise - rund 160 Flüge aus dem Programm. Die führende skandinavische Fluggesellschaft SAS strich ebenfalls unrentable Verbindungen.

Lufthansa legt Cityline vorzeitig still

Deutschlands größte Gesellschaft, die Lufthansa, kündigte an, ab Samstag den Betrieb ihrer in München beheimateten Tochter Cityline vorzeitig komplett einzustellen. Die 27 Maschinen vom Typ Canadair CRJ und Airbus A-319 stünden kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und hätten vergleichsweise hohe Betriebskosten, teilte die Lufthansa mit. Weitere Maschinen mit hohem Kerosinverbrauch will der Konzern zum Winterflugplan Ende Oktober aus der Flotte streichen - darunter A340 und auch betagte Jumbojets vom Typ Boeing 747-400.

Ihre Zeit ist abgelaufen: Eine Lufthansa-Citiyline-Maschine auf dem Flughafen München Bild: Ardan Fuessmann/IMAGO

Ungarns Billigfluggesellschaft Wizz Air hatte schon jetzt an drei italienischen Flughäfen kurzfristig Probleme bei der Versorgung mit Kerosin, wie ihr Geschäftsführer Jozsef Varadi an diesem Freitag mitteilte. Es sei um die Airports Venedig, Brindisi und Catania gegangen. "Das Problem wurde innerhalb eines Tages und in einigen Fällen sogar innerhalb weniger Stunden gelöst, ohne dass Flüge gestrichen werden mussten", beruhigt der Wizz-Air-Chef Passagiere und Geschäftspartner.

se/AR (dpa, afp, rtr)

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