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Erin Brockovich: Eine Umweltschützerin gegen den KI-Boom

3. Juni 2026

Wissen Sie, wo ein Rechenzentrum in ihrer Nähe entstehen soll? Diese Frage können nun immer mehr US-Anwohner mit "Ja" beantworten. Dank einer Karte, die Erin Brokovich ins Leben gerufen hat. Warum das wichtig ist.

Erin Brockovich im Profil
"Die Öffentlichkeit sollte nicht als Letztes davon erfahren": Umweltaktivistin Erin BrockovichBild: Michael Swensen/Getty Images/AFP

Beim weltweiten Widerstand gegen den Bau-Boom neuer Rechenzentren mischt jetzt auch eine prominente US-Aktivistin mit: Erin Brockovich. Die 65-jährige ist auch bekannt durch den gleichnamigen Hollywood-Film mit Schauspielerin Julia Roberts. Nun hat die Umweltschützerin eine Online-Plattform ins Leben gerufen. Das "Brockovich Data Center" sammelt Informationen zu Planung und Bau neuer Rechenzentren und verortet sie auf einer Landkarte der USA.

"Diese Karte erfasst die tatsächlichen Spuren dieses Wettlaufs - und sie zeigt Muster von Wachstum, Konflikt und Unsicherheit auf", schreibt Brockovich auf ihrer Website. Seit dem Start der Plattform im April 2026 bekam sie tausende Hinweise. Damit wolle sie den Menschen in den USA eine Stimme geben und dabei helfen, einen Überblick über KI-Rechenzentren zu erhalten, erklärt sie weiter. "Die Öffentlichkeit sollte nicht als Letztes davon erfahren." 

Weshalb regt sich Widerstand gegen Rechenzentren?

Zwar existieren Rechenzentren im Prinzip schon seit Jahrzehnten, doch die großen Big-Tech-Unternehmen haben den Bau neuer Anlagen weltweit extrem beschleunigt. Neben KI wächst auch die Nachfrage für Cloud-Dienste und Plattformen. Kritikerinnen wie Brockovich verweisen vor allem auf den enormen Energie- und Wasserverbrauch der Rechenzentren, die für den Betrieb der Server und zur Kühlung der Anlagen benötigt werden. Laut der Nichtregierungsorganisation Algorithmwatch mit Sitz in Berlin und Zürich kann eine einzelne Anlage so viel Energie verschlingen wie eine kleine Stadt.

In Ländern wie zum Beispiel Indien kann der Bau eines Rechenzentrums auch zur akuten Wasserknappheit führen. Anwohner berichteten der DW, sie hätten wegen der Anlage teilweise nur wenige Stunden am Tag Zugang zu Wasser.

Wie der KI-Boom die Wasserkrise in Indien weiter verschärft

03:08

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Zudem führt die schnelle Abnutzung der Hardware in solchen Zentren zu hohen Mengen an Elektroschrott. Brockovich verweist auf ihrer Seite zudem auf die Lärmbelästigung für Mensch und Tier.

Auch wirtschaftlich gesehen ist es für viele Regionen nicht unbedingt ein Pluspunkt. Investoren stecken zwar oft Milliardensummen in den Bau solcher Zentren, schaffen damit aber kaum direkte Arbeitsplätze. Rechenzentren sind oft mehrere 10.000 Quadratmeter groß, darin arbeiten aber meist deutlich weniger als 100 Angestellte. 

Wo wurden bislang die meisten Rechenzentren gebaut?

In den USA befinden sich mit rund 5400 mit weitem Abstand die meisten Rechenzentren weltweit, gefolgt von Deutschland, dem Vereinigten Königreich, China, Kanada, Frankreich, Australien, Niederlande und Russland, wie etwa das Portal Euronews mit Stand 2025 wiedergibt.

Viele weitere Rechenzentren sind weltweit geplant, typischerweise in eher ländlichen Gebieten. Neben den USA sollen auch in Ostasien tausende neue Anlagen entstehen. Laut der Plattform Germany Trade & Invest stehen vor allem China, Japan, Südkorea und Taiwan in den Startlöchern. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Saudi-Arabien und Katar bauen ihre Rechenzentren aus. In Deutschland steht vor allem der Großraum Frankfurt im Fokus neuer Vorhaben.

Wo wurden Rechenzentren bislang verhindert?

Auf Brockovichs Plattform werden nicht nur Hinweise auf neue Bauvorhaben registriert, sondern auch Moratorien. Dabei handelt es sich um eine Art Pausetaste, um die Auswirkungen eines Projekts zu prüfen. "Diese Moratorien variieren in Dauer und Umfang, verfolgen jedoch ein gemeinsames Ziel: Der Ausbau soll nicht schneller voranschreiten als die Planung", heißt es.

Erin Brockovich spricht auf einer VersammlungBild: Arvin Temkar/Atlanta Journal-Constitution/AP Photo/picture alliance

Auf der Plattform wird unter anderem von Moratorien in den US-Bundesstaaten North Carolina, Pennsylvania, Maryland, Florida, Texas und Maine berichtet. Aber nicht immer haben sie Erfolg. In Maine verabschiedete das Parlament im April 2026 ein Moratorium gegen neue Rechenzentren mit einer Leistung von mehr als 20 Megawatt. Gouverneurin Janet Mills verhinderte das Gesetz jedoch mit ihrem Veto. 

KI und die Folgen für die Umwelt - Shift

12:34

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Auch in anderen Weltregionen gärt es schon seit längerem, wie zum Beispiel in Irland und den Niederlanden. In Chile protestierte 2024 eine Umweltschutzgruppe erfolgreich gegen den Bau eines Rechenzentrums für KI-Anwendungen. Auch in Brasilien, das sich als neuer Hotspot für Rechenzentren versteht, formiert sich derzeit Widerstand, vor allem im Nordosten des Landes.

Ähnliche Entwicklungen sind auch in Deutschland zu beobachten:  Zuletzt hatte der "Spiegel" im Mai 2026 berichtet, das US-Unternehmen Edgeconnex verzichte auf den Bau eines Gaskraftwerks zum Betrieb eines Rechenzentrums. Edgeconnex wolle das Projekt nicht gegen den Willen der Bevölkerung und der Stadtverordnetenversammlung durchsetzen, hieß es. 

Solarpaneele in der Wüste bei Las Vegas - der Energieverbrauch ist hoch Bild: Ty ONeil/AP Photo/picture alliance

Die NGO Algorithmwatch verweist darauf, dass in vielen Fällen jedoch eine Beratung auf lokaler Ebene gar nicht erst stattfindet und Betroffene erst davon erfahren, wenn es vielleicht schon zu spät ist. So sollen in Spanien selbst Bürgermeister erst aus der Presse von neuen Vorhaben erfahren haben. Zumindest für die USA könnte dank Brockovichs interaktiver Karte ihres Data Centers diesem Gebaren nun ein Riegel vorgeschoben werden.

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