Kinderbuchautor Janosch ist tot
4. November 2026
Es war der warmherzige, einfache Humor in seinen Texten und Zeichnungen, mit dem Janosch die Welt eroberte. Der kleine Tiger und der Bär, die Tigerente und der Kastenfrosch: Sie alle haben Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert.
Seine berühmte Geschichte "Oh, wie schön ist Panama" brachte Janosch Ruhm und Ehre - und genug Geld, um sich auf der kanarischen Insel Teneriffa niederzulassen, wo er bis zu seinem Tod mit seiner Frau Ines lebte. Der Schriftsteller und Illustrator starb am Dienstag im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa, wie sein Tübinger Verleger Bernhard Feil der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Janoschs Tier-Figuren sind liebenswert, aber nicht immer brav. Sie machen ziemlich viel Unsinn. Doch auch wenn sie sich belügen oder gewitzt auf den eigenen Vorteil bedacht sind: Am Ende siegen in den Geschichten immer wieder die Freundschaft und der Zusammenhalt.
Janosch der Künstler
Als Horst Eckert wurde Janosch am 11. März 1931 in Oberschlesien, in Hindenburg (heute das polnische Zabrze), geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchtete die Familie nach Westdeutschland. Später, 1953, studierte Janosch an der Akademie der Bildenden Künste in München, denn Künstler zu sein, das stellte er sich leicht vor. Kaum zu glauben, dass man ihn wegen "mangelnder Begabung" nach einigen Semestern entließ.
Aufgegeben hat Janosch damals zum Glück nicht. Er arbeitete weiter als freier Künstler und entdeckte bald seine zweite Begabung: das Schreiben. 1960 erschien sein erstes Kinderbuch "Die Geschichte von Valek dem Pferd". Janosch ist zwar als Kinderautor berühmt geworden, doch er hat auch Bücher für Erwachsene geschrieben wie "Leben und Kunst", "Polski Blues" oder "Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm", in denen er nicht zuletzt seine Kindheit thematisierte.
Der Traum von einer schönen Kindheit
Der große Erzähler, der heitere Geschichten für Kinder schrieb, verband mit seiner eigenen Kindheit kaum gute Erinnerungen. Sein Vater war Alkoholiker. Prügel bekam er nicht nur von ihm, sondern auch von der Mutter und der Großmutter, die auf ihn aufpassen sollte. Hinzu kam im streng katholischen Elternhaus die ständige Androhung der Strafe Gottes mit dem Ende im Fegefeuer.
Später versuchte Janosch selbst, seine Kindheitserlebnisse mit Alkohol zu verdrängen. Für Kinder hatte er immer viel Verständnis. In seinen Geschichten macht er ihnen Mut, sich nichts gefallen zu lassen. Eigene Kinder wollte Janosch aufgrund seiner Kindheit nie und zur Kirche hatte er bis zuletzt ein gespaltenes Verhältnis. "Da ich Sünder und Ketzer bin, wird Gottvater mir noch eine lange Lebenszeit schenken, damit ich wieder in den heiligen Schoß der Kirche zurückkomme", sagte er seiner Biografin Angela Bajorek.
Janoschs Weg zu Weltruhm
Der große Durchbruch gelang Janosch 1978 mit der rührenden Geschichte über zwei Freunde, den kleinen Tiger und den Bären, die aufbrechen, um ihr Paradies in Panama zu finden. Dabei ist der Weg das Ziel, denn im Grunde drehen sich die beiden im Kreis und landen letztendlich wieder dort, wo sie hergekommen sind. Für "Oh, wie schön ist Panama" erhielt Janosch 1979 den Deutschen Jugendbuchpreis. Insgesamt schrieb und illustrierte er über 300 Bücher, die in 40 Sprachen übersetzt wurden.
Seine Figuren sind Generationen von Kindern in vielen Ländern der Welt bekannt. Sie tauchen in den verschiedenen Geschichten immer wieder auf, illustriert mit liebevoll gezeichneten Aquarellen. Da gibt es den ehrlichen Löwen Hans aus der Spielzeugkiste, der es nicht schafft, den Nussknacker Lari Fari Mogelzahn beim Lügen zu erwischen. Da sind Schnuddel und der Angeber Günter Kastenfrosch. Und dann gibt es natürlich den Tiger, der gerne Pilze sucht, und seinen Freund den Bären, der alles für ihn tun würde. Selbst als der Tiger ihn wegen eines Schweinchens in der Geschichte "Guten Tag, kleines Schweinchen" vorübergehend verlässt.
Merchandising mit der Tigerente
Wer genau hinschaut, findet auf vielen Bildern des Illustrators die gelb-braun gestreifte Holzente auf Rädern, die Tigerente. Mal wurde sie lieblos in die Ecke geworfen, mal hängt sie von der Decke herab oder der Frosch zieht sie an einer Leine einfach durchs Bild. Obwohl Janosch selbst einmal sagte: "Die Tigerente ist Mist" und der Bär hänge ihm zum Hals raus, so waren diese Tiere doch sehr einträglich für ihn.
Die Kult-Figuren aus seinen Büchern - und allen voran die Tigerente - sind auf Tellern, Tassen und Wärmflaschen, ja sogar auf Briefmarken, Schmuck und Flugzeugen verewigt. Janoschs Geschichten wurden verfilmt und für das Fernsehen vermarktet. Auf seine Verleger war der Geschichtenerzähler allerdings schon lange nicht mehr gut zu sprechen gewesen. Die hätten ihn über den Tisch gezogen, sagte er. Sämtliche Rechte hatte Janosch an die "Janosch AG" übertragen. Die Aktien, die er dafür bekam, hatte er früh verkauft.
"Wer fast nichts braucht, hat alles"
Wer Janosch auf Teneriffa besucht hatte, berichtete davon, wie bescheiden der Schriftsteller zuletzt gelebt habe. Am liebsten, so sagte er immer wieder, liege er in der Hängematte und genieße das Nichtstun. Von 2013 bis 2019 schrieb er eine Kolumne für das Magazin der Wochenzeitung "Die Zeit". Dabei schlüpfte er in die Rolle des Herrn Wondrak, der das Weltgeschehen kommentierte und als Janoschs Alter Ego das Nichtstun pflegte.
Kurz vor seinem 90. Geburtstag erschien im Februar 2021 eine Gesamtausgabe dieser Kolumne beim Prestel-Verlag unter dem Titel "Herr Wondrak, wie kommt man durchs Leben?" Mit wenig zufrieden sein, das gilt für seine Phantasiefiguren ebenso wie für Janoschs eigenes Leben. "Wer fast nichts braucht, hat alles" lautet ein Zitat aus einem seiner Bücher.