Kirchenspaltung in Montenegro auch zu Ostern
6. Mai 2002Belgrad, 4.5.2002, B92, engl, aus Podgorica
Während die serbischen Christen an diesem Wochenende zusammenkommen, um gemäß dem julianischen Kalender, nach dem sich die serbisch-orthodoxe Kirche richtet, Ostern zu feiern, spiegelt das religiöse Leben Montenegros mit einer tiefen Spaltung zwischen beiden Glaubensrichtungen dessen Politik wider. Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche in Podgorica, Erzbischof Amfilohije, verurteilte den Versuch, "den lebenden Organismus der Kirche Gottes entlang ethnischer Linien zu spalten". Unterdessen rief Erzbischof Mihailo von der Montenegrinisch-Orthodoxen Kirche, die unter seiner Führung in den 1990er-Jahren neu gegründet wurde, "Frieden unter den streitenden Brüdern im Interesse der montenegrinischen Nation, des Staates und der Kirche".
Die montenegrinische Kirche war unabhängig bis sie im Jahre 1920, kurz nach der Gründung des ersten jugoslawischen Staates, von der serbischen Kirche aufgesogen wurde. "Liebe Montenegriner, Christus ist auferstanden", sagte Erzbischof Mihailo vor seiner Gemeinde und mahnte: Die Montenegrinische Kirche und der Staat werden auch wieder auferstehen, so lange es Montenegriner gibt". (MK)