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Klimaschutz - kein Thema für "männliche Männer"?

Tamsin Walker
18. Mai 2026

Männer interessieren sich nicht für Klimaschutz, sie interessieren sich für schnelle Autos. Stimmt das wirklich? Und wenn ja, was kann man tun, um sie zu überzeugen, dass das Klima auch sie angeht?

Ein Mann steht auf dem Dach eines Hauses und blickt auf brennende Hügel
Die Nutzung fossiler Brennstoffe führt zur Erhitzung des Planeten, doch der Klimawandel scheint Frauen mehr Sorgen zu machen als MännernBild: David McNew/Getty Images

Mehr als zehn Jahre lang hatte Mike Smith als Kampfpilot bei den US-Streitkräften gedient, als er sich dafür entschied, seinem Leben eine neue Wendung zu geben und die Marine zu verlassen. Statt auf Kampfjets und Marschflugkörper setzte er fortan auf Nachhaltigkeit - und auf das Pflanzen von Bäumen.

Der Grundstein für diese Veränderung könnte in seiner Kindheit liegen. Mit gerade mal neun Jahren musste er miterleben, wie sich ein gewaltiger Waldbrand durch die Wälder nahe seines Heimatorts mitten in Idaho fraß, das sogenannte Lowman Fire von 1989. Das Feuer wütete so heftig, dass die durch den Brand erzeugte Rauchwolke an einen Atompilz erinnerte.

"Damals fühlte es sich an, als würde ganz Idaho brennen. Für mich war das Geschehen einfach unvergesslich", erinnert sich Smith.

Der Waldbrand, den Mike Smith als Kind erlebte, führte später zu seinem Engagement für die WiederaufforstungBild: Mike Smith

Der Brand von damals hinterließ nicht nur einen bleibenden Eindruck auf Smith, sondern auch noch immer sichtbare Narben in der Landschaft, in der er wütete. Als Smith mehr als 20 Jahre später nach Idaho zurückkehrte, um seiner Frau zu zeigen, wo er aufgewachsen war, war er schockiert.

"Wenn man an den Ort zurückkehrt, an dem man aufgewachsen ist, bemerkt mal all die Dinge, die sich verändert haben. Doch es war verstörend zu sehen, was sich nicht geändert hatte. 22 Jahre später war es noch immer schwarz, einfach schwarzer Dreck."

Smith gründete ein Unternehmen, das sich auf die Wiederaufforstung nach Bränden zur CO2-Kompensation spezialisiert. Er beteiligte sich an der Pflanzung von mehreren Millionen Bäumen und gründete ein Unternehmen für Klimatechnologie, das andere Unternehmen dabei unterstützt, ihre Emissionen zu reduzieren. Und mit den Jahren wurde ihm bewusst, dass sich in diesem Bereich mehr Frauen als Männer engagieren.

Nehmen Männer und Frauen die Klimakrise anders wahr?

Die von Smith festgestellten Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf das Umweltbewusstsein sind keineswegs ein Einzelfall, sondern ein weithin zu beobachtendes Phänomen. Kurz gesagt, Frauen scheinen sich mehr Sorgen um das Klima zu machen als Männer.

Wie Amanda Clayton, Politikwissenschaftlerin an der Universität von Kalifornien, während ihrer Forschungen zum Thema feststellte: "Die Kluft zwischen den Geschlechtern wird mit dem steigenden Wohlstand eines Landes größer".

Je wohlhabender ein Land wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich Frauen besorgt über den Klimawandel äußern. Jedoch nicht, weil sie sich plötzlich größere Sorgen machen. "Tatsächlich ist es so, dass die Sorgen der Männer abnehmen, wenn die Länder wohlhabender werden", hebt Clayton hervor. "Die wachsende Kluft zwischen den Geschlechtern ist in Wahrheit eine zunehmende Skepsis der Männer."

Ein Grund scheint die Angst vor den vermeintlichen Kosten eines Übergangs zu sauberer Energie zu sein, egal ob finanziell oder kulturell. Diese Kosten fühlen sich insbesondere für Männer bedrohlich an, die mit der Erwartung aufgewachsen sind, die Rolle des Ernährers übernehmen zu müssen. Hier kommt die Politik ins Spiel, denn wie Clayton ebenfalls feststellte: Je reicher Länder werden, desto mehr wird der Klimawandel politisiert.

"Sobald der Klimawandel zu einem Thema für die politische Rechte wird, lässt sich beobachten, wie politische und wirtschaftliche Eliten beginnen, klimaskeptische Ansichten zu verbreiten", stellt Clayton fest.

Dazu können Narrative gehören, die sich eher an Männer als an Frauen richten. Zum Beispiel Botschaften, dass Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselantrieb verboten werden könnten oder dass Jobs im Bereich fossile Energien, in dem überwiegend Männer arbeiten, gefährdet sein könnten. Das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle kann also Teil einer Identität werden, die manchmal als "Petromaskulinität" bezeichnet wird.

Weitere aktuelle Forschungsergebnisse zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen der Sorge um das Klima und einer wahrgenommenen Bedrohung der Männlichkeit.

Mit Männern über den Klimawandel sprechen

Der Psychologe Vidar Vetterfalk versucht, dieser Denkweise auf den Grund zu gehen. In seiner Arbeit bei MÄN, einer schwedischen Organisation, die Männer und Jungen dazu anregen will, stereotype Männlichkeitsbilder zu hinterfragen, fordert er Gruppen von Männern auf, zu erzählen, was ihnen an der Natur gefällt und welche Sorgen sie sich um deren Zukunft machen.

Nach mehr als einem Jahrzehnt in der US-Marine widmet Mike Smith sich nun der UmweltBild: Mike Smith

Statt Schuldzuweisungen und Vorwürfen wegen der Klimakrise würde so eine Verbindung hergestellt, betont Vetterfalk. Eine solche Verbindung sei genau das, was in den Männlichkeitsnormen fehle. Obwohl vielen Teilnehmern diese Erfahrung schwer fiele, würden sie sie dennoch schätzen. "Viele Männer sagen schon nach der ersten Runde, dass sie noch nie so mit anderen Männern gesprochen oder einander auf diese Weise zugehört haben."

Klimafreundliches Handeln als Mission

Die Männer, die einen solchen Workshop besuchen, sind allerdings am Thema Klimawandel vermutlich nicht gänzlich uninteressiert. Schwieriger wird es, die zu erreichen, die sich noch nie mit dem Thema befasst haben.

Mike Smith ist überzeugt, dass nüchterne Gespräche ohne Schuldzuweisungen viel dazu beitragen können, Männern zu vermitteln, warum es wichtig ist, sich um den Planeten zu kümmern. Sein eigener Hintergrund hat sich dabei als hilfreich erwiesen.

"Einem ehemaligen Kampfpiloten spricht niemand die Männlichkeit ab", meint Smith. "Das gibt mir ein wenig Spielraum, wenn ich über Dinge spreche, die möglicherweise traditionell eher weiblich konnotiert sind."

Männer lassen sich eher für klimafreundliches Verhalten interessieren, wenn sie sehen, wie ihr eigenes Leben dadurch verbessert werden kann, glaubt er. Zum Beispiel durch die Installation von Solarpanelen oder durch Elektrofahrzeuge, die Spritkosten sparen. "Männliche" Männer zu sehen, die sich umweltbewusst verhalten, könnte ebenfalls helfen, das Denken und das Verhalten zu ändern.

Dicke Autos müssen nicht unbedingt Benzin verbrennenBild: David Zalubowski/AP Photo/picture alliance

Auch Autohersteller haben das bereits begriffen. Einige vermarkten ihre Elektrofahrzeuge schon als echte "Männermaschinen", mit denen sich Schlagbohrer aufladen lassen oder die als Generatoren eingesetzt werden können, wenn ein Sturm das Stromnetz zusammenbrechen lässt.

"Sie versuchen, Elektrizität ein maskulines Image zu geben statt Gas und Öl", erläutert Clayton. "Da bin ich dabei, wenn es so gelingt, Gruppen zu erreichen, die sich kulturell an fossile Brennstoffe gebunden fühlen."

Doch letztlich gehe es darum, dieselbe Motivation zu erzeugen, die ihn als jungen Mann dazu brachte, zur Marine zu gehen, meint Smith. "Was die meisten Menschen wirklich brauchen, ist ein Ziel, Motivation und eine Aufgabe", sagt er. "Das ist, denke ich, der Schlüssel, den wir brauchen, um in Bezug auf Männlichkeit und Klima voranzukommen."

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

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