Wie der Klimawandel das Malariarisiko in Afrika verändert
12. September 2026
Seit Jahrzehnten konzentriert sich die weltweite Bekämpfung der Malaria, insbesondere in Subsahara-Afrika, auf West- und Zentralafrika. Dort ist die Krankheit besonders weit verbreitet.
Auf die WHO-Region Afrika entfallen rund 95 Prozent aller Malariafälle und Todesfälle weltweit. Mehr als die Hälfte der Todesfälle in der Region entfallen auf Nigeria (31,9 Prozent), die Demokratische Republik Kongo (11,7 Prozent) und Niger (6,1 Prozent). Rund 76 Prozent der Menschen, die in der Region an Malaria sterben, sind Kinder unter fünf Jahren.
Um die Krankheit in Afrika weiter einzudämmen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Malariaimpfstoff RTS,S/AS01 verstärkt bei Kindern einzusetzen, die in Regionen mit mittlerer bis hoher Übertragungsrate leben. Der Impfstoff richtet sich gegen den Parasiten Plasmodium falciparum, der für rund 95 Prozent aller Malariainfektionen in Afrika verantwortlich ist. Übertragen wird der Erreger durch den Stich infizierter weiblicher Anopheles-Mücken.
Im April 2025 warnte die WHO, dass Kürzungen bei der Finanzierung die Fortschritte bei der Malariabekämpfung gefährdeten. In mehr als der Hälfte der untersuchten Länder mit Malariarisiko kam es demnach zu erheblichen Einschränkungen bei den entsprechenden Gesundheitsdiensten.
Eine Studie in der Fachzeitschrift "The Lancet" ergab, dass der Impfstoff RTS,S/AS01 in Pilotprogrammen in Ghana, Kenia und Malawi die Gesamtsterblichkeit unter den impfberechtigten Kindern um 13,2 Prozent senkte.
Eine Krankheit verändert ihr Verbreitungsgebiet
Malaria wird von Mücken vor allem bei Temperaturen übertragen, wie sie in vielen tropischen Regionen West- und Zentralafrikas herrschen. Das zeigt eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht wurde.
Am häufigsten wird der Erreger bei Temperaturen um 25 Grad Celsius übertragen. Bei weniger als 16 oder mehr als 34 Grad Celsius sinkt das Risiko deutlich. Der Grund: Der Malariaparasit muss einen Teil seines Lebenszyklus in der Mücke durchlaufen. Und dieser Prozess hängt stark von der Temperatur ab.
Deshalb waren die Bedingungen für die Malariaübertragung in vielen tropischen Regionen West- und Zentralafrikas bislang besonders günstig. Die Temperaturen liegen dort häufig in dem Bereich, in dem sich der Erreger optimal verbreiten kann.
Anders sieht es in Teilen des südlichen Afrikas und im Hochland Ostafrikas aus. Dort war es bislang oft kühl genug, um die Ausbreitung der Malaria zu bremsen. Die Krankheit wurde deshalb nicht zu einer vergleichbar großen Belastung für die öffentliche Gesundheit.
Doch das ändert sich. Die "Nature"-Studie zeigt, dass steigende Temperaturen Teile des südlichen Afrikas und höher gelegene Regionen Ostafrikas zunehmend für die Malariaübertragung geeignet machen. Gleichzeitig wird es in Teilen Westafrikas zu heiß für eine optimale Übertragung.
Was bedeutet der Klimawandel für Malaria in Afrika?
Der Klimawandel heizt den Kontinent nicht nur auf. Er verändert auch, wo Malaria besonders gut übertragen werden kann, sagt Olugbenga Mokuolu, Professor für Kinderheilkunde an der Universität Ilorin in Nigeria. Westafrikanische Länder wie Nigeria gehören inzwischen zu den Regionen, die "zu heiß für eine optimale Ausbreitung der Malaria" sind.
Das sei allerdings kein Grund zur Freude, sagte Mokuolu der DW. Er berät auch den nigerianischen Gesundheitsminister bei der Bekämpfung und Eliminierung der Malaria. "Eine Welt, die zu heiß für Malaria ist, ist insgesamt keine gute Welt für die Gesundheit von Kindern", sagte er. "Dieselbe Hitze, die für Mücken ungünstig ist, ist für Menschen gefährlich", fügte Mokuolu hinzu. Das Klima sei "nicht der wichtigste Faktor für die Ausbreitung der Malaria. Finanzierung, Resistenzen gegen Medikamente und Insektizide sowie die Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme sind weiterhin wichtiger."
Die Malariabekämpfung in Afrika könnte deshalb "zu einer Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Regionen" werden, sagt Mokuolu. West- und Zentralafrika könnten durch den Klimawandel unbeabsichtigt etwas Unterstützung erhalten. Ost- und Südafrika dagegen, wo die Malariabelastung bislang geringer war, müssten sich auf eine wachsende Bedrohung einstellen. Sie könnte bereits erzielte Fortschritte wieder zunichtemachen
Sind Afrikas Gesundheitssysteme vorbereitet?
Der Klimawandel verändert die geografische Verbreitung von Krankheiten auf dem Kontinent grundlegend, sagt Olumide Idowu, Gründer der International Climate Change Development Initiative, der DW. Viele afrikanische Länder hätten zwar Pläne entwickelt, um sich an den Klimawandel anzupassen. Bei deren Umsetzung hinkten sie jedoch hinter der Geschwindigkeit des Klimawandels zurück.
Afrika trägt vergleichsweise wenig zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Zugleich gehört der Kontinent zu den Regionen, die besonders stark unter dem Klimawandel leiden. Das bedroht Wirtschaft und Infrastruktur – und setzt auch die ohnehin fragilen Gesundheitssysteme unter Druck.
Ohne deutlich mehr "Investitionen im eigenen Land, eine Stärkung lokaler Institutionen und die Verankerung der Gesundheit als zentrale Säule der Anpassung an den Klimawandel" drohten viele afrikanische Länder auf die sich verändernde Verbreitung von Krankheiten nicht ausreichend vorbereitet zu sein, warnt Idowu.
Ausgerechnet die Regionen, die künftig besonders stark betroffen sein könnten, haben heute weniger Erfahrung mit der Malariabekämpfung. Das zeigt die Studie. "Regierungen, Gesundheitssysteme und Gemeinden müssen sich auf diese Entwicklung einstellen", sagt Mokuolu. Dazu gehöre auch, "sich jetzt darauf vorzubereiten, in kühleren Regionen mit zunehmendem Malariarisiko umfassendere und aggressivere Programme zur Malariabekämpfung aufzulegen".
Gleichzeitig müssten die Länder West- und Zentralafrikas ihre Anstrengungen zur Eindämmung und Eliminierung der Malaria fortsetzen, fordert Mokuolu. Resistenzen gegen Insektizide und Medikamente, Finanzierungslücken und schwache Gesundheitssysteme könnten mögliche klimabedingte Rückgänge bei der Malariaübertragung schnell wieder zunichtemachen.
Dieser Artikel ist im Original auf Englisch erschienen.