Kölner Karneval: Trump-Wagen verspottet US-Präsidenten
4. Februar 2026
Der Kölner Rosenmontagszug wird auch in diesem Jahr ein Karnevalsumzug der Superlative sein, der größte in ganz Deutschland. Allein 120 Festwagen sind dabei, darunter auch die sogenannten Persiflage- oder Mottowagen mit ihren großen Pappfiguren. So manchen Politikern und Machthabern wird im Karneval symbolisch der Spiegel vorgehalten, was bedeutet, dass die Missstände in Politik und Gesellschaft humorvoll angeprangert werden. Zugleiter Marc Michelske hat einige der Wagenmotive des Festkomitees Kölner Karnevalvorab vorgestellt.
Donald Trump mit nacktem Hintern
Vier der Motivwagen darf die Öffentlichkeit vorab als Skizzen sehen. Einer der Hauptwagen zeigt Donald Trump, dem tatsächlich ein Spiegel vorgehalten wird. Darin sieht er sich grinsend selbst mit entblößtem Gesäß, und das ist gepflastert mit Kussmündern. "Wir haben uns gefragt, warum buckeln so viele vor Donald Trump und er selbst hatte ja gesagt 'They're kissing my ass‘ ("Sie küssen meinen Hintern", im Zuge der Zollverhandlungen, Anm.d.Red.)," erklärt Michelske im Gespräch mit der DW. "Aus solchen Sätzen und dem Verhalten entwickeln sich einfach Bilder."
Die Kussmünder tragen Namen von Personen und Organisationen, wie etwa EU, Fifa, UNO oder Merz und Macron. "Trump geht - wie bei allen Themen - immer unter die Gürtellinie, sehr niveaulos insbesondere für einen Präsidenten der USA. Und das ist dann eben auch für uns die passende Darstellung für so ein Verhalten", sagt Michelske. Als Zugleiter plant er mit einem Kreativteam die Persiflagen, ist mit vielen Helfern auch zuständig für den Wagenbau und erarbeitet zusammen mit seinem Stellvertreter das Sicherheitskonzept des Umzugs.
Geheimhaltung der Wagen
Das Kölner Festkomitee ist eine der wenigen Karnevalsorganisationen, die ihre teils politischen Wagen vor dem eigentlichen Rosenmontagszug präsentieren. Die Motive im Düsseldorfer Karneval werden dagegen seit dem Jahr 2000 streng geheim gehalten. "Das heißt, alles was wir uns an Gemeinheiten ausdenken, das fährt auch wirklich, und dagegen kann man dann nichts machen", sagte der Wagenbauer und Satiriker Jacques Tilly in einem DW-Interview. Immer wieder wollten Institutionen und Personen mit Zensurverfahren verhindern, dass seine Karnevalswagen auf dem Rosenmontagsumzug in Düsseldorf mitfahren.
Marc Michelske dagegen findet es wichtig, die Wagen vorab vorzustellen: "Das ist kein Geheimnis, und die Dinge müssen der Öffentlichkeit auch vorgestellt und erklärt werden." Das gehöre dazu, meint er. "Damit wir auch sagen können, was wir mit einem solchen Wagen verbinden. Am Rosenmontag ist uns das in der Regel nicht mehr möglich."
Warnung vor der AfD
Während der Wagen mit Donald Trump selbsterklärend ist, hilft eine Erläuterung zum besseren Verständnis beim Wagen mit einer großen blauen Kobra. Er prangert die in Teilen rechtsextremistische Partei AfD (Alternative für Deutschland) an. Dieser Wagen liegt Michelske besonders am Herzen. Die Schlange Kaa aus Rudyard Kiplings "Dschungelbuch" ist im Blau der AfD dargestellt. Sie wickelt einen jungen Menschen ein. "Die Schlange Kaa hat versucht den Jungen Mogli einzuwickeln und zu hypnotisieren und das passiert aus unserer Sicht momentan auch."
Viele Menschen würden sich von den Versprechungen der AfD blenden lassen. "Man muss aber mit diesen Leuten ins Gespräch kommen und darf sie nicht nur anprangern", betont Michelske, "denn Mogli hat es auch nicht alleine geschafft. Wir müssen den Leuten helfen, aus so einer Hypnose herauszukommen, dann gehen wir das Problem wirklich an. Das macht eben Demokratie aus."
Andere Wagen zeigen etwa einen Jungen mit Handy, der einen übergroßen Militärhelm trägt. Eine Anspielung darauf, dass vor allem junge Männer wieder zum Wehrdienst eingezogen werden sollen, ohne dass sie wirklich wissen, was da auf sie zukommt. Eine Guillotine voller Blut, auf der "US Zölle" steht, mit der amerikanischen Flagge als Fallbeil oder ein Hase mit der Aufschrift "EU", der schwere Gewichte trägt unter den Augen der USA (als Adler dargestellt), Russland (als Bär) und China (als Panda). Dazu ein Spruch, dass man es in der EU auch ohne die Mächtigen schaffen werde, all das sind Themen in diesem Jahr.
Kein Wagen zu Putin
Ein Wagen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ist beim Kölner Karnevalszug diesmal nicht vorgesehen. Nicht, weil die Kölner Angst hätten, dass es ihnen wie dem Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tillyergehen könnte, der für seine Putin-Satire vom russischen Staat angeklagt wurde. "Wir erklären uns definitiv mit ihm solidarisch, der Narr muss frei sein." Für diese Angriffe auf die Narrenfreiheit werde Jacques Tilly die richtige Antwort finden, ist Michelske überzeugt. "Wir werden diese Antwort unterstützen, indem wir einfach sagen, er hat den besten Wagen dazu gemacht und so wird es auch sein." Da wolle man Tilly den Vortritt lassen und selbst keine Putin-Wagen gestalten.
Auch die Mainzer Karnevalisten haben sich bereits mit Tilly solidarisch erklärt. "Wir lassen uns weder einschüchtern noch den Humor nehmen. Die närrische Kritik kennt keine Grenzen, und sie lässt sich nicht verbieten", heißt es in einer Erklärung der Mainzer Karnevalsvereine.
Ohne Ehrenamt geht nichts
Das Motto des diesjährigen Kölner-Rosenmontagszugs lautet "Mer dun et för Kölle" (Wir tun es für Köln) und soll die ehrenamtlichen Helfer der Stadt und besonders des Karnevals repräsentieren. Stellvertretend dafür werden 250 ehrenamtliche Sänger und Sängerinnen aus mehr als 30 Kölner Chören aller Generationen sowie ein 50-köpfiges Orchester aus ehrenamtlichen Musiker den Rosenmontagszug Zug einleiten. Auch das eine Vorstellung der Superlative.