Wahlsieg für rechten Kandidaten De la Espriella in Kolumbien
22. Juni 2026
Nach vorläufigen Ergebnissen der Wahlbehörde in der Hauptstadt Bogota kam Abelardo de la Espriella bei der Stichwahl um die Präsidentschaft in Kolumbien am Sonntag auf 49,66 Prozent der Stimmen. Sein linker Kontrahent Ivan Cepeda lag mit 48,70 Prozent rund 250.000 Stimmen zurück.
Cepeda betonte, sein Team wolle die Auszählung der Stimmen überprüfen lassen. Es gehe um die Resultate aus rund 33.000 der insgesamt 122.000 Wahlurnen und damit um rund ein Viertel aller Stimmen.
Trump sendet Glückwünsche
Ungeachtet der Ankündigung von Cepeda feierte De la Espriella seinen Sieg in der Küstenstadt Barranquilla. "Ich werde für alle Kolumbianer regieren, für diejenigen, die für mich gestimmt haben, und für diejenigen, die den anderen Kandidaten gewählt haben", sagte er vor Anhängern.
Zuvor hatte er einen Glückwunsch-Anruf von US-Präsident Donald Trump erhalten, der ihn im Wahlkampf unterstützt hatte. Auch wichtige Wirtschaftsverbände des Landes gratulierten dem Wahlsieger. Trump hat den Einfluss der Vereinigten Staaten in der Region zuletzt ausgebaut, unter anderem durch die Militärallianz "Shield of the Americas" mit rechten Staatschefs.
Ein konservativer Christ
Der 47-jährige Anwalt und Geschäftsmann De La Espriella präsentiert sich als politischer Außenseiter, der noch nie ein politisches Amt bekleidete. Er hat im Wahlkampf ein hartes Vorgehen gegen die Kriminalität und ein Ende der Friedensgespräche mit bewaffneten Gruppen angekündigt. Wirtschaftspolitisch will er den kolumbianischen Öl- und Gassektor fördern, Steuern senken und den Staatsapparat um bis zu 40 Prozent verkleinern. De La Espriella tritt als konservativer Christ auf, seinen Wahlsieg widmete er Gott.
Der 63-jährige Senator Cepeda hatte versprochen, weitreichende Sozialreformen umzusetzen. Dazu gehören staatliche Rentenzahlungen für Arme, von Gewerkschaften unterstützte Arbeitsmarktreformen sowie ein Stopp neuer Ölprojekte. Cepeda wollte damit den Kurs des noch als Präsident amtierenden Linkspopulisten Gustavo Petro fortsetzen, der wegen einer in der Verfassung verankerten Amtszeitbegrenzung nicht erneut antreten durfte.
Von den gut 41 Millionen Berechtigten gingen rund 26 Millionen Menschen zur Wahl. Fast 430.000 Wähler gaben am Sonntag leere Stimmzettel ab. Die in Kolumbien einflussreiche Katholische Kirche hatte im Vorfeld der Stichwahl beide Lager aufgerufen, nach teils heftigen verbalen Attacken gegeneinander "sprachlich abzurüsten" und das Ergebnis und die Institutionen des Landes zu respektieren.
Rechtsruck in vielen Ländern Lateinamerikas
Sollte sich der Sieg von De La Espriella bestätigen, so würde sich der Wahlausgang in einen Rechtsruck einfügen, der aktuell für weite Teile Lateinamerikas kennzeichnend ist: Auch in Chile, Argentinien, Costa Rica, Bolivien und Ecuador wurden zuletzt rechte Präsidenten gewählt, in Peru steht die Konservative Keiko Fujimori vor einem Sieg.
haz/wa (rtr, kna, epd)
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