Kolumbien, Kuba und Mexiko - nächste Ziele von Donald Trump?
8. Januar 2026
Kolumbien: Noch ein Präsident, der schon mal weit übers Ziel hinausschießt
"Kolumbien ist sehr krank und wird von einem kranken Mann regiert, der es liebt, Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen. Das wird er nicht mehr lange machen." Eine Militäroperation in Kolumbien? "Das klingt gut für mich!" (Donald Trump, 4.1.2026)
Die Antwort des angesprochenen Politikers auf die Drohung von US-Präsident Trump ließ nicht lange auf sich warten. Schon häufiger hatte der kolumbianische Präsident Gustavo Petro auf Attacken von Trump oder auch Elon Musk in den sozialen Medien mit aller Kraft zurückgeschossen, auch diesmal feuerte Petro auf der Plattform X aus allen Rohren.
"Jeder Soldat in Kolumbien hat ab sofort einen Befehl: Jeder Kommandant der Sicherheitskräfte, der die Flagge der USA der Flagge Kolumbiens vorzieht, wird auf Befehl der Basis, der Truppe und mir sofort aus der Institution entlassen. Der Befehl an die Sicherheitskräfte lautet, nicht auf das Volk zu schießen, sondern auf den Angreifer", schrieb Petro und forderte Trump auf, "mit den Verleumdungen aufzuhören".
"Der Präsident nimmt die Angriffe sehr persönlich und antwortet deswegen auch mehr als Gustavo Petro, denn als Präsident", sagt die Politikwissenschaftlerin und Professorin an der Universidad de los Andes, Sandra Borda, der DW. "Dabei hat er für diesen provokanten Diskurs nur die Unterstützung von einem Drittel der Bevölkerung, seiner Basis. Die, die nicht links sind und vor allem der Unternehmersektor, der sehr von dem Geschäft mit den USA abhängt, findet Pedros Reaktion dagegen unangemessen. Bei ihnen kam das nicht gut an."
Die USA würden gegenüber Kolumbien "die Zähne fletschen", findet Borda, und das mit Erfolg: In Venezuelas Nachbarstaat nehme man die Drohungen der US-Regierung gegen ihren Präsidenten nach der Verhaftung von Nicolás Maduro viel ernster. Washington hat unter Trump nie einen Hehl daraus gemacht, dass es die linken Regierungen in Südamerika als Dorn im Auge und den Kontinent als Hinterhof der Vereinigten Staaten betrachtet.
In Bezug auf Kolumbien könnte die Strategie sein, einfach auf Zeit zu spielen und auf einen Sieg des ultrarechten, sicherlich USA-freundlicheren Kandidaten Abelardo de la Espriella bei den Präsidentschaftswahlen im Mai zu hoffen. Zwar liegt der linke Kandidat Iván Cepeda in allen Umfragen vorne (Petro darf verfassungsgemäß nicht mehr antreten), doch das rechte Lager ist fragmentiert und könnte in einer möglichen Stichwahl alles daransetzen, Cepeda zu verhindern.
"Ich glaube nicht, dass es tatsächlich zu einem Militärschlag oder einer militärischen Intervention in Kolumbien kommen wird. Aber es wird seitens der USA natürlich gerade schon Einfluss genommen", sagt Stefan Peters, Direktor des deutsch-kolumbianischen Friedensinstitutes CAPAZ in Bogotá, der DW. Schon in Argentinien und Honduras hatte sich Trump am Ende erfolgreich in den Wahlkampf eingemischt. "Allein die Aussage von Trump zu Kolumbien, eher beiläufig in seinem Flugzeug, ist eingeschlagen wie eine Bombe. Und da steckt natürlich Kalkül dahinter."
Mittlerweile scheinen sich die Wogen ein wenig geglättet zu haben. Petro rief Trump an, die beiden Staatschefs telefonierten fast eine Stunde. Der US-Präsident lud seinen kolumbianischen Amtskollegen sogar ins Weiße Haus in Washington ein.
Kuba: Täglicher Überlebenskampf ohne venezolanisches Öl spitzt sich zu
"Sie bekommen ihre ganze Unterstützung von Venezuela. Ich glaube nicht, dass wir etwas tun müssen, es sieht so aus, als würde es einfach fallen." (Donald Trump, 4.1.2026)
Besonders beunruhigt wirkte der kubanische Staatschef Miguel Díaz-Canel zumindest äußerlich nicht gerade, als er auf einer Kundgebung in Havanna vor Tausenden Anhängern den USA "faschistischen Staatsterrorismus" und "imperialistische Barbarei" vorwarf und sagte: "Für Venezuela und für Kuba sind wir bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Nein, ihr imperialistischen Herren, das hier ist nicht euer Hinterhof!"
Für den Kuba-Experten Bert Hoffmann ist Kuba jedoch der große Verlierer nach dem US-Militärschlag in Venezuela. "Die Situation ist eh‘ schon sehr angespannt, der Wegfall des venezolanischen Öls verschärft die Energiekrise noch einmal dramatisch, diese betrugen zuletzt 70 Prozent aller Ölimporte Kubas", so der Politikwissenschaftler am German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg gegenüber der DW. "Es gibt niemanden in Kuba, dem das nicht große Sorgen bereitet, sowohl in der Bevölkerung, als auch der Regierung. Die Krise wird sich also weiter verschärfen."
Bedeutet: Trumps Strategie, Kuba einfach ausbluten und implodieren zu lassen, könnte aufgehen. Schon jetzt sieht der Alltag der Kubaner so aus: stundenlange Stromausfälle, täglicher Kampf um Lebensmittel, Medikamente und Treibstoff, und vergebliches Warten auf Urlauber nach dem massiven Einbruch der wichtigsten Einnahmequelle, dem Tourismus. Die kubanische Regierung versuche jetzt Ersatz für die Öllieferungen aus Venezuela zu finden, so Hoffmann: aus Russland, den arabischen Staaten, Iran oder Algerien.
Die kurzfristige Strategie der Regierung dürfte der in Venezuela ähneln: "Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass die politische Führung alle Anstrengungen unternimmt, um die Reihen so fest geschlossen zu halten, dass die Unzufriedenheit der Bevölkerung letztlich keinen politischen Ausdruck finden kann." Bislang habe der Machtapparat in Kuba große Geschlossenheit gewahrt. "Kommunistische Partei, Militär und Sicherheitsapparat sind eng miteinander verwoben. Und solange dort keine Brüche sichtbar werden, sitzt diese Elite auch relativ fest im Sattel."
Auf große Hilfe aus Russland und China könne Kuba nicht hoffen, denkt Bert Hoffmann. Unterstützung ja, aber nicht bis zu dem Punkt, eine offene Konfrontation mit den USA zu suchen. An eine unmittelbare militärische Intervention der USA glaubt der Kuba-Experte nicht, aber: "Die wirtschaftlichen Druckmaßnahmen können sich noch einmal verschärfen, zum Beispiel mit einer Sanktionierung von Schiffen, die Kuba anlaufen. Aber nach dem, was wir in Venezuela erlebt haben, ist auf mittlere Sicht auch eine volle Seeblockade denkbar."
Mexiko: Die "Trump-Flüsterin" muss alle diplomatischen Register ziehen
"Sie hat große Angst vor den Kartellen", so Donald Trump über die mexikanische Präsidentin Sheinbaum. Mehrfach hätten die USA angeboten, "zu helfen", doch Sheinbaum habe Nein gesagt. "Also müssen wir bezüglich Mexiko etwas unternehmen, weil wir tausende Personen wegen der Drogen, die über den Süden ins Land kommen, verlieren." (Donald Trump, 4.1.2026)
Die linke mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum hat es bislang geradezu meisterhaft verstanden, den US-Präsidenten mit großem diplomatischem Geschick einzuhegen: Nach dem Zollstreit brachte ihr das sogar den Spitznamen "Trump-Flüsterin" ein.
Dementsprechend fiel auch ihre Replik aus: "Ich glaube nicht, dass es eine Invasion geben wird. Ich glaube nicht einmal, dass es etwas ist, das sie ernsthaft in Erwägung ziehen." Trump habe zwar mehrmals darauf bestanden, dass die US-Armee in Mexiko einmarschieren dürfe. "Wir haben sehr entschieden Nein gesagt - erstens, weil wir unsere Souveränität verteidigen, und zweitens, weil es nicht notwendig ist."
"Das schlimmste Szenario ist nicht etwa, dass Trump mit einem Militärschlag in Mexiko droht", heißt es dazu in dem Leitkommentar der größten mexikanischen Zeitung "El Universal". "Das schlimmste Szenario ist, dass es Mexikaner gibt, die anfangen, sich einen solchen Angriff zu wünschen und zu applaudieren."
Dies bringt die Kollateralschäden von Trumps Drohungen in Richtung Kolumbien, Kuba und Mexiko ziemlich gut auf den Punkt. Selbst wenn die USA keines der drei Länder angreifen, was nach aktuellem Stand sehr wahrscheinlich ist, so verfehlen die Einschüchterungsversuche nicht ihre Wirkung in der Gesellschaft und befördern den Rechtsruck in Lateinamerika.
Für Claudia Sheinbaum heißt das: Die mexikanische Präsidentin wird ihren diplomatischen Spagat, selbstbewusst Mexikos Interessen zu vertreten und gleichzeitig den großen Nachbarn nicht zu vergrätzen, unter immer schwierigeren Bedingungen fortsetzen müssen. Erst einmal bis zum 11.Juni 2026. Dann findet in Mexiko-Stadt das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft mit den Ausrichtern Kanada, Mexiko und USA statt. Sicherlich Ehrengast in der Loge: Donald Trump.