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PolitikKolumbien

Gewalt überschattet Präsidentenwahl in Kolumbien

31. Mai 2026

Kolumbien wählt ein neues Staatsoberhaupt. Gewalt, Anschläge und politische Spannungen prägten den Wahlkampf. Drei Favoriten kämpfen um die Nachfolge von Gustavo Petro, der nicht mehr antreten darf.

Kolumbien 2026 | Kombobild - Präsidentschaftswahl | Kandidaten Cepeda, Valencia & De la Espriella (v.l.n.r.)
Sie gelten als die Favoriten: Ivan Cepeda (l.), Paloma Valencia (M.) und Abelardo de la EspriellaBild: Fernando Vergara/AP Photo/picture alliance/Sebastian Barros/NurPhoto/picture alliance/Luis Acosta/AFP

Kolumbien wählt an diesem Sonntag einen neuen Präsidenten. Die Wahl findet vor dem Hintergrund zunehmender Gewalt und großer politischer Spannungen statt.

Rund 41 Millionen Bürger sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Sie bestimmen den Nachfolger von Präsident Gustavo Petro. Der linke Amtsinhaber darf laut Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren.

Präsident Gustavo Petro darf nicht mehr antretenBild: Esteban Vege La-Rotta/Anadolu/picture alliance

Drei Favoriten aus verschiedenen Lagern

Insgesamt treten 14 Kandidaten an, nach aktuellen Umfragen gibt es drei klare Favoriten. Zu ihnen zählen der linke Senator Iván Cepeda aus dem Regierungslager, der den Reformkurs Petros fortsetzen will, sowie die konservative Senatorin Paloma Valencia aus dem Umfeld des früheren Präsidenten Álvaro Uribe, die einen harten Sicherheitskurs fordert. 

Ebenfalls gute Chancen werden dem rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella eingeräumt, der unter anderem für einen schlankeren Staat und ein kompromissloses Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen wirbt.

Anschläge überschatteten den Wahlkampf

Der Wahlkampf wurde zuletzt zunehmend von der schwierigen Sicherheitslage überschattet. Kolumbien erlebe derzeit "eine der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre", sagte die Leiterin des Kolumbien-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Kristin Wesemann. Im Vorfeld der Abstimmung kam es zu einer Reihe von Anschlägen, bei denen mehrere Zivilisten, Soldaten und Polizisten getötet oder verletzt wurden.

Politische Gewalt beschäftigt das Land aber bereits seit längerem: Im Juni vergangenen Jahres wurde etwa der konservative Senator Miguel Uribe Turbay bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Hauptstadt Bogotá angeschossen und erlag später seinen Verletzungen.

Nach Einschätzung der KAS-Expertin haben sich bewaffnete Gruppen in vielen Regionen weiter ausgebreitet. "67 Prozent aller Gemeinden [...] sind den illegalen Netzwerken und Gruppen ausgesetzt", sagte Wesemann. Zugleich seien "die staatlichen Sicherheitsstrukturen extrem geschwächt".

Einem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zufolge erlebte Kolumbien im Vorjahr die schwersten humanitären Folgen bewaffneter Konflikte seit einem Jahrzehnt. Mehr als 235.000 Menschen wurden vertrieben.

Im April wurde ein Sprengstoffanschlag auf einen Bus in Cali, im Südosten des Landes, verübtBild: Edwin Rodriguez Pipicano/Anadolu Agency/IMAGO

Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind.

Petro wollte "totalen Frieden" mit bewaffneten Gruppen

Die Sicherheitslage rückt damit auch in der Bilanz von Petro in den Mittelpunkt. Der erste linke Präsident in der Geschichte Kolumbiens war 2022 mit dem Versprechen eines "totalen Friedens" angetreten und wollte durch Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen die jahrzehntelange Gewalt eindämmen. Ein entscheidender Durchbruch blieb bislang jedoch aus.

Kolumbien: Der lange Weg zum Frieden

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Anhänger der Regierung verweisen dagegen auf soziale Fortschritte. Laut einer Analyse des unabhängigen US-Thinktanks Center for Economic and Policy Research (CEPR) stiegen unter Petro die Sozialausgaben deutlich, der Mindestlohn ging um 75 Prozent nach oben und die Armutsquote sank seit 2022 spürbar. Auch die Arbeitslosigkeit ging zuletzt zurück.

Mehrere Reformprojekte scheiterten jedoch im Kongress oder verzögerten sich. Zudem sorgten zahlreiche Ministerwechsel und in der Öffentlichkeit ausgetragene Konflikte der Regierung immer wieder für Kritik. Auch außenpolitisch trat Petro häufig konfrontativ auf. Sein Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump gilt unter anderem wegen Streitigkeiten über Migration, Abschiebungen und Drogenpolitik als angespannt.

Erst im Februar besuchte Präsident Gustovo Petro US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus in Washington D.C.Bild: Colombia Presidency/Handout/REUTERS

Für einen Sieg in der ersten Runde sind mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen notwendig. Meinungsforscher erwarten eine Stichwahl. Diese wäre dann am 21. Juni.

as/se (dpa, afp, epd)

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