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PolitikKolumbien

Kolumbien wählt ein neues Parlament

8. März 2026

In Kolumbien sind rund 41 Millionen Bürger zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Die Abstimmung ist für die Parteien in dem südamerikanischen Land ein wichtiger Stimmungstest vor der Präsidentenwahl im Mai.

Kolumbien Bogota 2026 | Wahlhelfer richtet Wahllokal vor Parlamentswahlen her
Letzte Vorbereitungen in einem Wahllokal in der Hauptstadt BogotáBild: Fernando Vergara/AP Photo/picture alliance

Die Stimmung in Kolumbien ist seit Monaten aufgeheizt. Der künftige Kongress wird vor dem Hintergrund einer angespannten Sicherheitslage, wachsender Kriminalität, wirtschaftlicher Herausforderungen und einer tiefgreifenden politischen Spaltung gewählt.

Bei der letzten Wahl vor vier Jahren war das linke Regierungsbündnis "Pacto Histórico" von Präsident Gustavo Petro stärkste Kraft im Parlament geworden, kam aber nicht auf eine eigene Mehrheit. Umfragen sehen das Bündnis diesmal erneut vorn.

Präsident Gustavo Petro bei der StimmabgabeBild: Raul Arboleda/AFP

In Kolumbien findet die Parlamentswahl traditionell vor der Präsidentenwahl statt und gibt einen ersten Hinweis darauf, wer da die besten Chancen hat. Die Abstimmung ist also ein Gradmesser für die Stärke von Petros Bündnis kurz vor dem Ende seiner Amtszeit - und dafür, mit welchem politischen Rückenwind dessen Kandidat in das Rennen um seine Nachfolge geht. Der erste linke Staatschef des Landes darf verfassungsgemäß nicht erneut antreten.

Fragmentierter Kongress

Petros Regierung hatte ambitionierte Reformen angekündigt, etwa im Gesundheits-, Arbeits- und Rentensystem. Mehrere dieser Vorhaben sind jedoch im Kongress auf Widerstand gestoßen oder ins Stocken geraten. Die Amtszeit des Präsidenten war zudem von anhaltenden Konflikten mit der Opposition geprägt.

Ein Grund dafür ist die politische Fragmentierung des Kongresses. Mehrere Parteien, die Petro anfangs unterstützten, haben sich inzwischen von der Regierung distanziert. Eine zunehmende Polarisierung erschwert politische Mehrheiten.

Analysten erwarten erneut ein stark zersplittertes Parlament ohne klare Mehrheiten. "Pacto Histórico" dürfte wieder keine eigene Mehrheit erreichen. Die rechtskonservative Partei "Centro Democrático" des früheren Präsidenten Álvaro Uribe könnte erneut zu den stärksten Kräften im Kongress zählen. Uribe selbst kandidiert nach der Aufhebung seiner Verurteilung wegen Zeugenbeeinflussung und Verfahrensbetrug für einen Sitz im Senat. Aber auch traditionelle Parteien wie Liberale und Konservative spielen eine wichtige Rolle, da diese in der Vergangenheit häufig als Mehrheitsbeschaffer fungierten.

Rechtskonservativer Widerpart: Ex-Präsident Álvaro UribeBild: Jaime Saldarriaga/AFP

Der kolumbianische Kongress - das Parlament - setzt sich aus dem Repräsentantenhaus und dem Senat zusammen. Insgesamt werden bei der Wahl 103 Mandate im Senat sowie 183 Sitze im Repräsentantenhaus für die Amtszeit von 2026 bis 2030 vergeben. Der Kongress beschließt Gesetze und Reformen - für seine Vorhaben ist der Präsident daher auf Mehrheiten im Parlament angewiesen.

Verhältnis zu den USA

Beobachter sehen in der Kongresswahl auch einen Hinweis darauf, wie Kolumbien künftig außenpolitisch agieren könnte. Petro hatte einen eigenständigeren Kurs eingeschlagen. Das führte zeitweise zu Spannungen mit den Vereinigten Staaten, einem der traditionell engsten Partner Kolumbiens.

Polizisten kontrollieren am Eingang eines Wahllokals in Silvia die Ausweise der WählerBild: Joaquin Sarmiento/AFP

Mit US-Präsident Donald Trump kam es wiederholt zu Meinungsverschiedenheiten, etwa über den Umgang mit Migration oder Drogenpolitik. Petro übte auch Kritik an der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch das US-Militär. Danach hatte Trump Kolumbien ebenfalls mit einer Militärintervention gedroht. Erst nach einem Treffen im Weißen Haus schlugen beide Politiker wieder versöhnlichere Töne an.

Die Präsidentenwahl findet am 31. Mai statt. Sollte kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erreichen, folgt am 21. Juni eine Stichwahl. Der Wahlkampf ist von Gewalt überschattet. Im Juni vergangenen Jahres war der konservative Senator Miguel Uribe Turbay bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Hauptstadt Bogotá angeschossen worden und später seinen Verletzungen erlegen.

gri/as (dpa, afp)

Redaktionsschluss 17.30 Uhr (MEZ) - Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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