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Kommentar: 1:0 für Thomas Bach

Stefan Nestler9. Dezember 2014

Das IOC verordnet sich eine große Reform. Die Verabschiedung der "Agenda 2020" ist ein erster Erfolg für IOC-Chef Thomas Bach, auf dem er sich aber nicht ausruhen kann, findet DW-Sportredakteur Stefan Nestler.

Thomas Bach bei der IOC-Vollversammlung. Foto: Reuters
Bild: Reuters/E. Gaillard

Seit 15 Monaten ist Thomas Bach der mächtigste Sportfunktionär der Welt. Mit der "Agenda 2020" hat der Deutsche auch begonnen, das IOC wirklich zu steuern und auf seinen Kurs zu bringen. Das Reformpaket trägt Bachs Handschrift. Der 60-Jährige hat erkannt, dass die Olympische Bewegung dringend reformiert werden muss, um einer Olympiaverdrossenheit vorzubeugen. Die Alarmsignale waren überdeutlich, siehe Winterspiele 2022: Olympiabefürworter in München und Graubünden unterlagen bei Abstimmungen im eigenen Land. Bewerber um die Spiele wie Stockholm oder Oslo zogen sich zurück, nachdem sie ihr Projekt ernsthaft durchgerechnet hatten und erkennen mussten, dass die Kosten kaum vermittelbar waren. Am Ende blieben mit Almaty und Peking nur zwei Kandidaten übrig, in deren Ländern die Menschenrechte zuweilen mit Füßen getreten werden

Transparenz ist überfällig

Auch die Winterspiele 2014 - oder eher "Putin-Spiele" - von Sotschi demonstrierten, wohin Olympia driftete: in Richtung gigantischer, megateurer, durch und durch inszenierter Spiele ohne Seele, die auch noch für Propagandazwecke missbraucht wurden. Das IOC tut gut daran, die Preisschraube zurückzudrehen und auf Nachhaltigkeit zu drängen. Nur so kann der Kreis der Olympiakandidaten wieder größer werden. Überfällig ist auch die in der "Agenda 2020" selbst verordnete Transparenz des olympischen Bewerbungsverfahrens. Die tiefe Vertrauenskrise, in der sich der Weltfußballverband FIFA befindet, zeigt, dass die Sportfans die Nase voll haben von selbstherrlichen, teilweise korrupten Funktionären, die Großereignisse auch an undemokratische Staaten vergeben, Hauptsache die Kohle stimmt.

Funktionärsmentalität

Ein wenig zu denken gibt, dass bei der IOC-Vollversammlung in Monaco alle 40 Vorschläge im Eilzugtempo, ohne nennenswerte Debatten und ohne Gegenstimmen durchgingen. Das riecht dann doch wieder ein wenig nach althergebrachter Funktionärsmentalität. Doch eben diese Sportfunktionäre sollen jetzt das ambitionierte Reformprogramm in Realität umsetzen. Bisher steht die "Agenda 2020" nur auf dem Papier. Dass sie verabschiedet wurde, ist zweifellos ein erster Erfolg für IOC-Chef Thomas Bach, doch - in der Sprache des Fußballs - nicht mehr als eine 1:0-Führung. Um nicht am Ende mit 1:2 verlieren, muss Trainer Bach weiter auf Offensive setzen und unter Umständen auch einige Spieler seiner Mannschaft auswechseln, wenn sie nicht ins taktische Konzept passen.

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