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Gesellschaft

Fünf Jahre Franziskus - ein Anfang

13. März 2018

Fünf Jahre ist Papst Franziskus nun im Amt. Er wird bewundert, aber auch kritisiert. Auf jeden Fall ist er ein volksnaher Papst. Er hat die Kirche verändert, meint Christoph Strack.

Bild: Reuters

Der Papst vom "Ende der Welt"... Franziskus selbst hat diese Zuschreibung gewählt. Die im Konklave versammelten Kardinäle hätten den neuen Bischof von Rom "fast am anderen Ende der Welt gesucht", sagte er am Abend des 13. März 2013 bei seinem ersten öffentlichen Auftritt.

Ja, von Buenos Aires nach Rom... Wenige Kardinäle hatten zur Papstwahl eine längere Reise zu bewältigen als dieser argentinische Erzbischof Jorge Mario Bergoglio. Es bleibt zeichenhaft. Die katholische Kirche verabschiedete sich damit von ihrer vielhundertjährigen mitteleuropäischen Prägung, dem so eingespielten Zentralismus.

Franziskus und seine Andersheit

Dafür sorgt Papst Franziskus. Wer schier vom Ende der Welt kommt, der schaut anders auf Zentrale und Zentralismus. Skeptischer, kritischer, gelassener, auch selbstironischer, wenn man denn nun in der Zentrale leben muss. Und dem mittlerweile 81-Jährigen sind andere Enden der Welt nahe. So ernennt er Kardinäle aus Krisenregionen oder von Pazifikinseln, er sucht demonstrativ die Nähe zu den Menschen am Rande, und 2019 veranstaltet er eine eigene Synode zu Amazonien, weil Kirche die Menschen nicht mehr erreicht.

Nach seinem Amtsantritt begeisterte man sich einige Monate lang an der Andersheit des Franziskus im Vergleich zu all seinen Vorgängern der Neuzeit. Seht, der Papst ist auch nur ein Mensch. Dann hielten es viele für Folklore, einige für Narzissmus. All das ist gut (oder auch böse) gemeint, aber es greift zu kurz. Der Schlüsselbegriff des Franziskus ist die "Barmherzigkeit", ein Begriff Jesu, den er aus den kirchlichen Sprechblasen holt und im Leben umgesetzt sehen will. Und geradezu wie ein Prophet berührt Franziskus Menschen am Rande und eben am Ende. Verkrüppelte, Alte, Flüchtlinge, Verzweifelte. Aus der Nähe erlebt sind es Szenen, die sprachlos machen.

DW-Redakteur Christoph StrackBild: DW

Ganz egal, wie viele Jahre Franziskus noch die Kirche führen wird - er wird sie beseelt und zutiefst verstört zurücklassen. Wenn sie "Heil" für die Menschen sein will und nicht nur für ein Häuflein Aufrechter, muss sie sich ändern. Dann wird ihr der Mann vom Ende der Welt zum Anstoß für einen neuen Anfang. Ein "zurück" wird es eh nicht geben. Im Vergleich zu Franziskus wirkt es geradezu wie eine Satire, dass jener Kurienkardinal, der für Sakramente und Liturgie verantwortlich ist, derzeit einen Feldzug gegen die Handkommunion führt und wieder zur Mundkommunion zurückkehren will. Franziskus geht es um den Hunger nach diesem Brot, um die Hungrigen. Formale Fragen sind nicht die Sicht dieses Papstes.

Der drastische Mahner 

Dabei sei klar gesagt: Franziskus ist kein Reformer, der Wertvolles einfach billig verscherbeln wird. Er ist weder konservativ noch liberal, er ist weder rechts noch links. Jenseits aller Schubladen versucht er, im Zentrum des Glaubens zu sein. Und er hat nichts dagegen, wenn er dort Schulter an Schulter mit einem orthodoxen Juden, einer lutherischen Bischöfin oder einem Muslim steht.

Für die Politik weltweit bleibt dieser Franziskus ein drastischer Mahner. Seine politischen Ansprachen sind oft Ermutigungen, aber sie sind auch dunkel und drastisch. Seine Auftritte im Europaparlament und -rat in Straßburg, vor dem US-Kongress in Washington oder der UN-Generalversammlung in New York bleiben Sternstunden harter politischer Gegenrede. Mehrfach, ja oft hat Franziskus davon gesprochen, es vollziehe sich "eine Art Dritter Weltkrieg".

Deutlicher kann man kaum werden, um das Leid von Millionen Menschen in Konflikten weltweit oder krasse soziale Brüche anzuprangern. Auch da treibt ihn die Barmherzigkeit. Eben weil er auf seine Art eine sehr geistliche Gestalt ist, ist er stets auch politisch. Vom Ende der Welt hat er diese Botschaft ins Zentrum gebracht.

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