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Na endlich - Die Frauenquote ist da

Dagmar Engel26. November 2014

Eigentlich ist damit alles gesagt, findet Dagmar Engel. Da der Begriff "historisch" fällt bei dem, was die Regierungskoalition da vereinbart hat, verliert sie doch ein paar Worte mehr.

Symbolbild Frauenquote Weibliche Führungskräfte
Bild: picture-alliance/dpa/T. Brakemeier

Es wurde Zeit. Es geht nicht so weiter, dass Männer in Deutschland die gesamte Last der Verantwortung in den Aufsichtsräten tragen müssen. Dass sie allein schuld daran sind, wenn Banken die ganze Welt in eine Krise stürzen, wenn Unternehmen ins Trudeln geraten, wenn Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren. Es wird Zeit, dass Frauen ihren Teil der Last übernehmen. So anrührend es ist zu sehen, wie sich Männer in den Chefetagen mit beiden Händen an den Ledersesseln festklammern, um Frauen vor dieser Last zu schützen - das müssen sie jetzt endlich nicht mehr tun. Und niemand kann ihnen den Vorwurf machen, sie hätten schwächlich freiwillig losgelassen, sondern sie werden gesetzlich dazu gezwungen.

Dagmar Engel ist Chefredakteurin im Hauptstadtstudio Berlin der DWBild: DW/S. Eichberg

Mittelmäßigkeit statt Mittelmäßigkeit

Bei dem Parforceritt auf der Schnecke Richtung Gleichberechtigung ist in der Wirtschaft tatsächlich die erste Hürde genommen. Die Frauenquote zwingt rund 100 Unternehmen, die ihren Aufsichtsrat ab dem übernächsten Jahr turnusgemäß neu besetzen müssen, dazu, insgesamt 233 Frauen für einen der Posten zu finden. Gut 80 Millionen Menschen leben in Deutschland, die Hälfte von ihnen ist weiblich - da scheint diese Aufgabe lösbar. Zur Frage der Eignung empfiehlt sich der Blick in die Lebensläufe amtierender Aufsichtsräte. Und die alte Erkenntnis, dass Gleichberechtigung erst dann erreicht ist, wenn mittelmäßige Männer durch gegebenenfalls genauso mittelmäßige Frauen ersetzt werden.

Beginn eines Kulturwandels

Die Frauenquote in ihrer jetzt beschlossenen Form gilt zunächst nur für einen kleinen Kreis. Aber diese Elite beeinflusst und entscheidet: Vergabe von Vorstandsposten, Arbeitswelten, Unternehmenskultur. Der Mensch neigt dazu, ihm Gleiches zu fördern. Das machen Männer schon immer so. Und da Frauen nicht die besseren Menschen sind, werden sie es auch tun und ihrerseits Frauen nachziehen. Die kritische Masse, um die Zusammensetzung in Unternehmen und Organisationen auf verschiedenen Ebenen nachhaltig zu verändern, liegt bei 30 Prozent. Ab dann ist eine Quote überflüssig, dann kann das Gesetz weg. Das Gesetz leite einen Kulturwandel ein, sagt die deutsche Familienministerin. Optimistische Frauen braucht das Land - auf allen Ebenen.

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