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Rassismus - Amerikas Schande

Soric Miodrag Kommentarbild App
Miodrag Soric
19. Juni 2015

Der Amoklauf eines Weißen in einer Kirche für Schwarze zeigt ein doppeltes Dilemma der USA: Rassismus und Waffenbesitz. Für die Weltmacht ist das ein Armutszeugnis - und eine Bedrohung, warnt Miodrag Soric.

Bild: picture-alliance/AP Photo/D. Goldman

Was ist das für ein Land, in dem der Präsident gegenüber einer Lobby praktisch ohnmächtig ist? Präsident Obama forderte nach der Bluttat von Charleston noch nicht einmal explizit schärfere Waffengesetze wie etwa früher bei vergleichbaren Taten. Er weiß: Die mächtige US-Waffenlobby wird dafür sorgen, dass alles bleibt, wie es ist. Fast jeder in den USA kann sich für kleines Geld große Gewehre besorgen und damit Menschen töten.

Was ist das für ein Land, in dem politisch motivierte Gewaltverbrechen mit zweierlei Maß gemessen werden. Wäre der Täter von Charleston Muslim, würde jeder in Amerika selbstverständlich von einer „terroristischen“ Tat sprechen. Nicht hier. Wenn ein weißer Rassist - und Rassismus scheint das Tatmotiv gewesen zu sein - schwarze Christen in einer Kirche niedermetzelt, meiden US-Politiker und Medien das Wort "Terrorismus". Vielmehr sprechen sie von einem "mental instabilen" Mann, von einem "Verrückten".

DW-Korrespondent Miodrag Soric

Was ist das für ein Land, in dem die angebliche Freiheit so weit geht, dass der Tatbestand der Volksverhetzung geduldet wird. Auch in South Carolina. Dort sind mindestens 16 Gruppen von Rassisten ("Suprematists") aktiv, die die angebliche Überlegenheit der weißen Rasse predigen. Der Klu-Klux-Klan und sein krankes Gedankengut leben weiter in den USA. Wer Amerikaner darauf anspricht, bekommt meist ein Achselzucken zu sehen. Mehr nicht.

Dabei sind es diese rassistischen Ideen, die Täter wie Dylann R. inspirieren. Es sind die laxen Gesetze, die es ihm leicht machen, eine Waffe zu besitzen. Es ist die Korruption und Gier in Washington, die verhindern, dass der Kongress seiner Verantwortung gerecht wird - und die Waffenlobby in die Schranken weist.

Die USA können ein wunderbares Land sein. Die Menschen sind gastfreundlich, freiheitsliebend, auf eine geradezu naive Art und Weise patriotisch. Amerika ist oft die letzte Hoffnung für die Armen und Flüchtlinge aus aller Welt. Auch heute noch. Doch wenn das Land weiter prosperieren soll, muss es sich ändern. Der Rassismus darf nicht weiter wachsen. Er zerstört den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft. Rassismus ist kein Kavaliersdelikt. Er darf nicht weiter verharmlost werden: in den Familien, in den Schulen, in der Politik und auch nicht bei der Polizei.

Niemand versteht das besser als Barack Obama. Doch selbst der mächtigste Mann der Welt kommt hier an seine Grenzen, scheint ohnmächtig.

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