1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

Kommentar: Eiskaltes Kalkül

DW Nachrichten TV Oliver Sallet
Oliver Sallet
19. August 2019

Mit seinem Kaufangebot für Grönland rüttelt Präsident Trump einmal mehr an der Nachkriegsordnung des Westens. Dabei geht es ihm vor allem um geopolitischen Einfluss in der Arktis, meint Oliver Sallet.

Schmelzender Gletscher: Unter den grönländischen Eismassen befinden sich wertvolle BodenschätzeBild: M. Osman/Woods Hole Oceanographic Institution

Am menschengemachten Klimawandel hat US-Präsident Donald Trump bekanntlich so seine Zweifel. Doch wenn es um Grönland geht, dürfte ihm die Eisschmelze derzeit vor allem das Gemüt erwärmen.

Denn hinter Grönland liegt die Arktis und damit eine der wenigen noch unerschlossenen Weltregionen mit großem, wirtschaftlichem Potenzial.

Es liegt auf der Hand, dass es dem Präsidenten mit seinem Kaufangebot um Bodenschätze geht und die sind dank Klimawandel und schmelzender Eismassen bald noch besser zugänglich. Das weiß sogar Klimawandelleugner Trump - und macht keinen Hehl daraus, dass die USA im Wettlauf um die Arktis künftig gerne die Nase vorn hätten.

Es geht um die geopolitische Dominanz der Vereinigten Staaten

Oliver Sallet ist DW-Korrespondent in Washington Bild: DW

Zu den Arktisanrainern zählen neben den USA, Norwegen und Dänemark nämlich auch Trumps Rivalen Russland - und sogar China. Der Führung in Peking fehlt zwar arktisches Territorium, den Anspruch auf die Polregion untermauert das aufstrebende China jedoch unmissverständlich, indem es sich als "arktis-nahen" Staat bezeichnet.

Klar ist, es geht hier um mehr als einen Immobilienerwerb. Im Wettlauf um Bodenschätze und Schifffahrtswege spiegelt sich der geopolitische Reigen alter und werdender Hegemonien um eine neue Weltordnung. Es geht Donald Trump um nichts weniger als um amerikanische Dominanz in der Arktis - und das eben im Wettlauf mit den Rivalen Russland und China.

Die Idee Grönland amerikanisch zu machen ist dabei mitnichten neu: 1946 versuchte es Präsident Harry S. Truman schon einmal. Dänemark lehnte damals, wie heute, dankend ab. Und ein Blick in die Geschichtsbücher verrät, dass auch Alaska, Louisiana und die Virgin-Islands gegen Bezahlung amerikanisch wurden. "Make America Great Again" - warum sollte das nicht doch irgendwann auch für Grönland gelten?

Trump stellt die Nachkriegsordnung in Frage

Doch seit 1946 sind nicht nur sieben Jahrzehnte vergangen. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste die Nachkriegsordnung, vor allem unter amerikanischer Führung, noch geformt werden. Inzwischen verbindet die gemeinsame NATO-Mitgliedschaft den Westen, darunter auch Dänemark, mit den USA. Das gemeinsame Militärbündnis war ein Garant für Frieden und Multilateralismus.

Doch jetzt macht China den USA die Weltmacht streitig und Präsident Trump trägt seinen Teil dazu bei. Seit seiner Amtseinführung rüttelt er an den Grundfesten des westlichen Gefüges, betreibt das Auseinanderbrechen der Europäischen Union, stellt den Sinn der NATO in Frage, sucht die Nähe zu Despoten und meidet die alten Partner im Westen.

Das Kaufangebot für Dänemark mag ein Tabubruch sein - doch es passt in die Weltsicht des US-Präsidenten.

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen