Konfliktgefahr im Pazifik: USA sanieren alte Fliegerhorste
28. März 2026
In der Nacht um 1:37 Uhr Ortszeit startete von einem Flugplatz mitten im Pazifik ein Kampfflugzeug der US-Luftwaffe. An Bord des B-29-Bombers "Enola Gay" (Artikelfoto) befand sich die erste Atombombe, die Stunden später über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen wurde. Das war am 6. August 1945.
Der legendäre Flugplatz liegt auf der Insel Tinian, die heute zum Inselstaat Commonwealth der Nördlichen Marianen gehört. Mit vier Start- und Landebahnen galt er einst als der verkehrsdichteste Luftwaffenstützpunkt der Welt. Nach dem Krieg wurde er im Jahr 1947 aufgegeben. Der tropische Dschungel eroberte den auf der Insel mit etwa 3500 Einwohnern gelegenen Flugplatz wieder zurück.
2023 haben US-Ingenieure im Auftrag ihrer Regierung angefangen, die 2.400 Meter langen Landebahnen zu wieder instand zu setzen. Und Tinian ist nicht der einzige Ort: Auch auf der Insel Peleliu, die zu Palau gehört, fanden Sanierungen statt.
Diese Landebahnen waren in der Endphase des Zweiten Weltkriegs auf abgelegenen Inseln im Pazifik errichtet worden, um das imperialistische Japan anzugreifen. 80 Jahre später werden sie - still und leise - wieder repariert um neue Herausforderungen im Asienpazifik zu meistern.
China als Bedrohung
"China ist die große Sorge in der Region", sagt Dan Pinkston, Professor für internationale Beziehungen am Campus Seoul der Troy University und ehemaliger Offizier der US-Luftwaffe. "Diese Arbeiten scheinen eine Reaktion darauf zu sein, dass China seine Kapazitäten in der Region ausbaut."
China habe bereits die Kontrolle über viele abgelegene Inseln in den umstrittenen Gewässern im Südchinesischen Meer übernommen, so Pinkston weiter. Neue Inseln mit zivilen und militärischen Anlagen seien gebaut worden, wie auf den umstrittenen Inselgruppen der Spratly und Paracel - auf Chinesisch Nansha und Xisha. Der militärische Aufstieg habe die Nachbarländer und US-Verbündete wie Japan, Südkorea und die Philippinen beunruhigt. Schließlich wolle China Waffengewalt nicht ausschließen, um die selbstverwaltete Insel Taiwan zurückzugewinnen. "Peking hat große Ambitionen", sagt Pinkston.
China will Inselketten durchbrechen
"Die politischen Entscheidungsträger in China sind entschlossen, die erste und zweite Inselkette in Pazifik zu durchbrechen, um uneingeschränkten Zugang zum Pazifik zu erhalten", so Pinkstone weiter. Die erste und zweite Inselkette sind im politischen Fachjargon geostrategische Begriffe für eine virtuell gezogene Linie zwischen den Inseln im Pazifik. Taiwan ist zum Beispiel Teil der ersten Inselkette, die den Zugang der Volksrepublik China zum Pazifik einschränkt. Guam befindet sich auf der zweiten Inselkette. "Die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft dieser Flugplätze durch die USA ist eine Vorbereitung auf weitere mögliche Eskalationen."
Über die Einzelheiten zu den Arbeiten an den Stützpunkten auf Tinian und Peleliu ist nur wenig bekannt. Analysten gehen davon aus, das US-Militär wolle mehr Optionen und Ausweichflugplätze für andere Stützpunkte haben und die militärischen Kapazitäten diversifizieren. Die größten sind der Andersen Air Force Base im Norden von Guam und der Kadena Air Base auf der japanischen Insel Okinawa.
Stärkung der zweiten Inselkette
Die Landebahn auf Peleliu war ursprünglich von Japan im Zweiten Weltkrieg gebaut worden, bevor sie das US-Militär besetzte. Später diente die 1800 Meter lange Bahn, die nördlich der Hauptinsel von Palau auf der zweiten Inselkette liegt, als lokaler Flughafen. Allerdings konnte er nur von Kleinflugzeugen genutzt werden, bis 2024 die US-Bauingenieure eintrafen. Im Juni 2024 landete auf dem renovierten Flugplatz als erstes ein KC-130-Tankflugzeug des US-Herstellers Lockheed, das ein maximales technisches Startgewicht von 80 Tonnen hat.
"Vor zehn Jahren waren die USA sehr damit beschäftigt, ihre Stützpunkte im Nahen Osten auf einen möglichen bewaffneten Konflikt auszurichten. Und nun, da dieser eingetreten ist, scheint ihnen bewusst geworden zu sein, wie anfällig ihre Flugplätze und die dazugehörige Infrastruktur für einen potenziellen Krieg im Asienpazifik sind", sagt Garren Mulloy, Professor für Internationale Beziehungen an der Daito Bunka University und Spezialist für militärische Fragen.
"Wir wissen auch, dass China in dieser Zeit im Indopazifik zunehmend an Einfluss gewonnen hat, was Washington meiner Meinung nach zunächst schockierte, da die Regierungen diesen Raum zuvor immer als ihren Hinterhof betrachtet hatten und davon ausgingen, dass niemand es wagen würde, sie hier herauszufordern", sagt Mulloy im DW-Interview.
Zu einem funktionierenden Stützpunkt gehören eine Start- und Landebahn im guten betrieblichen Zustand. Die Beläge müssen zuerst erneuert werden. Hinzu kommen die Taxiways und befestigte Abstellflächen für Flugzeuge, um sicherzustellen, dass diese nicht im schlammigen Boden der warm-feuchten Inseln versinken. Der Zugang zu Strom- und Wasserversorgung ist ein weiteres Muss. Unterirdische Treibstofftanks und gehärtete Schutzräume für Flugzeuge, Waffen und andere Vorräte wären dann wünschenswert.
Derzeit weder Radar noch Raketen
Zu solchen Stützpunkten gehören zudem Radar- und Verteidigungswaffensysteme gegen Luftangriffe. Das US-Militär bestätigte der DW im Jahr 2024, dass derzeit Untersuchungen zur Standortwahl und zum Betrieb von Patriot-Raketenabwehrsystemen durchgeführt würden. Derzeit seien auf den Inseln aber weder Radar noch Raketen vorhanden, doch das Fundament werde nun für die Installation vorbereitet, so Mulloy.
"Die größte unmittelbare Bedrohung für die USA in der Region ist China. Wir können auch nie sicher sein, was Nordkorea tun wird. Und es ist deswegen sinnvoll, Notfallpläne für die eigenen Streitkräfte zu haben", sagt Mulloy. Schon 2017 hatte das Regime in Pjöngjang angekündigt, einen "sorgfältigen Plan" für den Einsatz seiner atomwaffenfähigen Hwasong-12-Mittelstreckenraketen auszuarbeiten. Diese Rakete soll eine Reichweite von 4500 Kilometer haben. Damit wäre Nordkorea in der Lage, die Andersen Air Force Base auf Guam anzugreifen.
"Sollte es in der Region - auf der koreanischen Halbinsel oder über die Taiwanstraße hinweg - zu einem größeren Konflikt kommen, wäre Andersen ein naheliegendes Angriffsziel eines Konfliktgegners der USA. Daher ist es eine gute Strategie, über eine Reihe alternativer Einrichtungen in der gesamten Region zu verfügen", sagt Mulloy. "Außerdem sind diese Standorte strategisch so gelegen, dass die USA im Falle eines Notfalls Truppen und Material schnell und effektiv ins Einsatzgebiet verlegen können."
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan