Kongo: Ebolafieber steigt in Rekordschnelle
14. August 2026
Die Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich weiter aus. Nun wächst die Sorge, die lebensbedrohliche Infektionskrankheit könnte auf die Hauptstadt Kinshasa überspringen, in der rund 19 Millionen Menschen leben.
Im Fall eines Gesundheitsalarms in der Hauptstadt wären Kapazitäten für die Isolation von Patienten vorhanden, sagt Jean-Jacques Muyembe, Generaldirektor des Nationalen Instituts für Biomedizinische Forschung (INRB), gegenüber der DW.
"Wenn es einen Verdachtsfall gibt, sind die epidemiologischen Dienste sowie das Labor des INRB bereit, Fälle schnell zu erkennen. Das Gesundheitsministerium hat das Cinquantenaire-Krankenhaus so eingerichtet, dass es gegebenenfalls Patienten aufnehmen und vollständig isolieren kann. Wir sind vorbereitet. Wir können einen Ebola-Ausbruch hier in Kinshasa schnell eindämmen."
Ebolavirus breitet sich rasant aus
Das Ebolafieber breitet sich jedoch schneller aus, als die Gesundheitsbehörden das Virus eindämmen können. Laut Tedros Adhanom Ghebreyesus, Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), könnte der Ausbruch bei seinem rasanten Anstieg den westafrikanischen Ebola-Ausbruch von 2014 bis 2016 überholen.
Damals starben 11.000 Menschen. Die aktuelle Epidemie hat bereits 2000 Menschen das Leben gekostet - mehr als 4300 Fälle sind registriert. Den Ausbruch gaben die Behörden offiziell am 15. Mai bekannt. Die ersten Menschen dürften sich aber schon im Februar angesteckt haben.
Das Zentrum des Ausbruchs befindet sich in der nordöstlichen Provinz Ituri, die von Unsicherheit und einer großen Zahl von Binnenflüchtlingen geprägt ist. Viele andere Fälle gibt es in den Provinzen Nord- und Südkivu, in denen die Sicherheitslage ebenfalls ein großes Problem ist.
Der Ausbruch geht auf den seltenen Bundiyugyo-Stamm des Virus zurück, für den noch kein Impfstoff und keine Behandlung zugelassen ist. Das hat die Reaktion auf die Epidemie zusätzlich erschwert. Die WHO geht davon aus, dass der Höhepunkt des derzeitigen Ausbruchs erst in sechs Monaten erreicht werden wird.
Wachsende Unruhe auch in Kinshasa
Mit jedem Tag wächst auch bei Menschen in Kinshasa, rund 2000 Kilometer entfernt vom Epizentrum, die Angst, sich mit dem Virus anzustecken. Vor einer Woche schien die Bedrohung besonders nah, als ein Boot etwa 65 Kilometer flussaufwärts von Kinshasa im Hafen von Maluku gestoppt wurde. Der Verdacht, Passagiere hätten sich mit Ebola angesteckt, lag nahe: Ein Passagier war zuvor in der Provinz Mongala mit den typischen Symptomen Fieber und Durchfall von Bord gegangen und kurz darauf verstorben.
Mehr als 200 Passagiere wurden isoliert. Teams des Gesundheitsministeriums und der WHO testeten sie mit Hilfe eines mobilen Labors. Das Ergebnis bei allen war negativ.
Doch in der Millionenmetropole Kinshasa sorgte das nicht für Entwarnung. Über Diagnose und Isolierung hinaus stellt die Aufnahmekapazität eine der größten Herausforderungen in Kinshasa dar. Das Zentrum für Notfalleinsätze im Bereich der öffentlichen Gesundheit (COUSP) plant jedoch, seine Kapazitäten weiter auszubauen.
Im Cinquantenaire-Krankenhaus sind Notfallvorbereitungen getroffen worden: "Wir haben zwanzig Betten dafür eingerichtet. Diese Kapazitäten sind jedoch flexibel und können auf 200 bis 250 Betten erweitert werden", sagt Christian Ngandu, Koordinator des Krankenhauses, zur DW.
"Wir prüfen derzeit die Möglichkeit, zusätzliche Betten bereitzustellen. Wir haben mehr als 120 Personen aus verschiedenen Einrichtungen geschult, darunter die Krankenhäuser Vijana, Sino-Congolais, Kinkole, Kintambo und Cinquantenaire. Diese Fachkräfte sind in der Lage, jeden möglichen Ebola-Fall zu behandeln."
"Unangenehme Überraschungen" vermeiden
Nach Ansicht von Carlos Mupili, Präsident des Obersten Rates der Zivilgesellschaft, reicht diese Ausstattung jedoch nicht aus. Er fordert die Behörden auf, mehr Mittel bereitzustellen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
"Zwanzig Betten sind in dieser Stadt unbedeutend, und ein einziges Krankenhaus reicht nicht aus. Mehrere Gesundheitseinrichtungen hätten mobilisiert werden müssen, um wirksam vorzubeugen", sagt er zur DW.
Die Behörden müssten zügig handeln, notwendige Mittel bereitstellen, "damit wir nicht überfordert werden und nicht gezwungen sind, überstürzt Entscheidungen zu treffen."
Bislang gibt es in Kinshasa keinen einzigen Ebola-Fall, betont Professor Christian Ngandu. Die Mobilität der Bevölkerung zwischen den verschiedenen Provinzen verdeutlicht jedoch die Notwendigkeit einer verstärkten Überwachung dieser Krankheit.
Noch immer würden zu wenige Kontaktpersonen von Infizierten nachverfolgt, um den Ausbruch zu stoppen, sagte WHO-Chef Tedros in seiner Warnung vor einem Rekordanstieg der Krankheit.
Es sei besorgniserregend, wie viele Tote nach wie vor in ihren Gemeinden sterben, ohne zuvor auf den Ebola-Kontaktlisten registriert worden zu sein. Die meisten Infektionen würden von unbehandelten Patienten im späten Krankheitsstadium ausgehen - oder von Begräbnissen.
Personalbedarf geht in die Tausende
"Der Ausbruch hatte einen großen Vorsprung und ist uns nach wie vor weit voraus. Wir versuchen nun, diesen Rückstand aufzuholen", sagte er. Um die Infektionsketten zu unterbrechen, müssten künftig 95 Prozent aller Kontakte von Betroffenen erfasst werden, statt nur 80 Prozent wie bisher.
Außerdem sei es notwendig, Tausende zusätzliche Menschen im Gesundheitsbereich auszubilden und die Zahl der Betten zur Behandlung auf 3000 zu verdreifachen, sagte er laut Medienberichten.
Das Virus wird durch Körperkontakt und Körperflüssigkeiten übertragen und löst ein hochansteckendes Fieber mit Durchfall und Blutungen aus. Seit Anfang Juli läuft die klinische Testung zweier antiviraler Therapieverfahren, und auch an Impfstoffen wird geforscht.
Bislang seien im Kongo keine gefährlichen Mutationen an dem Virus beobachtet worden, sagte vor Kurzem Sylvie Briand, die leitende Wissenschaftlerin der WHO. Ursachen für die rasche Ausbreitung seien vielmehr die starken Bevölkerungsbewegungen und anhaltende Gewalt in betroffenen Gebieten, sowie soziale und wirtschaftliche Faktoren.