Kopfschütteln über Rumänisch-Orthodoxe Kirche
4. September 2003Bonn, 3.9.2003, 1152 GMT, DW-radio / Rumänisch, George Arun
Am Sonntag (31.8.) haben in der rumänisch-orthodoxen Kathedrale von Curtea de Arges vier rumänisch-orthodoxe Priester das Sippenoberhaupt der Zigeuner von Costesti zum "Internationalen König der Roma" geweiht. Mit bürgerlichem Namen hieß der ‚König‘ noch bis gestern Ilie Stanescu. Die Veranstaltung fand in der Kirche der rumänischen Königsfamilie statt. Dort sind erst im Dezember die sterblichen Überreste von König Carol II. beigesetzt worden.
Einer der Priester verlas ein "kaiserliches Krönungsdekret", das der Kaiser der Zigeuner, Iulian, erlassen hatte. Letzteren bezeichnete ein anderer Herrscher der Zigeuner, König Cioaba, der natürlich ein Gegner von Kaiser Iulian ist, gegenüber der rumänischen Presse als heruntergekommen und arm wie eine Kirchenmaus.
Über die Farce berichtete die Bukarester Presse ausführlich. Hier ein Auszug (...) aus dem "Krönungsdekret", das von einem der hochwürdigen orthodoxen Priester in der Kathedrale von Curtea de Arges verlesen wurde: "Aufgrund eines kaiserlichen Dekrets wurde mit Zustimmung des Wiener Hofs und in Übereinstimmung mit dem Thronrat und dem Gewohnheitsrecht der weltweit 78 Millionen Roma in Rumänien und in der Diaspora das höchste Amt des Internationalen Königs seiner Majestät Stanescu Badea Ilie aus Costesti-Rumänien verliehen."
Bisher hat kein Kirchenführer der Rumänisch-Orthodoxen Kirche auch nur ein Wort über den Kuhhandel verloren, der vor dem heiligen Altar der Kathedrale von Curtea de Arges stattfand und an dem vier Priester beteiligt waren. Nach einem Bericht der Zeitung "Evenimentul zilei" ("Tagesereignis" – MD) haben die Priester nichts weiter getan als eine "Anordnung der Führungsetage" ausgeführt. Natürlich kam die Anordnung nicht von Jesus, sondern von einem Kirchenvertreter, der Hirte des Bistums Arges und Muscel ist.
Was spielt sich da ab bei vielen - viel zu vielen - rumänisch-orthodoxen Priestern und vielen Führern der rumänischen Orthodoxie, der der Selige Patriarch Teoctist vorsteht? (...) Meine Antwort darauf lautet: Dieser Kampf, den orthodoxe Priester oft mit unerlaubt weltlichen Mitteln führen und dabei alle möglichen politischen Bündnisse eingehen, um Gläubige zurückzugewinnen und um zu erreichen, dass die Rumänisch-Orthodoxe Kirche - zum Nachteil aller übrigen Kirchen - in Rumänien ihren Status als "Staatskirche" wiedererlangt – dieser Kampf ist meiner Ansicht nach der Grund für alle Fehltritte, die zur Zeit im Zeichen des heiligen Kreuzes begangen werden. (...)
Die Manipulation von Menschen, die an Gott glauben, deren Glaube aber von einigen Priestern, die zu Wahlhelfern geworden sind, missbraucht wird, hat der herrschenden Partei und dem "Freidenker" Ion Iliescu (Rumäniens Präsident – MD) Millionen Stimmen gebracht.
Ganz neu ist, dass für eine Handvoll Silberlinge – vielleicht auch für mehr, denn Berichten zufolge besteht allein die Königskrone des Sippenoberhaupts der Zigeuner von Costesti aus einem Kilogramm reinem Gold – unsere Priester bereit sind, den Kuhhandel nicht mehr vor dem Zelteingang, sondern vor dem Altar stattfinden zu lassen. Und in der Kirche hüllen sich alle in Schweigen. (me)