Kosovo hat wieder eine Regierung
12. Februar 2026
Kosovos Parlament hat den bisherigen Interims-Regierungschef Albin Kurti wieder zum Ministerpräsidenten gewählt. Für den 50 Jahre alten Sozialdemokraten stimmten 66 der 120 Abgeordneten, 49 gegen ihn.
Die Abstimmung wurde auf der Webseite des Parlaments in Pristina live übertragen. Zusammen mit dem Regierungschef wählte das Parlament auch das neue Kabinett, der 19 Ministerinnen und Minister angehören.
Eine Milliarde Euro für die Verteidigung
Zuvor hatte Kurti in einer Rede vor den Abgeordneten angekündigt, innerhalb der nächsten vier Jahre eine Milliarde Euro in die Verteidigung zu investieren. Das schaffe die Grundlage für eine Vergrößerung der Streitkräfte, die Anschaffung moderner Waffen und den Einstieg in die eigene Produktion von Kampfdrohnen. Kosovos Rüstungsindustrie soll unter anderem mit einer neuen Munitionsfabrik gestärkt werden.
Kurti bekleidet das Ministerpräsidentenamt durchgängig seit März 2021. Im Jahr davor war er für einige Monate Regierungschef. Zuletzt war er fast ein Jahr lang nur geschäftsführend im Amt. Die von Kurti geführte Partei Vetevendosje (VV), auf Deutsch: Selbstbestimmung, ging zwar aus der Parlamentswahl im Februar 2025 als stärkste Kraft hervor - die Bildung einer Koalition gelang jedoch nicht.
Im Dezember gab es deshalb Neuwahlen in dem Balkanstaat. Die VV ging mit einem erheblichen Stimmenzuwachs als Sieger hervor. Im Parlament verfügt die Kurti-Regierung mit ihren 57 VV-Abgeordneten und den Mandatsträgern der Parteien der nicht-serbischen ethnischen Minderheiten nun über eine solide Mehrheit.
Die Zeit drängt: Ein neues Staatsoberhaupt muss gewählt werden
Das Parlament steht jedoch vor einer weiteren Herausforderung: Laut der Verfassung muss bis spätestens 4. März ein neuer Staatspräsident in Kosovo gewählt werden. Dazu ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Abgeordneten erforderlich. Nach der aktuellen Sitzverteilung ist Kurti dabei auf die Unterstützung der Opposition angewiesen. Falls dies nicht funktionieren sollte, würden wieder Neuwahlen drohen.
Das überwiegend von Albanern bewohnte Kosovo war früher eine Provinz Serbiens. 2008 erklärte sich das kleine Land mit seinen 1,8 Millionen Einwohnern für unabhängig.
Mehr als 100 Länder, darunter Deutschland, erkannten die Unabhängigkeit an, nicht aber Serbien und Russland. Auch einige Staaten der Europäischen Union betrachten das Land, in dem mit Euro bezahlt wird, weiter als Teil Serbiens.
se/AR (dpa, kna, rtr, afp, ap)