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Kriege, Brände, El Niño und der Welthunger

Nik Martin
31. Juli 2026

Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten haben die weltweite Lebensmittelversorgung bislang nicht lahmgelegt. Kommt jedoch ein starkes Wetterphänomen wie El Niño hinzu, vervielfachen sich die Risiken.

Ein Bauer pflügt ein Reisfeld am National Paddy Day trotz Monsun-Verzögerung in den Vororten von Kathmandu
In Asien fürchten Reisbauern die Auswirkungen von El Nino ganz besonders.Bild: Navesh Chitrakar/REUTERS

Das El-Niño-Phänomen, das in diesem Jahr möglicherweise Rekordstärke erreicht, verstärkt sich derzeit im Pazifik und bringt entweder Dürre oder Überschwemmungen in die wichtigsten landwirtschaftlichen Regionen der Welt. Bereits Anfang des Monats sagte die US-Behörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration), die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen in diesem Jahr "sehr stark" ausfallen könnte, läge bei 63 Prozent.

Unterdessen warnte JP Morgan in der vergangenen Woche, dass El Niño in Kombination mit einem Ölpreis von 100 US-Dollar die Lebensmittelinflation um bis zu 1,5 Prozent in die Höhe treiben könnte.

Kommt ein Super-El-Niño mit weltweiten Fluten und Dürren?

05:48

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Das Auftreten von El Niño folgt auf zwei große Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten. Diese beiden Konflikte haben die weltweite Lebensmittelversorgung nicht für lange in Bedrängnis gebracht. Könnte eine dritte, dann gleichzeitig auftretende Krise, dann zu einer nicht mehr steuerbaren Belastung führen?

Dreifacher Schlag

Russlands Krieg in der Ukraine lastet weiterhin auf einer der weltweit wichtigsten Getreideexportregionen. Wiederholte Angriffe auf Häfen und Ackerflächen bedrohen eine der wichtigsten "Kornkammern" des Planeten und den Export des Getreides durch das Schwarze Meer.

Der Konflikt im Nahen und Mittleren Osten, also zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits, hat die Energie- und Düngemittelpreise in die Höhe getrieben. Das hat die Kosten für die Lebensmittelproduktion weltweit erhöht und zu vorübergehenden Lieferengpässen bei wichtigen Bodennährstoffen geführt.

Es wird erwartet, dass El Niño, das weltweit Niederschlags- und Temperaturmuster verändert, aktuell stark ausfallen wird. Die Weltbank warnte kürzlich, die Reisproduktion in den betroffenen Regionen könne um 20 Prozent bis 50 Prozent zurückgehen.

Maximo Torero, Chefökonom der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), warnte vor einem "kumulativen Effekt", der bis Jahresende zu einer "sehr komplexen Situation" führen könnte. "Wir sind sehr besorgt über El Niño und die Verzögerung des Monsuns ... in Indien", sagte Torero gegenüber der DW.

El Niño könnte den indischen Monsun, der für den Reisanbau in Südasien eine ganz entscheidende Zeit ist, abschwächen und verzögeren. Bereits im Juni fielen laut Medienberichten rund 40 Prozent weniger Niederschläge als üblich.

Indien produziert fast ein Drittel der weltweiten Reismenge, wobei der überwiegende Teil davon im eigenen Land konsumiert wird. Neben Südasien sieht die FAO die größten Risiken durch El Niño in der afrikanischen Sahelzone, im südlichen Afrika, in Südostasien sowie im "Trockenkorridor" Mittelamerikas. Die UN-Ernährungsorganisation warnte diesen Monat, dass in einigen dieser Regionen in den kommenden Monaten eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent für Dürreperioden besteht.

Lebensmittelproduktion auf Rekordniveau

Trotz der geopolitischen Spannungen liegen die Lebensmittelpreise laut dem FAO-Lebensmittelpreisindex weiterhin fast 20 Prozent unter ihrem Höchststand von 2022. Im vergangenen Jahr wurde weltweit die größte Getreideernte der Geschichte eingefahren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Landwirte größere Flächen bewirtschafteten, das Wetter günstig war und die Erträge pro Fläche höher ausfielen.

Auch wenn die diesjährige Ernte voraussichtlich etwas geringer ausfallen wird, dürfte sie immer noch die zweitgrößte in der Geschichte sein. "Wir beobachten Verbesserungen bei der landwirtschaftlichen Produktivität", sagte Simone Bunse, leitende Forscherin am Stockholmer Friedensforschungsinstitut (SIPRI), gegenüber der DW und nannte Indien sowie Lateinamerika als wichtige Beispiele. "Diese Fortschritte haben dazu beigetragen, die Lebensmittelproduktion aufrechtzuerhalten und Unterernährung zu verringern. Sie wirken zudem einigen der lokal begrenzten Auswirkungen von Konflikten entgegen."

Millionen Menschen hungern

Kriege stellen ein großes Hindernis bei der weltweiten Bekämpfung des Hungers dar. Nach Angaben der UN sind weiterhin 266 Millionen Menschen von akutem Hunger betroffen. Bei mehr als die Hälfte von ihnen sind bewaffnete Konflikte die Ursache.

Die schlimmste Lage herrscht in einer Handvoll von Konflikten betroffener Länder, in denen Hilfsgüter die bedürftigen Menschen nicht erreichen können. Unter ihnen sind die Demokratische Republik Kongo, der Sudan und der Jemen.

Dürre im südlichen Afrika: In Simbabwe durchsucht ein Landwirt trockenes Maisstroh nach ViehfutterBild: Jekesai Njikizana/AFP/Getty Images

Weltweit werden genügend Kalorien produziert, um alle Menschen zu ernähren", erklärte Torero. "Diese Kalorien sind jedoch nicht gleichmäßig über die Welt verteilt, und genau darin liegt die Herausforderung." Denn Kriege zerstören häufig lokale Nahrungsquellen, führen zur Vertreibung von Millionen Menschen, beschädigen die Infrastruktur und schränken den humanitären Zugang massiv ein.

In einigen Krisengebieten wie dem Sudan und dem Gazastreifen wird Hunger Experten zufolge zunehmend als Waffe eingesetzt. "Die Konfliktparteien zerstören gezielt Ackerland, Viehbestände, Wassersysteme, Lebensmittellager und Transportwege. Sie gefährden den Marktzugang und behindern humanitäre Hilfe", sagte Bunse vom SIPRI gegenüber der DW.

Landwirte unter Druck

Ein weiteres Risiko für die weltweite Lebensmittelversorgung ist Düngemittel; rund ein Drittel davon wird normalerweise durch die Straße von Hormus transportiert. Der Schiffsverkehr in dieser Meerenge ist nach wie vor stark beeinträchtigt - bedingt durch das Scheitern einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sowie durch Angriffe auf Schiffe im Roten Meer.

Einige Landwirte zahlen inzwischen deutlich mehr für Düngemittel, schieben Käufe auf oder stellen auf Kulturen um, die weniger Dünger benötigen. Sollten sie letztlich weniger düngen, könnten die Erträge bei der nächsten Ernte darunter leiden.

Experten für Ernährungssicherheit gehen davon aus, dass allein der Nahostkonflikt bis 2030 Millionen weitere Menschen in den Hunger treiben könnte - und diese Prognose berücksichtigt noch nicht einmal die Auswirkungen von El Niño. Da die Temperaturen im Pazifik voraussichtlich um 3,6 Grad Celsius steigen werden - fast doppelt so stark wie beim El-Niño-Ereignis von 2015/2016 -, prognostiziert die Klima-Denkfabrik Berkeley Earth nun, dass das diesjährige Wetterphänomen das stärkste seit Beginn der Aufzeichnungen sein wird.

Sollten die Ölpreise erneut über die Marke von 120 Dollar pro Barrel klettern, die Getreideexporte aus der Ukraine erfolgreich blockiert werden oder das Wetterphänomen El Niño die Ernten des kommenden Jahres stärker beeinträchtigen, könnte Experten zufolge weltweit ein drastischer Anstieg des Hungers drohen.

Träten all diese Szenarien gleichzeitig ein, wären die Auswirkungen sehr gravierend: JP Morgan prognostiziert für diesen Fall, dass die Lebensmittelinflation im Jahr 2027 die Marke von fünf Prozent überschreiten können. Das würde die Schwellenländer am härtesten treffen.

Dieser, mit Unterstützung von Daniel Winter erstellte Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert.

Rekordhitze und Extremwetter: Können wir uns noch anpassen?

42:36

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