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Politik

Kritische indische Journalistin erschossen

6. September 2017

In Sachen Pressefreiheit belegt Indien einen der hinteren Plätze. Der Mord an der regierungskritischen Journalistin Gauri Lankesh zeigt erneut, wie gefährlich unabhängige Berichterstattung inzwischen geworden ist.

Gauri Lankesh
Bild: twitter/gaurilankesh

Die 55-jährige Gauri Lankesh wurde auf ihrem Heimweg am Eingangstor ihres Hauses in Bengaluru (früher Bangalore) aus nächster Nähe von Unbekannten auf einem Motorrad erschossen, wie der Polizeichef der südlichen Millionenstadt, T Suneel Kumar, mitteilte. Über Aussehen und Motive der Täter sei bislang nichts bekannt. Ein Zusammenhang zu ihrer bisherigen journalistischen Tätigkeit und ihrer Ermordung scheint aber nahe zu liegen. Lankesh war die Herausgeberin einer lokalen Wochenzeitung und hatte kritisch über Indiens hindu-nationalistische Regierungspartei BJP sowie deren Vertreter im Bundesstaat Karnataka geschrieben. Sie war im vergangenen Jahr für einen solchen Bericht wegen Verleumdung zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Zuletzt war sie auf Kaution frei.

Tatort der ermordeten Gauri Lankesh Bild: Getty Images/AFP/M. Kiran

Landesweites Entsetzen

Der Mord löste Entsetzen in indischen Medien aus und gehörte zu den meist erwähnten Themen auf Twitter in Indien. Landesweit kam es zu spontanen Protesten von Journalisten. Aktivisten werfen den Hindu-Nationalisten vor, zunehmend gegen kritische Journalisten und Intellektuelle vorzugehen. Indien belegte im jüngsten Pressefreiheits-Index der Organisation Reporter ohne Grenzen unter 180 Ländern den 136. Platz. Auch in Sachen Aufklärung und Ahndung von Gewalt gegen Reporter ist Indien kein Vorzeigeland. Laut " Committee to Protect Journalists" gab es in den 27 Fällen der seit 1992 ermordeten Journalisten bislang keine einzige Verurteilung.

bri/djo (dpa,rtr)