"Kroaten werden durch Polen ersetzt"
5. April 2004Zagreb, den 5.4.2004, VECERNJI LIST, kroat.
Slowenien wird mit dem EU-Beitritt am 1. Mai seinen Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer aus den neuen Beitrittsländern öffnen. Zusätzliche Begrenzungen werden für Arbeitnehmer aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien eingeführt. Ersten Vorhersagen zufolge werden die Kroaten auf slowenischen Baustellen und in der Landwirtschaft durch Polen ersetzt.
Slowenische Arbeitgeber schätzen Arbeitnehmer aus Kroatien sehr – insbesondere für Saisonarbeiten in der Landwirtschaft. An Arbeitsbörsen werden sie bevorzugt, sogar vor den inländischen Arbeitskräften. Die neuen Regelungen sind die Folgen eines Beschlusses der alten EU-Mitglieder, nach dem Slowenien nach seinem EU-Beitritt freie Beschäftigung untersagt und eine Übergangszeit für die Freizügigkeitsregelung zu bestimmen ist. Die Slowenen werden auch weiterhin in der EU eine Arbeitserlaubnis benötigen, und die Freizügigkeitsregelung wird lediglich unter den neuen Mitgliedsländern gelten. Slowenien hat daher drei Beschäftigungsmodelle für Ausländer ausgearbeitet und für Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Staaten Quoten eingeführt. Dieses Jahr bekommen Arbeitgeber für 17 100 Arbeitnehmer aus diesen Ländern die Arbeitserlaubnis (39 527 im Vorjahr), darunter auch die für Saisonarbeit. Im vergangenen Jahr arbeiteten in Slowenien 6 877 Kroaten, 19 100 Staatsbürger aus Bosnien-Herzegowina, 6 521 aus Serbien und Montenegro, 3 571 aus Mazedonien sowie 577 aus den neuen EU-Mitgliedstaaten und über 2 000 aus den übrigen Ländern.
Neben der zahlenmäßigen Beschränkung werde zudem als Voraussetzung eingeführt, dass eine Saison-Arbeitserlaubnis nur Unternehmen erhalten könnten, die im Vorjahr regelmäßig Beschäftigte gehabt hätten, erklärt der Dienstleiter für die Beschäftigung von Ausländern beim Arbeitsamt, Miha Sepec. Diese Neuerung trifft das Bauwesen am meisten, weil slowenische Unternehmen aus dieser Branche im vergangenen Jahr ihre Arbeitnehmer nicht regelmäßig beschäftigt haben. Sie beauftragten vielmehr Leihfirmen, deren Saisonarbeiter die Arbeiten für sie ausführten. Die Folgen bekommen außerdem auch die Leihfirmen – vornehmlich aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien - zu spüren, weil sie vom Verbot am meisten betroffen sind. (md)