Kuba erlebt erneut kompletten Stromausfall
22. März 2026
In Kuba ist es binnen weniger als einer Woche zu einem zweiten landesweiten Stromausfall gekommen. Es habe eine "vollständige Abschaltung" des nationalen Stromsystems stattgefunden, teilte das kubanische Energieministerium am Samstagabend mit. Es sei mit der Wiederherstellung der Stromversorgung begonnen worden. Erst Anfang der Woche hatte der vorherige Stromausfall nach mehr als 24 Stunden beendet werden können.
Auslöser der aktuellen Abschaltung des Stromsystems sei eine Störung in einem Aggregat eines der fossil befeuerten Kraftwerke des Landes gewesen, teilte die kubanische Energiebehörde mit. Das habe eine "Kaskadenwirkung" gehabt. Mikro-Stromnetze seien aktiviert worden, um kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser und Wasseraufbereitungsanlagen mit Strom zu versorgen.
Ohne Öl kein Strom
Auf Kuba ist die veraltete Infrastruktur aufgrund mangelnder Wartung in schlechtem Zustand. Durch ein von US-Präsident Donald Trump verhängtes Ölembargo hat sich die Lage zudem dramatisch verschlechtert. Die Stromversorgung ist von Öl abhängig, und das Land hat seit drei Monaten keine Erdöllieferungen mehr aus dem Ausland erhalten.
In den Straßen Havannas herrschte am Samstagabend größtenteils Dunkelheit. Einige Fußgänger nutzten ihre Mobiltelefone als Leuchten oder Taschenlampen.
"Das wird langsam unerträglich", sagte die 64-jährige Ofelia Oliva der Nachrichtenagentur AFP. "Es ist noch nicht einmal eine Woche vergangen, seit wir eine ähnliche Situation erlebt haben." Auch der 36-jährige Taxifahrer Nilo López beklagte die Zustände: "Ich frage mich, ob wir unser ganzes Leben lang so weitermachen müssen, denn so kann man nicht leben."
Ohne Strom verderben die knappen Lebensmittel
In dem Land mit knapp zehn Millionen Einwohnern verschärfen häufige Stromausfälle und Treibstoffmangel die ohnehin bereits seit Jahren dramatischen Lebensbedingungen der Bevölkerung. Ohne Energie verderben die wenigen verfügbaren Lebensmittel im Kühlschrank. Die Telefon- und Internetverbindung bricht ständig ab. Krankenhäuser müssen ihre Leistungen kürzen. Der Unterricht an Schulen und Universitäten fällt aus. Aufgrund des Kraftstoffmangels sammelt sich der Müll auf den Straßen, weil eine Müllentsorgung nur eingeschränkt möglich ist.
Selbst die Botschaft der Vereinigten Staaten ist von den Stromausfällen betroffen. Die kubanische Regierung hatte zuletzt einem Bericht der Zeitung "Washington Post" zufolge der US-Vertretung eine Einfuhr von Diesel für Generatoren verweigert. Die Botschaft nehme "schamlos" ein Privileg für sich in Anspruch, das die USA dem kubanischen Volk verwehrten, hieß es.
Washington und Havanna führen vertrauliche Gespräche
Seit der Revolution 1959 unter dem linken Revolutionsführer Fidel Castro sind die Beziehungen zwischen den Regierungen in Washington und Havanna angespannt. Die kommunistische Regierung Kubas führt die Wirtschaftskrise des Landes auf das seit mehr als 60 Jahren bestehende Handelsembargo der USA sowie auf das aktuelle Ölembargo zurück.
Schon vor dem US-Militäreinsatz in Venezuela im Januar hatte Präsident Trump eine vollständige Blockade für sanktionierte Öltanker mit Lieferungen von Kubas südamerikanischen Verbündeten angeordnet. Auch durch Zolldrohungen an potenzielle Lieferanten schnitt er Kubas Ölzufuhr ab.
Trump versucht, wirtschaftliche und politische Veränderungen auf der Insel zu erzwingen und hat eine Übernahme Kubas durch die USA angedeutet. Zugleich führen beide Länder Gespräche, deren Inhalt nicht bekannt ist. Die Führung in Havanna hat Änderungen am politischen System des Karibikstaates ausgeschlossen.
fab/AR (dpa, afp)