Kuba und die USA - eine wechselvolle Beziehungsgeschichte
26. März 2026
Er könne mit Kuba machen, was er wolle, hat Donald Trump Mitte März verkündet. Er wäre nicht der erste US-Präsident mit solchen Expansionsgelüsten, weiß der Historiker Michael Zeuske, Professor am Center for Dependency and Slavery Studies der Universität Bonn. "Schon Mitte des 19. Jahrhunderts haben die USA ihre Hand nach der Insel ausgestreckt", sagt er.
Kuba ist nicht zu verkaufen
Damals ist Kuba noch Kolonie der europäischen Großmacht Spanien. 1820 erklärt Thomas Jefferson, ehemaliger US-Präsident der noch jungen Vereinigten Staaten, man solle die erste Möglichkeit nutzen, Kuba den USA einzuverleiben.
Was John Quincy Adams, Außenminister unter James Monroe, drei Jahre später zu der Äußerung veranlasst: "Es gibt Gesetze der physikalischen wie der politischen Schwerkraft - und so wie ein im Sturm vom Baum gerissener Apfel keine andere Wahl hat, als zur Erde zu fallen, so kann auch Kuba, wenn gewaltsam aus seiner widernatürlichen Verbindung mit Spanien gelöst und unfähig, sich selbst zu schützen, nur der Schwerkraft der Nordamerikanischen Union folgen, die kraft desselben Naturgesetzes Kuba nicht von ihrem Busen stoßen kann."
1848 bietet James K. Polk, der elfte US-Präsident, den Spaniern 100 Millionen Dollar für Kuba, aber angeblich lässt die Kolonialmacht die USA wissen, man wolle die Insel lieber im Meer versenken. Spanien will an einer seiner wenigen verbliebenen Kolonien in Übersee festhalten. Nur sechs Jahre später entwerfen US-Diplomaten ein geheimes Dokument: Man habe das Recht, sich Kuba mit Gewalt zu nehmen, falls Spanien sich weiter weigern sollte, die Insel zu verkaufen. Doch auch daraus wird nichts.
Der "Apfel" ist reif
All diese Pläne basierten auf der sogenannten Monroe-Doktrin. Darin hatte Präsident James Monroe den europäischen Kolonialmächten 1823 die Botschaft geschickt: "Amerika den Amerikanern."
Augenscheinlich ging es um die Souveränität der jungen Nation in Nord- und Südamerika; doch die USA waren längst selbst auf Expansionskurs. Und lag es nicht nah, endlich den Apfel zu pflücken, der gerade mal 160 Kilometer entfernt von Florida, also quasi vor der eigenen Haustür lag?
Der spanisch-amerikanische Krieg
1898 bietet sich endlich ein Vorwand, die Insel zu übernehmen. Die Kubaner kämpfen seit Jahren erbittert darum, das spanische Kolonialjoch abzuschütteln. Washington zeigt starke Militärpräsenz im Land, die Botschaft: Wir schützen unsere Bürger, die hier vor Ort sind. Und so ankert wochenlang der US-amerikanische Panzerkreuzer USS Maine im Hafen von Havanna.
Am 15. Februar 1898 gibt es eine gewaltige Explosion, die den Rumpf des Schiffes aufreißt. Es sinkt innerhalb von Minuten. War ein Schwelbrand schuld, der die Munitionskammer erreichte? Oder haben die Spanier das Schiff torpediert, wie die USA behaupten? "Belegt ist das nicht, es gab nie einen Beweis, dass es ein Anschlag war", sagt Zeuske. Die Vereinigten Staaten erklären Spanien den Krieg.
Kuba wird zum Quasi-Protektorat
Der dauert nur knapp vier Monate und endet mit der Niederlage Spaniens, das seine letzten großen Kolonien verliert: Puerto Rico, Guam, Philippinen und - Kuba. Auf der karibischen Insel haben jetzt die Vereinigten Staaten das Sagen. Dass Kuba kein US-Bundesstaat wird, hat es vor allem dem US-Senator Henry Moore Teller zu verdanken. Er agiert in Washington gegen die Annexion Kubas; wohl auch, damit die kubanische Zuckerernte nicht mit der seines Heimat-Bundesstaats Colorado konkurriert.
Unabhängig wird Kuba trotzdem nicht. Die USA wollen ihre Truppen nicht abziehen, wenn die neue Regierung nicht einem Zusatz namens "Platt-Amendment" zustimmt. "Sie mussten ihn in ihre Verfassung schreiben", so Zeuske. Der Zusatz definiert die künftigen Beziehungen der beiden Staaten. Was konkret heißt: Die USA dürfen in der Außenpolitik, in der Staatsverschuldung und im Gesundheitswesen mitreden, militärisch intervenieren und vor Ort Marinestützpunkte bauen. Guantanamo existiert noch heute.
Am 20. Mai 1902 endet die US-Militärbesatzung, die Republik Kuba bekommt ihren ersten eigenen Präsidenten. De facto aber bleibt Kuba ein Quasi-Protektorat des großen Nachbarn im Norden, wobei es den USA vor allem um Wirtschaftsinteressen geht. 1926 sind rund 60 Prozent der kubanischen Zuckerindustrie in US-amerikanischer Hand, außerdem investieren Geschäftsleute aus den USA ihr Geld massiv in Hotels, Bars und Casinos in Havanna.
Der lange Arm der Mafia
Vor allem ab 1920, als zuhause in den USA die Prohibition ausgerufen wird, kommen die Touristen in Scharen. Und kurz darauf auch die Mafia. Man ist nahe genug an den USA, aber weit genug entfernt, um dem langen Arm des FBI zu entwischen.
Havanna wird zur Weltstadt des Glückspiels, des Drogen- und Waffenhandels, der Geldwäsche und der Prostitution. Die Millionengewinne verschwinden in den Taschen der US-Mafia und des Batista-Clans. Diktator Fulgencio Batista versteht sich bestens mit Mafia-Boss Meyer-Lansky, der sein enger Geschäftspartner und inoffizieller Berater wird.
Die kubanische Revolution und ihre Folgen
Doch während die einen immer reicher werden und sich vergnügen, hungert die Bevölkerung - 1953 unternimmt Fidel Castro mit Aufständischen einen ersten Putschversuch, der brutal niedergeschlagen wird. Danach führt die "Bewegung des 26. Juli" einen Guerillakrieg, der damit endet, dass Batista 1959 flieht.
"Am Anfang suchte Castro noch ein gutes Verhältnis zu den USA", sagt Zeuske - aber dort sei man nicht daran interessiert gewesen, mit dem sozialistischen Umstürzler zu verhandeln. Zumal Castro die Enteignung von Raffinerien und Zuckerrohrplantagen in US-Besitz anordnet und sich der Sowjetunion annähert.
1960 verhängt Präsident Dwight D. Eisenhower ein Handelsembargo gegen Kuba. 1961 versuchen Exilkubaner mit verdeckter Unterstützung der CIA in der Schweinebucht zu landen, um Fidels Regime zu stürzen. Sie scheitern kläglich. Kuba hat die USA öffentlich bloßgestellt: "Fidel, campeón, te comiste el tiburón!", riefen die Menschen in den Straßen Havannas, "Fidel, Du Held, Du hast den Hai gefressen". Die Aktion treibt Castro noch mehr in die Arme der Russen. Vor der Haustür der USA entsteht ein tropischer Sowjet-Satellit.
Als die Sowjetunion 1962 dann Atomraketen auf Kuba stationiert, steht die Welt am Rande einer atomaren Katastrophe - bis die Russen die Waffen abziehen, weil die US-Amerikaner im Gegenzug garantieren, nicht militärisch auf Kuba zu intervenieren. Castro eliminieren wollen sie trotzdem: zunächst mit Auftragskillern. Als das nicht klappt, experimentiert der Geheimdienst mit vergifteten Zigarren, einem bakterienverseuchten Taucheranzug und einer mit Sprengstoff gefüllten Muschel. Beim kubanischen Volk sorgen die US-Anschläge auf Castro dafür, dass sich die Menschen nur noch mehr hinter ihren Staatschef stellen.
Ist Kuba "ready to fall"?
Zwei Mal sieht es später so aus, als würden sich beide Länder einander annähern: Unter den US-Präsidenten Jimmy Carter und Barack Obama gibt es Phasen der Entspannung. Doch Donald Trump dreht das Rad zurück
Nachdem er Anfang Januar verkündete, Kuba sei "ready to fall" und dem Land den Ölhahn abdrehte, ergänzte er im März vor laufenden Kameras: "Ich glaube, ich werde die Ehre haben, Kuba einzunehmen." Kubas Replik kam sofort: Kuba sei ein souveräner Staat, so der kubanische Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossio gegenüber dem US-Senders NBC News. "Kuba wird es nicht akzeptieren, ein Vasallenstaat oder ein von einem anderen Staat abhängiges Land zu werden."
Einfach ist die Lage auf der Insel nicht. Seitdem nach Trumps Militärschlag gegen Venezuela kein Öl mehr von dem befreundeten Staat ins Land kommt, bricht die Energieversorgung regelmäßig zusammen. Die Touristen bleiben aus, der Müll stapelt sich auf den Straßen, die Lebensmittel verderben, weil der Kühlschrank nicht läuft.
"Was die Führung betrifft, was das Militär betrifft, was die Kontrolle des Territoriums betrifft, ist Kuba eine extrem harte Nuss", sagt Zeuske. "Auf der anderen Seite sind die Leute furchtbar unzufrieden mit ihrer Regierung, vor allen Dingen mit den Stromabschaltungen. Die Lage wird immer desolater. Viele junge Leute wollen nur noch weg."