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Kunst gegen den Weltuntergang

Bernd Sobolla23. August 2012

Zwei Berliner Filmemacher stemmen sich gegen eine Maya- Prophezeiung - und rufen Menschen zum Mitmachen auf. Jeder soll seinen persönlichen Grund angeben, warum die Welt nicht untergehen darf.

Lilly Engel mit Kamera (Foto: Philipp Fleischmann)
Bild: Philipp Fleischmann

Weltuntergangsszenarien gibt es reichlich. Aber nur wenige sind so bekannt und Angst einflößend wie eine alte Ankündigung der Maya: "Am 21. Dezember 2012 schlägt der letzte Tag der Erde" - so lautet die Prophezeiung des mittelamerikanischen Volkes. Das hat zwei Berliner Filmemachermacher zu einem ungewöhnlichen Projekt inspiriert. Lilly Engel (großes Bild) und Philipp Fleischmann drehen gerade unter dem Titel "99 Gründe warum die Welt nicht untergehen darf" einen Film zum Thema. Und sie drehen nicht allein. Engel und Fleischmann haben im Internet eine Seite eingerichtet (www.99gruende.de), auf der jeder eine ganz persönliche Film-Botschaft formulieren darf. Die Fragestellung ist denkbar einfach: Warum lohnt es sich zu leben? Warum darf die Welt nicht untergehen?

Wie bereitet man sich auf die Apokalypse vor?

Philipp FleischmannBild: Philipp Fleischmann

Menschen auf der ganzen Welt sollen so zu Wort kommen. Um eine möglichst weltumspannende Sicht der Dinge zu zeigen, sind alle Interessierten aufgerufen, Kurzfilme bis zu einer Länge von drei Minuten zum Thema zu drehen. Auf der Web-Seite werden diese Clips dann freigeschaltet. Parallel dazu reisen Lilly Engel und Philipp Fleischmann derzeit durch Deutschland, Frankreich und Kanada. Auch sie stellen immer die gleichen Fragen: Welche Gründe gibt es für die Erhaltung von Mutter Erde? Aber auch: Bereitet sich jemand auf den Tag der Apokalypse vor? Und wenn ja: Wie? "Es geht darum, die unterschiedlichsten Menschen auf der ganzen Welt zu Wort kommen zu lassen, die alle ihre persönlichen Geschichten erzählen, warum für sie das Leben lebenswert ist", erläutert Philipp Fleischmann die Intention.

Dabei werden auch Prominente befragt. Neben dem deutschen Regisseur Klaus Lemke beispielsweise auch der derzeit bekannteste Filmregisseur aus Deutschland in Hollywood, Roland Emmerich. Das ist natürlich kein Zufall. Emmerich gilt als erfolgreicher "Katastrophenfilmer". Der Regisseur zelebrierte in weiser Voraussicht das Ende der Welt bereits vor zwei Jahren in seinem Film "2012". Mit viel Erfolg: 200 Millionen Dollar kostete der Kino-Tsunami und spielte anschließend rund 760 Millionen Dollar ein: Es lebe der Weltuntergang!

Roland EmmerichBild: picture-alliance/dpa

Unterschiedliche Reaktionen

Ganz so epochal ist der Film von Lilly Engel und Philipp Fleischmann nicht angelegt. Bei ihren Dreharbeiten auf ihren Reisen haben die beiden bisher vor allem ganz "normale" Bürger aufgesucht und befragt. In Deutschland sind ihnen Leute begegnet, die Nahrungsvorräte horten und Bunkerplätze gemietet haben. Zeigen sich die Deutschen relativ empfänglich für Weltuntergangsszenarien, sieht es im optimistischen Frankreich anders aus. Bisher stießen die Filmemacher dort meist auf ein freundliches, unverständiges Kopfschütteln, wenn sie nach den Vorbereitungen zum Weltuntergang fragten. Viele Franzosen verstanden die Frage gar nicht. Demnächst fliegen Engel und Fleischmann nach Kanada, um in der Neuen Welt nach Erhaltenswertem zu suchen.

Als reinen Jux sieht Phillip Fleischmann das Filmprojekt nicht. Denn er betont: "Es wird nicht ein Film über den Weltuntergang, sondern gegen den Weltuntergang werden: humorvolle, humanistische, liebevolle Unterhaltung". Verspielt und anekdotisch will er die Weisheiten der Maya und die eigenen Alltagsbeobachtungen gegenüber stellen. "Es gilt dem Unvermeidbaren mit Hoffnung zu begegnen. Die Welt darf sich ruhig noch ein bisschen weiter drehen". Andererseits appelliert er an alle Leute, die sich an dem Filmprojekt beteiligen: "Ernsthaft darüber nachzudenken, was das Leben für mich persönlich lebenswert macht, heißt ja nicht, dass daraus ein ernster Clip entstehen muss." Die Wahl des Themas ist jedenfalls völlig frei. Ist es die Liebe zu einem Menschen, die zählt, ein Bild oder ein Buch, das man für alle Zeiten erhalten möchte, oder einfach nur die Dönerbude an der Ecke, die das Leben schmackhaft macht.

Bild: www.99gruende.de

Denkwürdiger Sendeplatz

Wenn das Filmmaterial belichtet ist, wird ausgewählt. Eigene Sequenzen werden dann mit den Kurzfilmen der User in aller Welt zusammenmontiert. Auch für Filmmusik ist schon gesorgt. Die wird unter anderem von Mark Lanegan kommen, der als Sänger und Songwriter für den düster-depressiven Sound der Band "Screeming Trees" verantwortlich ist. Lanegan wird für den Film ebenso vor die Kamera treten wie die Schlagzeug-Legende Pete York. Das Endergebnis kann sich dann jeder anschauen. Der Fernsehsender ARTE hat schon mal einen Sendeplatz für das ungewöhnliche Filmprojekt freigeräumt: den 21. Dezember, jenen Tag, an dem - laut Maya-Prophezeiung - die Welt untergehen wird.

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