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Landtagswahl: Wie geht es Sachsen-Anhalt wirtschaftlich?

Dirk Kaufmann
31. August 2026

Die AfD beklagt schon seit Jahren und auch jetzt im Wahlkampf, das Bundesland sei abgehängt - stimmt das? Ein Blick auf die Zahlen.

Deutschland Halle (Saale) 2026 | Passanten in der Leipziger Straße am Abend
Passanten in der Innenstadt von HalleBild: Wolfgang Maria Weber/picture alliance

Die ganze Republik blickt mit großer Spannung auf die kommende Landtagswahl im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. Das liegt vor allem am erwarteten Abschneiden der Alternative für Deutschland (AfD), einer Partei, deren Landesverband Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextrem" eingestuft wird.

Den Umfragen zufolge könnte die AfD als klare Siegerin aus der Wahl hervorgehen.

Bei der letzten Landtagswahl 2021 konnte die AfD rund 20 Prozent der Stimmen gewinnen und ist seitdem die stärkste Oppositionspartei. Regiert wird das Land von einer Koalition aus CDU, SPD und FDP, Ministerpräsident ist Sven Schulze (CDU).

Wo steht das Land?

Die AfD beklagt im Wahlkampf, wie sie es schon seit Jahren tut, Sachsen-Anhalt sei abgehängt: gesellschaftlich und wirtschaftlich.

Die Arbeitslosenquote liegt in Sachsen-Anhalt höher als im Bundesdurchschnitt. Das mittlere Einkommen für Vollzeitbeschäftigte ist niedriger als in Gesamtdeutschland.

Von den rund 2,1 Millionen Einwohnern Sachsen-Anhalts sind knapp 800.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Chemieindustrie gehört traditionell zu den wichtigen Arbeitgebern und zu den Branchen mit der höchsten Wertschöpfung, vor allem im sogenannten Chemiedreieck rund um die Städte Leuna, Merseburg und Bitterfeld-Wolfen. Auch Maschinen- und Anlagenbauer, darunter Zulieferfirmen der angeschlagenen Autoindustrie, spielen eine wichtige Rolle im produzierenden Gewerbe.

Der Sektor Handel, Verkehr und Gastgewerbe macht rund ein Fünftel der Stellen aus, darunter viele im Tourismus. Der Harz, die Lutherstädte Wittenberg und Eisleben sowie Quedlinburg mit seinem UNESCO-Welterbe sind hier wichtige Regionen.

Wirtschaft wächst langsamer als im Bundesschnitt

Die Klage, die ostdeutschen Bundesländer seien noch nicht auf dem Niveau der "alten" Bundesländer im Westen, scheint bei der Wählerschaft anzukommen. Die AfD, deren Parteifarbe blau ist, kann damit gerade bei jungen Wählenden auf breite Zustimmung bauen. 

Geklagt wird häufig, die Renten seien niedriger als im Westen, was mittlerweile nicht mehr stimmt. Richtig ist allerdings, dass der Anteil der Rentner in Sachsen-Anhalt etwas höher als im Bundesdurchschnitt ist . Auch erhalten viele Rentner im Osten nur die staatliche Rente, während viele im Westen auch noch Betriebsrenten oder Einnahmen aus privater Vorsorge haben.

Auch wegen des höheren Rentneranteils gehört die Wirtschaftsleistung pro Kopf in Sachsen-Anhalt zu den geringsten in Deutschland und erreicht nur drei Viertel des Bundesdurchschnitts. Auch wuchs die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt in den letzten Jahren meist langsamer als in Gesamtdeutschland.

"Die Ausländer sind schuld"

Mit der Warnung vor "Überfremdung" macht die AfD auch in Sachsen-Anhalt Politik und scheint damit Erfolg zu haben. Und das, obwohl dort im Bundesvergleich nur wenige Nicht-Deutsche leben.

Obwohl Sachsen-Anhalt zu den wirtschaftlich schwächeren deutschen Bundesländern gehört, hat es in den vergangenen Jahren an Einwohnern gewonnen, wie aus den Wanderungsbewegungen hervorgeht:

Seit 2016 ziehen stets mehr Nicht-Deutsche nach Sachsen-Anhalt, als fortziehen. Auch für deutsche Staatsbürger ist der Wanderungssaldo seit sechs Jahren positiv. 

Der Ausländeranteil in Sachsen-Anhalt lag Ende 2025 bei rund neun Prozent und ist damit nur halb so hoch wie in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland.

Auch die Behauptung, "die Ausländer liegen dem Steuerzahler auf der Tasche", stimmt so nicht. Der Anteil von ausländischen möglichen Beziehern von Transferleistungen wie der Grundsicherung an der Gesamtzahl der Leistungsberechtigen ist in Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich gering.

So sehr die politische und wirtschaftliche Realität oft von dem Katastrophenbild abweicht, das die extremen Parteien und besonders die AfD propagandistisch zeichnen, scheint sicher: Der Trend zu den radikalen Parteien verfestigt sich.

Dabei verlieren mit CDU und SPD vor allem die beiden ehemals großen Parteien mehr und mehr an Boden. Die Union wird nur noch eingeschränkt als Volkspartei wahrgenommen. Die SPD nähert sich der Fünf-Prozent-Hürde und läuft damit Gefahr, in Zukunft den Einzug in das ein oder andere Parlament bangen zu müssen.

Korrekturhinweis: In diesem Artikel war zunächst die Rede davon, dass die letzten Landtagswahlen 2016 gewesen seien. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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