Höhlen-Drama in Laos: Retter entdecken neuen Zugang
1. Juni 2026
Eine Höhle, abgelegen im Dschungel von Laos, aber verlockend wegen der wertvollen Mineralien und Metalle, die man dort finden kann: Sie wurde vor gut zwei Wochen zur Falle für eine Gruppe Goldsucher aus der Gegend. Plötzlicher Regen ließ die verwinkelten Gänge unter Tage volllaufen, schnitt den sieben Männern den Rückweg ab. Fünf von ihnen sind inzwischen gerettet, aber zwei werden noch vermisst.
Nun keimt neue Hoffnung die beiden lebend aus dem gefluteten Höhlensystem zu holen. Denn das Rettungsteam hat einen bislang unbekannten Zugang zu dem Teil der Höhle entdeckt, in dem die Männer vermutet werden.
Der Höhlentaucher Josh Richards aus Australien sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe gemeinsam mit Soldaten und dem Höhlenexperten Robin Cuesta aus Frankreich nach einem anstrengenden Marsch durch dicht bewaldetes Gelände eine weitere Öffnung im Berg gefunden.
Geräusche aus der Tiefe
Er habe sich bereits am Sonntag durch eine enge Öffnung in den frisch entdeckten Zugang fast vertikal in die Tiefe abgeseilt, um die Umgebung zu erkunden, berichtet Richards. Dabei stieß er auf ein weiteres Loch, das möglicherweise rund 100 Meter tief in die Nähe jener Kammer führen könnte, in der die beiden Vermissten vermutet werden. Ob tatsächlich eine Verbindung besteht, ist bislang unklar.
Besonders bemerkenswert: Während seiner Erkundung habe er mit einem Hammer wiederholt gegen das Gestein geschlagen. Aus der Tiefe seien daraufhin Geräusche zurückgekommen. "Es ist nicht klar, ob das ein Tier war oder etwas anderes, aber auf jeden Fall kommen von da unten ungewöhnliche Geräusche." Er fügte hinzu: "Das wird ein großer Tag für uns alle."
Ursprünglich hatte das Rettungsteam erwogen, tauchend tiefer in die Höhle einzudringen - und zwar von jener kleinen Grotte aus, in der die anderen fünf Goldsucher gefunden wurden. Dieser Weg gilt allerdings als extrem gefährlich und beinhaltet klaustrophobisch enge Tunnel. "Es ist großartig, dass wir einen anderen Zugang gefunden haben", sagte Richards. Der bisher geplante Weg sei "furchteinflößend" und mache vielen Beteiligten große Angst.
Doch auch die zunächst geplante Route haben die Retter noch nicht aus den Augen verloren. Nach Angaben des Tauchers Lee Kian Lie aus Malaysia, der an dem Einsatz beteiligt ist, sind die Einsatzkräfte dabei, Wasser aus der Höhle abzupumpen. "Wir werden uns in das vermutete Areal begeben, um die Suche fortzusetzen, sobald der Wasserspiegel gesunken ist", sagte er der Nachrichtenagentur Associated Press.
Neue Überflutungsgefahr durch Monsunregen
Doch die Hoffnung wird durch die Wetterlage in der abgelegenen Bergregion der Provinz Xaisomboun getrübt. Die laotische Freiwilligengruppe "Rescue Volunteer for People" teilte mit, dass heftiger Monsunregen "gewaltige Wassermengen" in das Gebiet gespült habe. Deshalb seien sie gezwungen gewesen, die Rettungsarbeiten am Sonntagabend vorübergehend auszusetzen.
Der erste Goldsucher konnte am Freitag sicher geborgen werden. Er wurde dabei von einem erfahrenen Taucher durch einen engen, überfluteten Gang geleitet. Wie durch ein Wunder gelang es einen Tag später vier weiteren Eingeschlossenen, die Höhle auf eigene Faust zu verlassen. Weil der Wasserstand inzwischen gefallen war, konnten sie ohne Hilfe durch das Höhlenlabyrinth an die Oberfläche gelangen.
AR/pgr (dpa, ap)