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"Lasst uns dem Leben trauen"

25. Dezember 2013

Weihnachten ist ein Fest des Herzens, nicht der Gefühlsduselei. Denn es geht um die Botschaft, dass Gott mit uns auf dem Weg ist, so die Überzeugung von Weihbischof Wolfgang Bischof von der katholischen Kirche.

Großfamilie Weihnachten
Bild: picture-alliance/dpa

Macht Weihnachten glücklich? Viele Menschen verbinden Weihnachten mit festen Traditionen. Eines wird uns aber immer wieder deutlich mitgeteilt: Weihnachten ist das Fest des Friedens und der Familie. Dennoch ist die Gefahr gerade in diesen festlichen Tagen groß, dass der Familienfrieden „schief hängt“ oder sich der Stress und die Anstrengung der letzten Wochen in anderer Form unangenehmer Raum verschafft.Dabei wollten wir doch gerade an Feiertagen friedlich und stimmungsvoll miteinander umgehen. „Schließlich ist doch Weihnachten, da war es schon immer so!“

Und dann hat dieses Fest ja auch noch eine Botschaft, die über Generationen hinweg weitergeben wird. Neben der Vielzahl an persönlichen Erlebnissen, gibt es zahlreiche Erzählungen, die zum allgemeinen kulturellen Wissen gehören. In der Bibel, genauer im Neuen Testament werden uns von den Evangelisten unterschiedliche Sichtweisen auf das unbeschreibliche Ereignis der Menschwerdung Gottes berichtet. Die bekanntesten finden wir bei Lukas und Matthäus. Die Bilder, die darin gebraucht werden, wollen helfen, das unfassbare in unsere menschliche Dimension zu rücken und den tieferen Sinn dieses Ereignisses verständlich machen. Dabei geht es nicht in erster Linie um historische Genauigkeit, vielmehr spielen die Erfahrungen der beteiligten Personen die entscheidende Rolle.

Die ersten Zeugen der Geburt Jesu sind einfache Hirten, die aus ihrem Alltag herausgerufen werden und einer Verheißung folgen, die ihnen Rettung und Frieden verspricht durch das Kind in der Krippe. Ebenso die Sterndeuter aus dem Osten, wie es bei Matthäus zu lesen ist, folgen einem Zeichen, das ihnen Hoffnung verspricht.

Durch diese Erzählungen sehe ich Weihnachten nicht als ein Fest für den Verstand, sondern in erster Linie für das Herz. Daraus jetzt aber all die gefühlsduseligen Rituale, abzuleiten, liegt den biblischen Autoren fern. Es geht um ein sich anrühren lassen und davon in Bewegung setzen. Begriffe, wie Aufbruch, Veränderung, ... stehen im Mittelpunkt der Botschaft. So ist das Weihnachtsfest ursprünglich ein Ereignis, dass die Menschen nicht zur Ruhe kommen lässt, sondern aktiv werden lässt.

Die Hirten, die Sterndeuter aus dem Osten, genauso Maria und Josef, bleiben nicht im Stall zurück, sondern machen sich wieder auf den Weg. Nach der tiefen Glaubenserfahrung liegt es nun an ihnen, den Weg in ihr alltägliches Leben mit dieser neuen Botschaft zu gestalten. Ob und wie ihnen das gelingt, wissen wir letztlich nur lückenhaft von Maria. Was uns von ihr in den Evangelien erzählt wird, kommt uns vertraut vor, wenn wir unseren eigenen Lebensweg, nach Weihnachten vor Augen haben.

Da sind wieder die Sorgen und Probleme meines Lebens. Sie sind durch das Weihnachtsfest meist nicht kleiner geworden, oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Weihnachten löst keine Probleme. Die Botschaft der Menschwerdung Gottes lässt aber unser Leben in einem andern Licht erstrahlen.

Weil Gott sich klein macht, einer von uns ist, wird seine Nähe zum Menschen spürbar und begreifbar. So bekommt sein Name „Immanuel“ – „Gott mit uns“ - wie er beim Propheten Jesaja angekündigt wird, einen verbindenden Charakter. Dieser tiefere Sinn ist das eigentliche Geschenk des Heiligen Abends, das weit über diese Nacht hinaus wirken kann.

„Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt. “, so lautet ein ganz bekannter Satz von P. Alfred Delp, den er an Weihnachten 1944 nach monatelanger Folter in seiner Gefängniszelle geschrieben hat.

Dieses Glaubenszeugnis kann Lebensmotto für jeden Tag des neuen Jahres werden und dabei helfen, nicht nur die kommenden 365 Tage, sondern jeden weiteren Tag unseres Lebens in der Zuversicht Halt zu finden: ER geht mit mir. Er erspart mir dabei keine Erfahrung - sei sie noch so schön oder schlimm; aber er geht mit, er gibt Halt und ist so der wertvollste Begleiter, den ich mir wünschen kann.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes Segen für das kommende Jahr.

Ihr Weihbischof Wolfgang Bischof

Weihbischof Wolfgang Bischof ist im Erzbistums München und Freising vor allem für die südliche Seelsorgeregion seiner Diözese zuständig. Er wurde 1960 in Freising geboren. 1998 weihte Friedrich Kardinal Wetter ihn in seiner Heimatstadt zum Priester. 2010 wurde er zum Weihbischof geweiht.

Bild: Klaus D. Wolf