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Leben in Angst

10. Februar 2003

- Überfälle auf ausländische Studenten gehören in Sankt Petersburg inzwischen zum Alltag

Moskau, 8.2.2003, 1100 GMT, TW ZENTR, russ.

Gestern Abend ist auf dem Newskij Prospekt im Zentrum von Sankt Petersburg ein Student aus Indien von Jugendlichen zusammengeschlagen worden. Nach bisherigen Informationen gehören vier der Täter extremistischen Jugendgruppen an. Es ist der zweite Überfall von Skinheads auf ausländische Studenten in dieser Woche in Sankt Petersburg.

(Korrespondent) Vor zweihundert Jahren wurde Sankt Petersburg als Stadt der Toleranz bezeichnet, denn es war die internationalste Stadt in Russland. Heute aber leben die ausländischen Studenten, die der Bildung wegen hergekommen sind, in Angst um ihr Leben. (...)

Der 18jährige Akhish Ramgulan (ph.) wurde auf einer Haltestelle unweit der Metschnikow-Akademie von unbekannten Jugendlichen brutal zusammengeschlagen und verstarb einige Stunden später. Akhish, das einzige Kind seiner Eltern, war aus Mauritius nach Russland gekommen, um Arzt zu werden.

(Tarik Khizhazi, ein libanesischer Student der Akademie, in russischer Sprache) Seine Mutter bekam einen Herzanfall als sie hörte, ihr Sohn sei tot.

(Korrespondent) In den letzten Jahren sind öffentliche Angriffe auf die 1300 ausländischen Studenten der Medizinischen Akademie an der Tagesordnung.

(Khashash Meskher, ein jordanischer Student der Akademie, in russischer Sprache) Wenn es an einer Bushaltestelle, in der Nähe des Wohnheims und in der U-Bahn zu einem Überfall kommen kann, dann kann es überall dazu kommen.

(Chaodari Manishchan, ein indischer Student der Akademie, in russischer Sprache) Wir alle leben hier in Angst. Aus allen Gesichtern spricht die Angst. Wenn wir das Wohnheim verlassen oder nach den Vorlesungen müssen wir immer mit einem Überfall rechnen. Bevor wir einen Schritt tun schauen wir uns um, ob uns eventuell ein Überfall droht. Wir haben Angst.

(Korrespondent) Die Studenten wissen aus eigener Erfahrung, dass es sinnlos ist, sich an die Polizei zu wenden. Es kann aber Ausnahmen geben.

Der siebzehnjährige Karen Safarjan und eine Gruppe Jugendlicher griffen auf dem Newskij Prospekt indische Studenten an. Glücklicherweise gelang es den Studenten, in ein Geschäft zu fliehen und die Polizei zu rufen. Nu Karen wurde festgenommen. Er sagt, er sei ein Skinhead. (...)

Wenn es der Polizei gelingt, jemanden festzunehmen, dann ist es gewöhnlich ein Jugendlicher und das Gesetz geht gnädig mit Jugendlichen um. Ihre erwachsenen Bosse stehen daneben und beobachten nur und können daher nicht strafrechtlich belangt werden. Der Polizei gelingt es aber nicht immer, die Täter festzunehmen. Eine wochenlange Suche nach denen, die den Studenten aus Mauritius umgebracht haben, endete ergebnislos. (TS)

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