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"Lehrkräfte PLUS" macht zugewanderte Lehrer fit für Schulen

27. Dezember 2025

Deutschland sucht händeringend Lehrerinnen und Lehrer. Viele Zuwanderer und Flüchtlinge sind ausgebildete Pädagogen. Wie können sie hierzulande arbeiten? Ein Programm in Köln soll dafür die Voraussetzungen schaffen.

Dutzende Menschen posieren für ein Abschlussbild. Manche haben Blumen und ein Papier in der Hand.
Bestens vorbereitet für den Lehrerberuf in Deutschland: die Absolventen der Qualifizierung in KölnBild: privat

Wenn sich Deutschland eine gut ausgebildete Lehrerin aus dem Ausland aussuchen könnte, dann wäre es wahrscheinlich jemand wie Inge Pizarro Krause. Die 33-jährige Chilenin ist mit ihrem achtjährigen Studium und den zwei Jahren Arbeit als Lehrerin in Viña del Mar top-qualifiziert und schickt sich nun an, den grassierenden Lehrermangel in Deutschland zu bekämpfen. Seit August büffelt Pizarro Krause im Programm "Lehrkräfte PLUS" in Köln Deutsch, Didaktik und Pädagogik und hat jetzt auch schon in einer Berufsschule hineingeschnuppert.

Sie sagt der DW: "Als ich nach Deutschland kam, hatte ich das Gefühl, wieder bei Null anfangen zu müssen, was natürlich sehr frustrierend ist. Du hast studiert. Du hast als Lehrerin gearbeitet, willst direkt wieder einsteigen und suchst verzweifelt nach einem Programm, das dich irgendwie an das deutsche Bildungssystem heranführt. "Lehrkräfte PLUS" war dann exakt das, was ich gebraucht habe."

"Die Sprache ist das A und O, um in Deutschland als zugewanderte Lehrerin voranzukommen" - Inge Pizarro KrauseBild: Oliver Pieper/DW

Viele zugewanderte Lehrer fangen in Deutschland wieder bei Null an

In nur zwölf Monaten werden Pizarro Krause und die anderen 23 Teilnehmer aus Bosnien, Kirgisistan oder der Ukraine im Schnelldurchlauf mit viel Praxiserfahrung fit gemacht für den Lehrerjob an deutschen Schulen. Das Programm wird auch an vier weiteren Universitäten in Nordrhein-Westfalen angeboten. Es ist Kölns kleine Antwort auf den Lehrermangel in Deutschland, der immer härter durchschlägt.

Zehntausende Lehrerinnen und Lehrer fehlen schon heute bundesweit; Tendenz steigend. Und das, während sich gleichzeitig Zuwanderer mit langjähriger Berufserfahrung oft mit Aushilfsjobs durchschlagen, statt am Lehrerpult zu stehen. "Du fragst dich, wo da der Sinn ist: Deutschland braucht dringend Lehrer, zugleich sind die bürokratischen Hürden für uns enorm. Das Land sollte an einem System arbeiten, das die Integration beschleunigt", so Pizarro Krause.

"Deutschland kann es sich nicht leisten, auf solche Potenziale zu verzichten"

Dafür braucht es engagierte Menschen wie Semra Krieg und Ariane Elshof, die das Qualifizierungsprogramm "Lehrkräfte PLUS" in Köln 2018 mit aus der Taufe gehoben und seitdem ständig weiterentwickelt haben. Der Geist schon damals: "Wir schaffen das" - drei Worte, mit denen die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkeldie deutsche Bevölkerung vor Jahren auf die Herausforderung der Integration von Geflüchteten einschwor, erinnert sich Elshof.

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"Zu Anfangszeiten hatten wir viele sehr qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer aus der Türkei und Syrien. Mittlerweile kommen die meisten aus der Ukraine. Wir erhalten aber auch Bewerbungen aus Brasilien oder sogar Tansania. Deutschland kann es sich nicht leisten, aufgrund des Lehrkräftemangels auf solche Potenziale zu verzichten. Das sind Lehrkräfte durch und durch, sie sind mit sehr viel Herzblut dabei."

Eine Studie der Universität Potsdam hat vor kurzem das Programm "Lehrkräfte PLUS" genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Lehrkräfte fühlen sich deutlich sicherer für ihre künftigen Aufgaben, sprechen wesentlich besser Deutsch und sind sehr motiviert, dauerhaft als Lehrer in Deutschland tätig zu sein. Vor allem aber: Die große Mehrheit würde die Qualifizierung anderen Migranten weiterempfehlen.

Erneut viele Bewerbungen für das "Sprungbrett"

Durchschnittlich nicht mal eine Person pro Jahrgang würde das Programm abbrechen, berichtet Krieg der DW. Schon jetzt stapelten sich wieder 50 Bewerbungen für den nächsten Start im August auf ihrem Schreibtisch. Die Bewerbungsfrist endet in zwei Wochen. Doch trotz der Erfolgsstory: Eine Finanzierung des Programms ist nur bis Ende 2027 gesichert. Beim 2016 initiierten, deutschlandweiten Vorreiter-Projekt "Refugee Teachers Program" der Universität Potsdam, sei diese nun ausgelaufen.

"Dabei haben wir sehr viel positive Rückmeldungen, "Lehrkräfte PLUS" sei wie ein Sprungbrett. Und gleichzeitig eine Herausforderung für die Teilnehmer, manchmal kommt man in einem ganzjährigen Programm in Vollzeit natürlich an seine Belastungsgrenze. Die Sprache ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, um an der Schule anzukommen. Darüber hinaus sind auch Offenheit, Ausdauer und Hartnäckigkeit entscheidend", so Semra Krieg.

Ariane Elshof, Leitung Academic Refugee Support, und Semra Krieg, Programmkoordinatorin Lehrkräfte PLUS KölnBild: privat

Wie eine Lehrerin aus der Ukraine den Sprung geschafft hat

Natalia Zemlianskaia war hartnäckig und ausdauernd genug: Die Ukrainerin hat vor zwei Jahren am Programm "Lehrkräfte PLUS" teilgenommen, dabei ein Praktikum an einer Bonner Berufsschule absolviert und wurde im Anschluss direkt von dieser übernommen. Mehr als 20 Jahre unterrichtete die promovierte Englisch-Lehrerin in Odessa, jetzt lehrt sie die Fremdsprache in ihrer neuen Heimat und bringt außerdem als Klassenlehrerin der internationalen Klasse jungen Menschen aus Guinea, Syrien und der Türkei Deutsch bei.

"Als ich 2022 hier ankam, wusste ich, dass ich unbedingt als Lehrerin weiterarbeiten will. Ich habe zunächst viele Deutschkurse absolviert und bin dann eher zufällig auf "Lehrkräfte PLUS" gestoßen. Das Beste am Programm: Die Deutschkurse und das Praktikum, wo du mit noch nicht perfektem Deutsch ins kalte Wasser geworfen wirst."

"Ich musste in Deutschland lernen, dass ich im Unterricht nicht mehr die Hauptperson bin" - Natalia ZemlianskaiaBild: Privat

Deutschland braucht mehr Programme dieser Art, nicht weniger

Was braucht es also, um als zugewanderte Lehrerin im deutschen Schulalltag an- und zurechtzukommen? Die 47-Jährige muss nicht lange überlegen: proaktiv alles an der neuen Schule aufsaugen, um zu verstehen, wie diese und insbesondere die Schüler ticken.  Und: Mentoren und ein Kollegium haben, die dich akzeptieren, unterstützten und im Notfall ein offenes Ohr haben. Und mehr Programme wie "Lehrkräfte PLUS" aufsetzen, nicht nur in einigen wenigen Städten; und diese noch zusätzlich viel mehr bewerben.

"Jeder zugewanderte Lehrer sollte wissen, dass es diese Qualifizierung gibt. Und es muss mehr Orte für dieses Angebot geben: In meinem Kurs damals gab es sogar einen Teilnehmer aus Bremen, der gependelt ist. Einige haben die Woche im Hotel gewohnt." Zemlianskaias Appell an die deutsche Politik, um diese Fachkräfte schneller ins deutsche Bildungssystem zu integrieren: "Sie sollte Abschlüsse aus dem Ausland leichter anerkennen. Ich bin keine Anfängerin, sondern eine erfahrene Lehrerin."

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