Libanon: Blauhelmsoldat getötet - Hisbollah unter Verdacht
19. April 2026
Es deute alles darauf hin, dass die vom Iran finanzierte Hisbollah "für diesen Angriff verantwortlich ist", schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Onlinedienst X. Er forderte die Regierung im Libanon auf, die Verantwortlichen sofort festnehmen zu lassen. Die Behörden müssten zudem "alles tun, um die Sicherheit der UNIFIL-Soldaten zu gewährleisten", hieß es in einer Erklärung des Élysée-Palasts in Paris. Die Blauhelmsoldaten dürften "unter keinen Umständen zur Zielscheibe werden".
Der französische Soldat der UN-Mission UNIFIL war am Samstag - einen Tag nach Inkrafttreten einer zehntägigen Waffenruhe zwischen dem Libanon und Israel - bei einem Angriff im Süden des Libanons getötet worden. Drei weitere französische Blauhelmsoldaten wurden nach Angaben des Außenministeriums in Paris verwundet, zwei von ihnen schwer.
Paris: Angriff aus dem Hinterhalt
Die französische Verteidigungsministerin Catherine Vautrin sprach auf X von einem "Hinterhalt". Ihr zufolge wurde der Franzose "durch einen direkten Schuss aus einer Handfeuerwaffe" getötet.
UNIFIL selbst hatte mitgeteilt, die Soldaten hätten Sprengsätze an einer Straße im Süden des Landes beseitigt. Dabei seien sie unter Beschuss geraten. Die UN-Mission sprach von einem "vorsätzlichen Angriff". Einer ersten Einschätzung zufolge seien Hisbollah-Kämpfer dafür verantwortlich.
UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Angriff in einer Erklärung auf das Schärfste. "Alle Akteure werden dringend aufgefordert, die Einstellung der Feindseligkeiten zu respektieren und das Feuer einzustellen", sagte Guterres nach Angaben seines Sprechers Stéphane Dujarric in New York. Solche Angriffe stellten schwerwiegende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dar und könnten Kriegsverbrechen gleichkommen.
Libanons Präsident Joseph Aoun sicherte eine Verfolgung der Verantwortlichen zu. Regierungschef Nawaf Salam erklärte, er habe eine sofortige Untersuchung angeordnet, "um die Umstände dieser Attacke aufzuklären und die Angreifer zur Verantwortung zu ziehen".
Hisbollah weist Verantwortung zurück
Die Hisbollah wies in einer Erklärung jegliche Verantwortung für den Angriff zurück. Zugleich kritisierte sie die mit Israel vereinbarte Waffenruhe und die geplanten direkten Gespräche zwischen der israelischen und libanesischen Regierung.
Libanons Präsident Aoun hatte am Freitag in einer Rede bekräftigt, direkte Verhandlungen mit Israel seien "kein Zeichen der Schwäche". Der Libanon sei nicht mehr "das Faustpfand im Spiel" oder "der Schauplatz der Kriege" anderer Akteure.
Vielmehr habe die libanesische Regierung die Entscheidungsgewalt im Land zum ersten Mal seit fast einem halben Jahrhundert wieder an sich gezogen, betonte Aoun mit Blick auf die einflussreiche radikal-islamische Hisbollah-Miliz. Diese hatte nach Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar massive Raketenangriffe auf Israel gestartet - und den Libanon damit in den Krieg der USA und Israels gegen den Iran hineingezogen.
Israel reagierte auf die Hisbollah-Attacken mit Angriffen auf Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Nordgrenze in den Süden des Landes.
Blauhelmsoldaten der UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) überwachen seit 1978 das Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon. Die Beobachtermission ist damit eine der ältesten der Vereinten Nationen. Sie gilt zugleich als eine der gefährlichsten weltweit. Erst vor wenigen Wochen waren zwei Blauhelmsoldaten aus Indonesien bei einer Explosion im Südlibanon getötet worden.
se/ack/pgr (afp, dpa, ap)
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