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KonflikteNahost

Libanon: Israels Armee ordnet Evakuierung von Dörfern an

30. Mai 2026

Die vereinbarte Waffenruhe im Südlibanon steht nur noch auf dem Papier. Die radikalislamische Hisbollah und Israel greifen einander immer wieder an. Die Lage eskaliert weiter.

Libanon Nabatieh 2026 | Rauch steigt in einer besiedelten Hügellandschaft auf (30.05.2026)
Rauchwolke nach israelischem Luftangriff in der Nähe von NabatijaBild: REUTERS

Raketen, Luftangriffe und Evakuierungen: Die Spannungen zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz nehmen weiter zu. Beide Seiten werfen sich Verletzungen der für den Libanon vereinbarten Waffenruhe vor. Nun hat die israelische Armee nach wiederholten Angriffen der Miliz die Bewohner von mehreren südlibanesischen Dörfern aufgefordert, die Orte zu verlassen.

Wegen des "Bruchs der Waffenruhe-Vereinbarung durch die Terrororganisation Hisbollah" werde die israelische Armee "entschiedene Maßnahmen" gegen die pro-iranische Schiitenmiliz ergreifen, teilte Armeesprecher Avichay Adraee mit. Einige der betroffenen Ortschaften befinden sich demnach in der Nähe der libanesischen Großstadt Nabatija.

Nach der Evakuierungsanordnung flog Israels Luftwaffe Angriffe im gesamten Südlibanon. Arabische Fernsehsender berichten von Angriffen auf Ziele in Nabatija und Umgebung. Dabei sollen nach Angaben des libanesischen Senders LBC mindestens drei Menschen getötet worden sein. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldet zudem israelisches Artilleriefeuer in der Nähe der mittelalterlichen Burg Beaufort.

Die libanesische Armee teilte mit, bei einem "gezielten" israelischen Angriff seien im Süden zwei Soldaten verletzt worden - nur einen Tag nachdem Militärdelegationen beider Länder in Washington wegweisende Sicherheitsgespräche geführt hatten.

Hisbollah feuert Raketen

Die Hisbollah ließ verlauten, sie habe die grenznahe nordisraelische Stadt Kiriat Schmona mit einer "Raketensalve" angegriffen. Dies sei zur "Verteidigung des Libanon und seines Volkes und in Reaktion auf die Verletzung der Waffenruhe durch den israelischen Feind" erfolgt.

Laut Angaben der israelischen Armee feuerte die Hisbollah in der Nacht etwa zehn bis 15 Raketen in vier Wellen auf den Norden Israels ab. Wie die israelische Tageszeitung "Haaretz" unter Berufung auf Kommunalbehörden meldet, waren allein zehn Geschosse auf die Stadt Kiriat Schmona gerichtet.

Die israelische Luftabwehr fing neun Raketen ab. Ein Projektil schlug im Stadtzentrum ein und verursachte Sachschäden. Es gab keine Verletzten.

Die Hisbollah behauptete zudem, sie habe israelische Streitkräfte im Südlibanon mit Sprengfallen, Artilleriegeschossen und Raketen attackiert. Dabei sollen israelische Soldaten verletzt worden sein. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Netanjahu verkündet ausgeweiteten Militäreinsatz

Am Freitagabend hatte das libanesische Gesundheitsministerium mitgeteilt, bei erneuten israelischen Angriffen in der Region der südlibanesischen Hafenstadt Tyros am Mittelmeer seien mindestens elf Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Das Ministerium sprach von einer "schweren Verletzung des Völkerrechts".

Israels Premier Netanjahu auf Truppenbesuch an der Grenze zum LibanonBild: Israeli Prime Minister Office/APAimages/IMAGO

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu verkündete am Freitag, die israelische Armee habe im Zuge ihres ausgeweiteten Einsatzes im Libanon den Fluss Litani überquert, der etwa 30 Kilometer nördlich der Grenze verläuft. Die israelische Luftwaffe sei zudem in der libanesischen Hauptstadt Beirut, in der östlichen Bekaa-Region sowie "entlang der gesamten Front" im Einsatz.

Die vom Iran unterstützte Hisbollah, die von vielen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird, lehnt Verhandlungen mit Israel ab. Israels Ministerpräsident hatte zuletzt erklärt, die Armee werde mit aller Härte gegen die Hisbollah vorgehen und die Angriffe ausweiten.

AR/jj/wa (dpa, afp)

Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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