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KonflikteLibanon

Wieder tote Blauhelme: Was tut die UNIFIL im Libanon?

19. April 2026

Seit Ende März sind im Südlibanon vier UN-Blauhelmsoldaten getötet worden. UNIFIL gilt als eine der gefährlichsten UN-Friedensmission überhaupt. 2027 soll sie enden. Ein Überblick über Mandat und Herausforderungen.

Libanon: Fünf Fahrzeuge der UNIFIL (zwei gepanzerte und drei Geländewagen) fahren in einer Kolonne entlang einer Straße
Die Mission soll Frieden und Sicherheit garantieren: UNIFIL-Fahrzeuge im SüdlibanonBild: Taher Abu Hamdan/Xinhua/picture alliance

Ein französischer UN-Soldat ist im Libanon getötet worden, drei weitere wurden verletzt, zwei davon schwer. Die UN-Mission UNIFIL erklärte, die Blauhelme seien aus dem Hinterhalt mit Handfeuerwaffen beschossen worden, als sie einen Sprengsatz an einer Straße entfernen wollten. "Alles deutet darauf hin, dass die Hisbollah für diesen Anschlag verantwortlich ist", schrieb der französische Präsident Emmanuel Macron in einer Erklärung in den sozialen Medien und forderte die libanesischen Behörden auf, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. 

Die Hisbollah hat die Verantwortung für den Anschlag zurückgewiesen. Die vom Iran unterstützte Miliz wird von den USA, Deutschland und mehreren sunnitischen arabischen Staaten als Terrororganisation eingestuft. Sie wird vom Iran unterstützt. Die EU listet den bewaffneten Flügel der Hisbollah als Terrorgruppe.

Zwischen die Fronten geraten: Eine Explosion hat UNIFIL-Soldaten verletzt (August 2024)Bild: Stringer/dpa/picture alliance

Die multinationale Friedenstruppe UNIFIL im Südlibanon ist in den vergangenen Wochen erneut zwischen die Fronten geraten. Der jüngste Waffengang zwischen Israel und Hisbollah begann am 2. März, als die islamistische Miliz Raketen auf Israel feuerte, kurz nachdem Israel und die USA ihre Angriffe auf den Iran begonnen hatten. Seither wurden im Libanon rund 2300 Menschen getötet, mehr als eine Million Menschen wurden aus dem Südlibanon vertrieben. Seit Freitag gilt eine zehntägige Waffenruhe.

UNIFIL gilt als eine der gefährlichsten UN-Missionen überhaupt. Nach UN-Angaben verloren dort seit 1978 bereits 343 Blauhelme ihr Leben. Erst vor einigen Wochen wurden in drei verschiedenen Angriffen drei indonesische Blauhelme getötet. Tage später wurden drei weitere teils schwer verletzt.

Was ist UNIFIL?

Die UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) begann ihre Mission im März 1978, nach Israels Invasion des Libanon. Sie ist eine der ältesten aktiven UN-Beobachtermissionen. Nach UNIFIL-Angaben umfasste sie Ende März 2026 etwa 7500 Blauhelme aus 47 Ländern. Die größten Kontingente stellen derzeit Indonesien (755), Italien (754), Spanien (658) und Indien (642).

Soldaten und Soldatinnen aus mehr als 50 Staaten: UNIFIL-Angehörige im Mai 2024Bild: Niall Carson/PA Wire/empics/picture alliance

Eingesetzt sind sie auf Dutzenden Stützpunkten in einem Gebiet von 1060 Quadratkilometern. Es erstreckt sich zwischen der israelisch-libanesischen Grenze im Süden und dem Litani-Fluss gut 30 Kilometer weiter nördlich. Das UNIFIL-Hauptquartier ist in Nakura, einer libanesischen Küstenstadt nahe der Grenze.

Warum ist UNIFIL im Libanon?

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen setzte die Mission 1978 ein. Sie sollte den Rückzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon überwachen, Frieden und Sicherheit wiederherstellen und die libanesische Regierung dabei unterstützen, die Kontrolle über das Gebiet zurückgewinnen. Seitdem hat der UN-Sicherheitsrat das Mandat jedes Jahr verlängert.

Im Juni 2000 wurde das UNIFIL-Mandat ausgeweitet. Die Vereinten Nationen legten die Blaue Linie fest, eine Demarkationslinie zwischen Libanon und Israel, und lassen sie seitdem von UNIFIL überwachen. Die Blaue Linie ist formal keine internationale Grenze, gleichzeitig darf sie nicht ohne Erlaubnis passiert werden.

Das UNIFIL-Mandat wurde nach dem Libanonkrieg 2006 erneut erweitert. Die  Resolution 1701 beendete den Krieg zwischen der Hisbollah und Israel. Sie legt ein Ende der Kämpfe fest und den vollständigen Rückzug der israelischen Armee aus dem Libanon. Die Kontrolle über das Gebiet südlich des Litani-Flusses sollten die libanesische Armee und UNIFIL übernehmen, alle Milizen inklusive der Hisbollah sollten entwaffnet werden.

Zuletzt hat der UN‑Sicherheitsrat das Mandat von UNIFIL im August 2025 durch die Resolution 2790 bis Ende 2026 verlängert - danach soll es auslaufen. Seit Ende 2025 wurde das Truppenkontingent bereits um rund 25 Prozent reduziert. Der schrittweise Abzug der Blauhelme soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein, nach fast fünf Jahrzehnten UN‑Präsenz im Süden des Libanon. 

Welche Aufgaben hat UNIFIL?

UNIFIL ist in erster Linie eine Beobachtermission. Das beinhaltet Patrouillen zu Fuß und mit Fahrzeugen zwischen der Blauen Linie und dem Litani-Fluss. Auch die Küstenlinie überwacht UNIFIL mit ihrer Marine-Friedenstruppe, der UNIFIL Maritime Task Force. Wenn die Resolution 1701 verletzt wird, meldet UNIFIL das dem UN-Sicherheitsrat.

"Wenn es einen Vorfall an der Blauen Linie gibt, schickt UNIFIL gegebenenfalls umgehend zusätzliche Soldaten an den Ort des Geschehens, um eine direkte Auseinandersetzung zwischen den beiden Seiten zu verhindern und sicherzustellen, dass die Situation eingedämmt wird", so beschreibt die UN-Mission die Herangehensweise auf ihrer Website.

Sollen die Blaue Linie kontrollieren: UNIFIL-Blauhelme im SüdlibanonBild: Niall Carson/PA Wire/empics/picture alliance

UNIFIL hält auch Verbindung zur libanesischen Armee und dem israelischen Militär, um eine Eskalation der Situation zu verhindern.

Gewalt dürfen die Blauhelme nur unter bestimmten Umständen und nur zur Selbstverteidigung anwenden sowie um "sicherzustellen, dass ihr Einsatzgebiet nicht für feindselige Aktivitäten genutzt wird".

Warum wird UNIFIL beendet?

Israel und die USA finden, dass UNIFIL die Hisbollah nicht wirksam davon abgehalten hat, Waffen im Südlibanon zu horten und einzusetzen. 2018 wurde ein Tunnel der Hisbollah entdeckt, der unter der Blauen Linie hindurch nach Israel führte.

Umgekehrt hat die libanesische Regierung wiederholt betont, dass UNIFIL Israels Eindringen in den libanesischen Luftraum nicht unterbunden habe.

Verantwortliche der Hisbollah wiederum beschuldigen UNIFIL, für Israel zu spionieren. Die Präsenz der UN-Mission verletze die Souveränität des Libanon.

Zudem ist UNIFIL relativ kostspielig. Nach Angaben der Vollversammlung der Vereinten Nationen war sie 2023 die fünftgrößte UN-Blauhelmmission. Zwischen Juli 2025 und Juli 2026 lag ihr Jahresbudget demnach bei umgerechnet rund 550 Millionen Euro.

Dieser Artikel vom Oktober 2024 wurde aus dem Englischen adaptiert und am 19.04.2026 im Zuge jüngster Ereignisse aktualisiert.

Jennifer Holleis Redakteurin und Analystin mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika.
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