1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Literatur

Literaturpreise als Sprungbrett

Heike Mund13. November 2015

Sie machen Literatur zu einem öffentlichen Ereignis: Literaturpreise sorgen dafür, dass die Ausgezeichneten mit einem Schlag weltweit bekannt werden. Wir stellen die wichtigsten Literaturpreise vor.

Patrick Modiano Literatur Nobelpreisträger Rede in Stockholm 07.12.2014. Copyright: Reuters/TT News Agency/A. Wiklund
Patrick Modiano bei seiner Literaturnobelpreis-Rede 2014 in StockholmBild: Reuters/TT News Agency/A. Wiklund

Der Cervantespreis ist der wichtigste Literaturpreis in der Spanisch sprechenden Welt. Er wird dort ähnlich bedeutend angesehen wie international der Literaturnobelpreis. Benannt ist er nach Miguel Cervantes, dem weltberühmten Autor und Erfinder des "Don Quijote". Verliehen wird der renommierte Preis jeweils am Todestag Cervantes, dem 23. April. Nach einer unausgesprochenen Regel wird er abwechselnd an einen spanischen und einen lateinamerikanischen Autor vergeben. Die Auszeichnung bezieht sich nicht auf eine einzelne Veröffentlichung, sondern auf das Lebenswerk des jeweiligen Autors. Dotiert ist der Cervantespreis mit 125.000 Euro.

Weltklasse: Nobelpreis für Literatur

Die Bekanntgabe des Nobelpreises für Literatur, die mit Abstand wichtigste Literaturauszeichnung der Welt, wird jedes Jahr mit Spannung erwartet: 2015 erhielt ihn die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch. Die feierliche Vergabe durch den schwedischen König findet jedes Jahr am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel (1833 -1896), in Stockholm statt. Der Literaturnobelpreis ist mit einem Preisgeld von acht Millionen Schwedischen Kronen (ca. 863.00 Euro) der am höchsten dotierte Literaturpreis der Welt.

Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch erhielt 2015 den LiteraturnobelpreisBild: Reuters

Für die ausgezeichneten Schriftsteller ist der Literaturnobelpreis wie ein Ritterschlag. Die Buchtitel der Preisträger werden mit einem Mal weltweit bekannt und schießen meistens innerhalb weniger Tage auf die vorderen Plätze der Bestsellerlisten. Die deutsche Schriftstellerin Herta Müller wurde 2009 ausgezeichnet und dadurch erst einem breiteren Lesepublikum bekannt. Auch die Bücher des Literaturnobelpreisträgers von 2014, Patrick Modiano (Artikelfoto), sind seitdem weltweit in allen Buchhandlungen zu finden - nicht nur in seinem Heimatland Frankreich.

Spanien: Premio Planeta

Der Planeta-Preis (Premio Planeta) ist der zweithöchstdotierte Literaturpreis der Welt: Mit 601.000 Euro kann der alljährliche Preisträger nach Hause gehen und sich seinen nächsten Büchern widmen. Auch der zweitplatzierte Roman wird noch mit 150.250 Euro Preisgeld ausgezeichnet. Gestiftet hat den Premio Planeta der spanische Medienkonzern Grupo Planeta, ausgezeichnet wird damit der jeweils beste unveröffentlichte Roman in spanischer Sprache.

Die Autoren müssen ihre Manuskripte unter Pseudonym einreichen. Damit sei gewährleistet, dass die Jurymitglieder nur die literarische Qualität des Werkes begutachteten und keinen bekannten Schriftstellernamen. Die Kehrseite ist allerdings, dass der Premio Planeta häufig völlig unbekannten Autoren zuerkannt wird - ein Grund, warum dieser hochdotierte Literaturpreis international nicht so bekannt ist. Die Preisverleihung findet jedes Jahr in Barcelona statt. Seit 1952 wird damit jedes Jahr ein Schriftsteller ausgezeichnet. 1993 hat ihn der peruanische Autor Mario Vargas Llosa für seinen später sehr erfolgreichen Roman "Tod in den Anden" bekommen. Er gehört zu den führenden lateinamerikanischen Schriftstellern, 2010 erhielt er außerdem den Literaturnobelpreis.

Literaturnobelpreis-Gewinner Mario Vargas Llosa bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in CaracasBild: Reuters

USA: National Book Award

In den USA gilt der National Book Award (NBA) als der wichtigste Literaturpreis der USA - nach dem Pulitzerpreis. Allerdings ist er "nur" mit 10.000 Dollar dotiert, gestiftet von der eigens dafür gegründeten National Book Foundation. Seit 1950 wird er jedes Jahr von einer unabhängigen Jury vergeben und zwar in vier Kategorien: Roman, Sachbuch, Lyrik und Jugendbuch. Zusätzlich werden noch zwei Preise für ein literarisches Lebenswerk vergeben, der Preisträger muss amerikanischer Staatsbürger sein.

Es werden nur Schriftsteller und Lyriker mit dem NBA ausgezeichnet, die in englischer Sprache schreiben und deren Bücher in den USA verlegt werden, da ist die Jury streng. Die Liste der Preisträger liest sich wie das "Who Is Who" der amerikanischen Literaturgeschichte: William Faulkner, John Updike, Thornton Wilder, Arthur Miller, Toni Morrison, Norman Mailer, Joyce Carol Oates, Philip Roth.

Großbritannien: Booker Prize

Seit 1969 wird in Großbritannien jedes Jahr der renommierte Booker Prize vergeben. Er ist der wichtigste britische Literaturpreis; ausgezeichnet wird der jeweils beste englischsprachige Roman, der im Vereinigten Königreich veröffentlicht wurde. Bis 2013 war diese Auszeichnung nur für Autoren aus dem Vereinigten Königreich, Irland und dem Commonwealth offen. Inzwischen ist er ein Preis für die gesamte englischsprachige Welt. 2015 erhielt ihn erstmals ein Jamaikaner, Marlon James für seinen Bob Marley-Roman "A Brief History of Seven Killings". Der Preisträger erhält 50.000 Pfund Sterling, gestiftet von der Booker Prize Foundation, die auch für die Vergabe verantwortlich zeichnet.

Gewinner des Man Booker Prize 2015: der jamaikanische Schriftsteller Marlon JamesBild: picture-alliance/empics/N. Hall

2005 wurde in Großbritannien der Man Booker International Prize neu geschaffen, dotiert mit 60.000 Pfund. Er wurde allerdings nur alle zwei Jahre vergeben. Hauptsponsor ist der international operierende Finanzinvestor Man Group plc in London. Die Jury zeichnete mit diesem Preis einen Autor beliebiger Nationalität für sein gesamtes englischsprachiges Werk aus. Seit 2016 wird der internationale Preis parallel zum Booker Prize jährlich vergeben: für einen fremdsprachigen Roman und dessen neu erschienene englische Übersetzung. Die Preissumme von 50.000 Pfund teilen sich Autor und Übersetzer.

Die Verleihung beider Preise wird live im britischen Fernsehen übertragen und verschafft den ausgezeichneten Autoren hohe Publicity und dementsprechende Verkaufszahlen.

Frankreich: Prix Goncourt

Der bekannte Prix Goncourt, der nach den Schriftstellerbrüdern Edmond und Jules Goncourt benannt ist, wird alljährlich im November vergeben. Er zeichnet das beste literarische Werk aus, das im jeweiligen Jahr in französischer Sprache auf dem Buchmarkt erschienen ist. Als gesellschaftliches Ereignis erster Ordnung gilt er in Frankreich als hohe Auszeichnung, auch wenn der Preis nur mit symbolischen 10 Euro dotiert ist. Der Prix Goncourt ist bei Autoren und Schriftstellern sehr begehrt, weil mit seiner Verleihung meist gesteigerte Verkaufserfolge nicht nur in Frankreich einhergehen. 2010 verhalf er Michel Houellebecq auf die vorderen Plätze der Bestsellerlisten und machte ihn als Autor weltberühmt. 2015 ging er an den französischen Schriftsteller Mathias Énard.

Deutschland: Georg-Büchner-Preis, Deutscher Buchpreis, Internationaler Literaturpreis

Der mit 50.000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis wird alljährlich im Herbst von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen und gilt als renommierteste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 1951 als Literaturpreis verliehen und erinnert an das Werk des deutschen Schriftstellers und Dramatikers Georg Büchner (1813 - 1873). Ausgezeichnet werden Schrift­stellerinnen und Schrift­steller, die auf deutsch schreiben, für ihr Gesamtwerk, durch das sie "an der Gestaltung des gegen­wärtigen deutschen Kultur­lebens wesentlichen Anteil haben".

Rainald Goetz erhielt 2015 den Georg-Büchner-PreisBild: picture-alliance/dpa/B. Roessler

Zu den Preisträgern gehören namhafte Schriftsteller wie Sibylle Lewitscharoff (2013), Felicitas Hoppe (2012), Friedrich Dürrenmatt (1986), Heinrich Böll (1967), Erich Kästner (1957) und Gottfried Benn (1951). 2015 erhielt der Schriftsteller Rainald Goetz den Georg-Büchner-Preis.

Der Deutsche Buchpreis, der alljährlich im Oktober am Vorabend der Frankfurter Buchmesse vergeben wird, genießt ebenfalls hohes Renommee - und wirkt sich durch den hohen Öffentlichkeitsfaktor der Frankfurter Buchmesse nicht nur für den Preisträger, sondern auf alle sechs Titel der Shortlist stark verkaufsfördernd aus. Wie der Booker Prize zeichnet er ein einzelnes Werk aus, einen im Laufe des Jahres erschienenen Roman. Verantwortlich zeichnet die "Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung", die durch eine Akademie eine jährlich wechselnde Jury beruft. Der Deutsche Buchpreis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: Der Gewinner erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro.

Preisträger 2015 war Frank Witzel mit seinem 800-seitigen Überraschungserfolg "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969".

Wie in Großbritannien ab 2016 gibt es in Deutschland schon seit 2009 einen Preis für internationale Literatur in Übersetzung: Der von der "Stiftung Elementarteilchen" geförderte Internationale Literaturpreis ist seit 2009 am Haus der Kulturen der Welt in Berlin angesiedelt. Er zeichnet einen herausragenden Titel der internationalen Gegenwartsliteratur in deutscher Erstübersetzung aus und würdigt sowohl das Werk des Autors oder der Autorin als auch des Übersetzers.

2015 ging der mit insgesamt 35.000 Euro dotierte Preis an den israelischen Autor Amos Oz und die Übersetzerin Mirjam Pressler für den aus dem Hebräischen übertragenen Roman "Judas".

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen

Mehr zum Thema

Weitere Beiträge anzeigen