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Politik

London will Lebenszeichen von Scheicha Latifa

17. Februar 2021

Die Tochter des Emirs von Dubai wird nach eigener Aussage von ihrem mächtigen Vater gefangengehalten - nach einem spektakulären Fluchtversuch vor drei Jahren.

Dubai Sheikha Latifa bint Mohammed Al Maktoum
"Alle Fenster sind vergittert": Prinzessin Latifa - hier ein älteres VideostandbildBild: picture alliance/AP Photo/Detained in Dubai

Nach der Veröffentlichung mehrerer Videos, die eine Tochter des Emirs von Dubai aufgenommen haben soll, verlangt der britische Außenminister Dominic Raab ein Lebenszeichen von Scheicha Latifa. Die von dem britischen Rundfunksender BBC veröffentlichten Filme seien "erschütternd", sagte Raab dem Sender Sky News. Er fügte hinzu, es sei nur menschlich, dass die Leute nun wissen wollten, ob die Prinzessin "lebt und es ihr gut geht". Auch Premierminister Boris Johnson zeigte sich "besorgt".

In den Videobotschaften beschuldigt die 35-Jährige ihren Vater, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum, sie seit einer gescheiterten Flucht vor knapp drei Jahren als "Geisel" festzuhalten. Dazu sei eine Villa in Dubai "in ein Gefängnis umgewandelt" worden. Alle Fenster seien vergittert. Sie lebe unter ständiger Bewachung, und die Polizei habe ihr gesagt, sie werde "niemals wieder die Sonne sehen". Latifa sagte, sie fürchte um ihr Leben.

"Überwältigt und ruhiggestellt"

Die BBC erhielt die Aufnahmen laut eigenen Angaben von Unterstützern der Prinzessin. Die Kampagne "Fee Latifa" erklärte, sie habe ein Smartphone zu Latifa einschleusen können. Damit habe diese ihre Videonachrichten verschickt, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden seien.

"Die Leute wollen wissen, ob sie lebt": Großbritanniens Außenminister Dominic Raab (Archivbild)Bild: Ashraf Shazly/Getty Images/AFP

In einem der Kurzfilme berichtet Latifa von ihrem Fluchtversuch 2018. Auf einem Boot sei sie noch vor Erreichen der indischen Küste von einem Kommando aus den Vereinigten Arabischen Emiraten überwältigt und ruhiggestellt worden. Erst in Dubai habe sie wieder das Bewusstsein erlangt.

"Schrecklich getäuscht"

Die Regierung von Dubai hatte im April 2018 lediglich erklärt, Scheicha Latifa sei zu ihrer Familie "zurückgebracht" worden und es gehe ihr gut. Seither wurde sie nicht mehr persönlich in der Öffentlichkeit gesehen. Die Regierung der Emirate veröffentlichte Monate danach Fotos von einem Treffen Latifas mit Ex-UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson. Diese sagte später, sie sei während ihres Besuchs in Dubai "schrecklich getäuscht" worden.

Ein britisches Gericht machte den Emir von Dubai 2020 für die Entführung Latifas verantwortlichBild: Tim Goode/PA Wire/empics/picture alliance

Nach der Ausstrahlung der jüngsten Videos kündigte das Büro des Menschenrechtskommissars der Vereinten Nationen an, mit den Emiraten über Scheicha Latifas Schicksal zu sprechen. Der britische Außenminister begrüßte die Ankündigung. Seine Regierung werde die Maßnahmen der UN "genau verfolgen", erklärte Raab.

Ein britisches Gericht hatte den Emir von Dubai im März 2020 für die Entführung Latifas und einer weiteren Tochter, Scheicha Schamsa, verantwortlich gemacht. Gleichzeitig befand es Scheich Mohammed der Einschüchterung seiner sechsten Frau, Prinzessin Haja Bint al-Hussein, für schuldig. Diese hatte im Sommer 2019 international für Aufsehen gesorgt, als sie mit ihren acht und zwölf Jahre alten Kindern nach Großbritannien flüchtete. Der Emir wies alle Vorwürfe zurück. Der Stadtstaat Dubai gehört zu den Vereinigten Arabischen Emiraten; Scheich Mohammed ist deren Vize-Präsident und Regierungschef.

jj/qu (dpa, afp, rtr)