Loyalität und eigenes Profil
21. März 2004
Natürlich ist auch Franz Müntefering seit vielen Jahren Berufspolitiker. Allerdings kann der 64-Jährige darauf verweisen, dass er mehr als 20 Jahre mit einer gänzlich anderen Tätigkeit sein Geld verdient hat. Als 14-Jähriger hat der Arbeitersohn eine Lehre als Industriekaufmann begonnen und bis 1975 auch in diesem Beruf gearbeitet. Da gehörte er freilich schon längst der SPD an, in der er sich bereits einen Namen gemacht hatte - jedenfalls im Sauerland, einem waldreichen und ländlich geprägten Teil Nordrhein-Westfalens, aus dem Müntefering stammt. Funktionen auf der unteren Parteiebene sowie in der Lokalpolitik kennzeichnen diesen Abschnitt.
Doch 1975 zog er in den Bundestag ein, dem er zunächst bis 1992 angehörte. In dieser Phase gewann er innerparteilich weiter an Profil. Er nahm innerhalb der Fraktion verschiedene herausgehobene Positionen wahr und stieg letztlich in den Bundesvorstand der SPD auf. 1992 wurde er Arbeits- und Sozialminister in Nordrhein-Westfalen. Doch sonderlich lange hielt es Müntefering nicht in der Landespolitik. Drei Jahre später zog es ihn wieder auf die Bundesebene.
Wahlkampfmanager
Müntefering wurde Bundesgeschäftsführer der SPD, blieb im Land Nordrhein-Westfalen aber politisch präsent. Als Landtagsabgeordneter und als Landesvorsitzender ab Mai 1999 bewahrte er sich die Option, einmal Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zu werden. Doch die Entwicklung wollte es anders, zumal Müntefering als Manager des SPD-Wahlkampfes 1998 ein großer Anteil am Sieg seiner Partei bei der Bundestagswahl zugeschrieben wird. Müntefering zog als Verkehrs- und Bauminister ins Bundeskabinett ein. Ein Jahr später - die SPD hatte schwere Wahlniederlagen hinnehmen müssen - wurde er wieder Bundesgeschäftsführer der SPD.
Geschlossenheit und Disziplin - das verlangte Müntefering von der SPD, die ihn auf einem Parteitag mit nahezu 95 Prozent im Amt bestätigte. Müntefering war beliebt in seiner Partei. Seine Integrationsfähigkeit und die Nähe zur Basis sicherten ihm regelmäßig hohe Zustimmungsraten auf Parteitagen. Und nicht nur dort. Als er sich nach der Bundestagswahl 2002 um den Vorsitz der SPD-Bundestagsfraktion bewarb, war das Ergebnis ebenfalls deutlich.
Erklärungsbedarf
Und so müht sich Müntefering um die Geschlossenheit der Fraktion, wobei es ihm auch nicht fremd ist, Druck auf Abgeordnete auszuüben. So drohte er im Herbst 2001 - damals noch Generalsekretär der SPD - bei der Bundestagsabstimmung über den Mazedonien-Einsatz der Bundeswehr den Abweichlern aus seiner Partei damit, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl schlechte Listenplätze bekämen.
Müntefering steht loyal zu Bundeskanzler Gerhard Schröder. Daran will er keinen Zweifel aufkommen lassen, wenngleich er etwa im Zusammenhang mit den Sozialreformen anfangs erhebliche Bedenken hatte. Davon ist keine Rede mehr. Er soll, so wünscht es sich auch der Kanzler, die Sozialreformen erklären - inner- und außerhalb der Partei. Das eigene Profil wird er sich dabei nicht nehmen lassen.