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Neubauer: "Deutschland finanziert Putins Krieg!"

3. März 2022

Luisa Neubauer bezieht eindeutig Position: Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine fordert die Fridays-for-Future-Aktivistin im DW-Interview einen schnelleren deutschen Umstieg auf Wind- und Sonnenenergie.

Luisa Neubauer
Klima-Aktivistin Neubauer: "Wir können zehn Jahre in die Zukunft springen"Bild: Christoph Soeder/dpa/picture alliance

Luisa-Marie Neubauer war schon in ruhigen Zeiten für ihre klaren Worte bekannt. Die bald 26 Jahre alte Geografie-Studentin aus Göttingen ist in Deutschland das Gesicht der von der Schwedin Greta Thunberg inspirierten Umweltbewegung "Fridays for Future", derzeit sicher die wichtigste Klimaaktivisten-Organisation weltweit.

Auch jetzt findet sie im Interview mit der DW klare Worte zum Krieg in der Ukraine, zu Russland und zu Deutschlands Rolle: "Es ist doch wichtig, dass man jetzt ehrlich ist: Wer finanziert die jetzigen Angriffe? Deutschland etwa, das die Hälfte seiner Energie aus Russland bezieht. Wir sehen ja jetzt, dass die deutsche Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus Russland eines der Dinge ist, die Präsident Putin so mächtig macht."

Neubauer: "Schnellerer Umstieg ist möglich!"

Tatsächlich bezieht Deutschland derzeit 55 Prozent seines Gases und 42 Prozent seines Öls aus Russland, dessen staatliche Haupteinnahmequellen andererseits genau solche Exporte sind. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind aber umfangreiche Sanktionen in Kraft getreten. Deutschland will etwa die fertig gebaute Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nicht in Betrieb nehmen.

Um die russischen Lieferungen möglicherweise zu ersetzen, prüft die Regierung jetzt alle Optionen. Eine Verschiebung des Ausstiegs aus der Kohleverstromung etwa, der für 2030 geplant ist, sogar der Weiterbetrieb der drei letzten deutschen Kernkraftwerke wird geprüft. Und der Kauf von Flüssiggas aus den USA.

Deutsches Nord-Stream-2-Terminal in Lubmin: Aufgrund des Krieges geht die neue Anlage nicht ans NetzBild: Abdulhamid Hosbas/AA/picture alliance

Luisa Neubauer hält davon nichts. Sie sagt, Deutschland müsse jetzt eben noch früher nur auf erneuerbare Energien setzen: "Natürlich ist das möglich. Wir können in Deutschland bis 2035 klimaneutral sein. Es gibt da keinen Mangel an technischen Fähigkeiten. Sondern einen Mangel an politischem Willen. Und gerade die jetzige Situation des Krieges öffnet alle Türen: Wir können jetzt 20 Jahre zurückgehen und alle Fehler noch einmal machen, oder wir können zehn Jahre in die Zukunft springen. Wir haben uns selbst in diese vertrackte Situation gebracht, in der wir jetzt hoch abhängig von fossilen Energieträgern sind. Und das hat seinen Preis. Und es kann doch nicht die Antwort sein, diesen Anteil auch noch zu erhöhen."

Wind-und Sonnenergie sind die friedlichste Energieform

Derzeit kommen rund 42 Prozent des deutschen Stroms von den erneuerbaren Energien. Und die Regierung plant, bis 2045 klimaneutral zu sein. Für Neubauer geht das alles viel zu langsam.

An die Adresse der deutschen Regierung gerichtet sagt sie: "Wenn sie jetzt nicht verstehen, dass die erneuerbaren Energien nicht nur die umweltfreundlichste und billigste Energieform sind, sondern auch die friedlichste Form, dann weiß ich nicht, worauf sie noch warten. Natürlich können wir eine volle Versorgung mit Erneuerbaren Energien erreichen. Das sagen viele Studien. Auch mittelfristig." Und weiter: "Eine Demokratie kann nicht frei und sicher sein, solange ihre Energieversorgung bei einem autokratischen System liegt, das dazu neigt, Kriege anzuzetteln."

"Demokratien müssen beim Klimaschutz vorangehen!"

Sieht Neubauer eine Gefahr, wenn Russland durch den Krieg nun in eine internationale Isolation gerät und etwa auch die Zusammenarbeit mit dem Westen beim Klimaschutz auf Eis gelegt wird?  "Ich finde es viel gefährlicher, dass die Demokratien der Welt immer noch nicht richtig verstanden haben, was die Klimakrise wirklich bedeutet. Und immer noch in fossile Energieträger investieren und Regime wie das in Russland unterstützen. Wenn diese Staaten die Führungsrolle im Klimaschutz übernehmen würden, hätten wir eine gänzlich andere Situation."

Positionen, die Neubauer so auch als eine der Rednerinnen auf der großen Demonstration in Berlin gegen den Krieg in der Ukraine am vergangenen Sonntag vertrat. Dort wies sie darauf hin, dass die Klimakrise und die Sicherheit in Europa eng verknüpft seien.

 

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